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Bildungstage in München 

Familien-Experte im Interview: „Eltern dürfen sich nicht anbiedern“

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München - Bei den Bildungstagen Ende Januar wird auch der Gründer der Münchner Familienwerkstatt „familylab“ sprechen: Mathias Voelchert gibt Rat und Auskunft über die 50 häufigsten Familienkonflikte. Vorab ein Interview.

Eines Ihrer Bücher heißt: „Ich gehe aber nicht mit zum Wandern!“ – das ist aber sicher nicht der Hauptkonflikt in den Familien, oder?

Nein, natürlich nicht. Das Problem ist bei mir persönlich schon aufgetaucht. Aber die häufigsten Konflikte sind andere.

Welche?

Die meisten haben mit Führung durch die Eltern zu tun, mit Nein-Sagen. Eltern wollen einfach gerne lieb sein, wollen alles in Harmonie tunken. Gute oder sogar beste Eltern sein zu wollen – das ist eine Grundhaltung gegenüber den Kindern heute. Das bringt Schwierigkeiten: Kindern wollen keine besten, sondern reale Eltern, die mal Ja, aber auch mal Nein sagen zu dem, was sie gerne hätten.

Früher war das anders: Da durfte man den Vater nicht stören, wenn er Zeitung liest. Wollen die Eltern heute ein zu viel an Nähe?

Ein zu viel an Nähe gibt es nicht. Aber es darf nicht zum Anbiedern werden. Früher lief vieles autoritär ab – nach dem Motto: Wenn Du nicht funktionierst, gibt es Strafen oder sogar Schläge. Also funktionierten die Kinder aus Angst vor den Strafen – nicht etwa, weil sie etwas als richtig einsahen. Heute geht es darum, eine persönliche Autorität zu entwickeln.

Konkrete Dauerkonfliktherde in vielen Familien sind die Themen Handy und Fernsehen. Ihre Empfehlungen?

Ganz klar: Lieber zu wenig als zu viel. Meine Kinder haben bis zu einem Alter von acht Jahren nur „Die Sendung mit der Maus“ und „Löwenzahn“ angeguckt. Da waren wir sehr klar. Haben sie was verpasst dadurch? Ich meine Nein. Als unsere Tochter eines Tages in der Schule war, kam sie zurück und sagte: Papa, weißt Du eigentlich, dass Fernsehen den ganzen Tag läuft. Letztendlich geht es um eine Erziehung zur Selbststeuerung mit Handy, Computer und Fernsehen. Kinder müssen eine bewusste Umgangsweise mit Medien entwickeln.

Hausaufgaben – das mach ich später, heißt es eines Ihrer Kapitel im Buch. so was geht gar nicht, oder?

Jedes Kind ist anders. Unser Sohn kam eines Tages an und sagte: Ich geh zu meinem Freund und mach die Hausaufgaben dort. Das ging schief. Eltern sind aber keine guten Hausaufgaben-Betreuer, weil sie ständig an das große Ganze, an langfristige Folgen denken. Nach dem Motto: Wenn der so weitermacht, dann ist er in zehn Jahren ganz unten. Das passiert de facto bei einem Promille der Kinder, aber fast 100 Prozent der Eltern haben diese Ängste. Das ist ein typischer Elternfehler.

Sie empfehlen Familienkonferenzen. Was ist das?

Ein kleiner Formalismus. Man sitzt an einem Tisch und zündet eine Kerze an. Dann darf jeder sagen, was ihn bedrückt oder freut – und es wird nicht von den anderen kommentiert. Es ist ein Forum, um das Schöne und Nicht-Schöne miteinander zu teilen, ohne dass die Erwachsenen ihre Macht benutzen.

Das Forum "Eltern Wissen" bei den Bildungstagen München:

Zum dritten Mal finden in München Ende Januar die Bildungstage (früher: Schultage) statt. Am 30./31. Januar kann man sich im Münchner MTC (Ingolstädter Straße 45) jeweils von 10 bis 17 Uhr bei zahlreichen Bildungsträgern informieren.

Unter anderem zu folgenden Fragen: Was ist die bestmögliche Bildung für mein Kind? Welche Lern- und Bildungskonzepte gibt es? Wie finde ich die richtige Schule? Welche Chancen und Risiken bieten interaktives und multimediales Lernen, und wie nutze ich digitale Medien? Welche Möglichkeiten der individuellen Förderung und Unterstützung kommen infrage? Welche Wege gibt es, als Schüler Lebenserfahrungen im Ausland zu sammeln?

Dazu gibt es ein umfangreiches Vortragsprogramm – das Forum „Eltern Wissen“. Hier die Themen:

Samstag, 30. Januar

12 Uhr: Musikalische Bildung in Kindheit und Jugendalter – Referenten sind die Musikpädagogen Ilona Seufert und Andreas Pleichinger

13 Uhr: Die 50 häufigsten Familienkonflikte und wie sie da gut wieder rauskommen – Vortrag von Mathias Voelchert

14 Uhr: Wie zeitgemäß ist Internatserziehung im Jahre 2016? Referent ist Robert Leicht, Präsident des Salem Kollegs

15 Uhr: Alle Kinder sind wissbegierig. Aber viele lernen ungern – von Andre Stern

Sonntag, 31. Januar 

11 Uhr: Eine Schule mit zwei Sprachen. Warum eine zweisprachige Erziehung Sinn macht – von Kerrie Elston-Güttler (Jules Vernes Campus München)

12 Uhr: Auf den Lehrer kommt es an. Beziehungskultur statt „Klassenkampf“– Vortrag von Robert Rauh (Lehrer des Jahres 2013)

13 Uhr: Wie sieht eigentlich eine gute Schule aus? Bemerkungen aus der Sicht einer Schülerin – von Hanna Imhoff, Schülerin der Gröbenzeller Waldorf-Schule

14 Uhr: Über einen guten Umgang mit Handy und Computer – von Eva Jungnickl (Medienpädagogin der Sabelschulen München)

15 Uhr: Helikopter-Eltern: Wie viel „Kümmern“ macht Sinn und wie viel ist schädlich? – von Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Wichtig: Der Eintritt zu den Bildungstagen ist frei.

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