Ignaz Ott auf seinem Radl. KH

Fast so hart wie die Arbeit auf dem Feld

München - Der 56-jährige Ignaz Ott ist mit dem Radl aus Kochel zum Stadtlauf gefahren, mitgelaufen und wieder zurückgeradelt.

„Ich bin gerne unter Sportlern“, sagt Ignaz Ott, „nirgends ist die Quote von guten Leuten höher.“ Kein Wunder, dass sich der 56-Jährige beim Stadtlauf von Sport Scheck und BMW pudelwohl fühlt - ist er hier doch unter vielen tausend Läufern unterwegs. Der Lauf über zehn Kilometer ist dem Nebenerwerbs-Landwirt aus Kochel aber nicht genug. Er ist gleich auch noch mit dem Radl angereist. Fast 140 Kilometer auf dem Drahtesel kommen so am Sonntag zu dem Lauf noch hinzu. Und das zunächst unter schwierigen Bedingungen. „Ich bin klatschnass“, sagt Ignaz Ott, als er um 10.15 Uhr auf dem Marienplatz ankommt. Über drei Stunden hat er für die Hinfahrt gebraucht - und das teilweise bei strömendem Regen. „Meine Lieblingsstrecke auf dem Loisach-Damm war richtig schlecht zu fahren, der Kies war nass“, erklärt er.

Die Aktion ist für ihn „eine Gaudi, aber auch eine Bestätigung“. Früher sei er „extrem Berggelaufen“, aber dann wurde Ignaz Ott vor einigen Jahren krank und konnte so nicht weitermachen. „Ich habe mit der Brechstange Sport gemacht, nicht auf genug Flüssigkeit geachtet und nicht auf das Magnesium“, sagt er. Das macht er heute anders, treibt bewusster Sport. „Ich gebe nicht mehr Vollgas, nur noch 80 Prozent.“ Sein Ziel für den Lauf? „Die Vier soll stehen. Ich will eine Zeit zwischen 45 und 49 Minuten.“

Die schafft Ott am Sonntag - strahlend erklärt er nach dem Zieleinlauf: „Wunderbar, ich fühle mich wie in den besten Zeiten, das ist wirklich nur weiterzuempfehlen.“ Dabei geht es Ott nicht nur um die persönliche Leistung, er will auch Vorbild sein. „In dem Alter ist man noch leistungsfähig, man gehört nicht zum alten Eisen, auch wenn viele das sagen.“

Allzu lange ausruhen kann sich Ignaz Ott nach der Rückkehr in Kochel nicht. Am heutigen Montag steht die Heu-Ernte an. „Am Dienstag bin ich dann den ganzen Tag mit der Gabel auf dem Feld wie anno dazumal“, sagt er, „denn am Mittwoch stehen Gewitter an.“ Diese Arbeit, erklärt er, sei „noch deutlich härter als der Sport“.

Felix Müller

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Studie für die Münchner Stadtviertel: Klarer Brennpunkt gefunden
Das Coronavirus hält die Wissenschaft in Atem. Eine neue Studie der AOK Bayern zeigt jetzt, wie unterschiedlich sich die Krankheit in einer Stadt wie München ausbreiten …
Corona-Studie für die Münchner Stadtviertel: Klarer Brennpunkt gefunden
Corona-Schock: Münchner Traditionsunternehmen stellt Insolvenzantrag - „Krise hat uns schwer getroffen“
Corona und die Folgen für die Wirtschaft: Ein Münchner Traditionsunternehmen hat die Krise „schwer getroffen“. Nun musste gar ein Insolvenzantrag gestellt werden.
Corona-Schock: Münchner Traditionsunternehmen stellt Insolvenzantrag - „Krise hat uns schwer getroffen“
Raser-Alarm in München: Porsche-Fahrer stellt traurigen „Rekord“ auf - Unternehmer erteilt nun Hausverbote
Der Polizei ist in München ein erfolgreicher Schlag gegen die Autoposer-Szene gelungen. Knapp 250 Raser wurden erwischt. 
Raser-Alarm in München: Porsche-Fahrer stellt traurigen „Rekord“ auf - Unternehmer erteilt nun Hausverbote
Riesen Verkehrs-Chaos in München erwartet: Innenstadt wegen Demonstration fast dicht
In München kommt es am Donnerstag (9. Juli) zu Verkehrsbehinderungen. Grund ist ein Demonstrations-Zug von Schaustellern und Marktkaufleuten, die auf ihre Situation in …
Riesen Verkehrs-Chaos in München erwartet: Innenstadt wegen Demonstration fast dicht

Kommentare