Falsches Spiel mit Totem: Zwillingsbruder nutzt Ableben für Betrugsmasche

München - Es ist eine makabre Art, seines Bruders zu gedenken: Monatelang trat Dimitri A. in der Rolle seines toten Zwillingsbruders auf. Iwan starb 2008 mit 57 Jahren nach einem Verkehrsunfall. Dimitri gab sich für ihn aus und nützte seine Kreditkarten für Schwindeleien in großem Stil - Schaden knapp 100 000 Euro.

Erst im Prozess vor dem Amtsgericht outete sich der falsche Iwan als noch lebender Dimitri.

Der Angeklagte hatte auf Wunsch seiner Mutter Buchhalter gelernt, mit Zahlen jonglierte er aber lieber im Casino - meist glücklos. Beim plötzlichen Ende seines Bruders war er wieder mal klamm. Das brachte ihn auf die Idee, in die Schuhe des Toten zu schlüpfen. „Ich war überzeugt, er hätte mir selber dazu geraten", sagt der Spieler. „Er hat mir immer aus der Klemme geholfen". Zustatten kam seinem Vorhaben, dass Iwan sich drei Jahre zuvor nach einem Rosenkrieg von seiner Frau getrennt und jeden Kontakt abgebrochen hatte, Kinder hatte er keine, die Eltern der Zwillinge lebten nicht mehr.

Der Angeklagte eröffnete unter Iwans Namen ein Konto, auf das er den Erlös der Möbel und des Wagens des Verstorbenen - gut 15 000 Euro - einzahlte und eine Kreditkarte bekam. Das Festgeld des Bruders, etwa 25 000 Euro, machte er flüssig und setzte es binnen weniger Wochen auf die falschen Zahlen: Geburts- und Todestag Iwans, das Datum seiner Einschulung und der Erstkommunion und ähnliche markante Daten aus seinem Leben. „Hat mir kein Glück gebracht", seufzte der Angeklagte. In der Folgezeit kaufte er mit der Kreditkarte ein, hauptsächlich Schmuck.

Das konnte nicht lange gut gehen. „Iwan" wurde wegen Betrugs mit einem Schadenvon 98 970 Euro angeklagt. Vor Gericht zerfloss er vor Reue. „Ich schäme mich zutiefst über mein übles Spiel mit einem Toten", versicherte er. „Unsere Eltern haben sich bestimmt im Grabe umgedreht."

Iwan würde ihm zwar verzeihen, er selbst könne sich aber nicht verzeihen, den Namen seines Bruders in den Schmutz gezogen zu haben. Seine Reue verhalf ihm zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Der Richter: „Lassen Sie die Finger vom Roulette, sonst haben wir uns bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen"

Sarah List

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