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Karl-Heinz Rummenigge spricht über die Pläne für das Leistungszentrum im Münchner Norden und gibt Entwarnung.

Ingolstädter Straße

Rummenigge: Wir bauen kein Mini-Stadion

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München - Der FC Bayern will ein riesiges Leistungszentrum im Münchner Norden bauen. Der Verein verspricht aber: Viel Fan-Verkehr soll es hier nicht geben. Und auch die Pläne für ein kleines Stadion sind vom Tisch.

Der deutsche Fußball-Meister will wie berichtet auf seinem Grundstück an der Ingolstädter Straßeein Leistungszentrum für seine Nachwuchsarbeit errichten, das am Ende europaweit seinesgleichen sucht. Seit 2011 reifen die Pläne. Die Anwohner sehen das Projekt mit Skepsis, da es hieß, unter anderem solle dort auch ein kleines Stadion gebaut werden. Bisher schwieg sich die Klubführung zu dem Thema aus, nun aber stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegenüber dem Münchner Merkur klar: „Nein, ein Stadion ist dort nicht geplant.“

Rummenigge kann Anwohner beruhigen: Keine Fan-Ansammlungen

Erstmals skizzierte ein Entscheidungsträger des Klubs das Vorhaben. Man wolle die Anwohner des Areals an der Ingolstädter Straße generell „nicht mit irgendwelchen Besucherströmen überstrapazieren“, entkräftete Rummenigge die Besorgnis der Nachbarn. Der Publikumsverkehr würde sich weiterhin in Harlaching bündeln, denn nach Freimann ausgelagert werden soll allein der Nachwuchsbereich. „Der gesamte Profibereich, die Geschäftsstelle, die Frauenmannschaft und unsere zweite Mannschaft bleiben an der Säbener Straße“, sagte Rummenigge. Und eine Mini-Arena sei ein Gerücht: „Wir haben mit der Stadt München Einigkeit, dass der Profi-Fußball in der Allianz Arena stattfindet, und der Fußball der Frauen sowie unserer zweiten Mannschaft im Grünwalder Stadion. Das wollen wir nicht infrage stellen.“

Karl-Heinz Rummenigge

Anlass zu Spekulationen könnte allerdings geben, dass laut Stadt im Bebauungsplan nach wie vor eine Halle mit bis zu 5000 Zuschauer-Plätzen vorgesehen ist. Eine Hintertür für die FC-Bayern-Basketballer? Das würde jedoch Rummenigges Aussage widersprechen, es seien keine Besucherströme zu befürchten.

Pläne für Schul-Internat und acht bis zwölf Fußballfelder

Bei seinem Projekt orientiert sich der deutsche Branchen-Primus auf jeden Fall an Europas Spitze. Der frühere Sportdirektor Christian Nerlinger besuchte unter anderem die berühmte Kaderschmiede „La Masia“, die beim FC Barcelona für einen nicht enden wollenden Nachschub an Talenten sorgt. Auch bei Manchester United und Manchester City machte er sich schlau. Auf dem Areal, das nur wenige Kilometer von der Allianz Arena trennt, sollen unter anderem ein Schul-Internat und ein Trainingsgelände mit acht bis zwölf Fußballfeldern entstehen.

„Wir möchten einfach hier nur für die Mannschaften der U 8 bis U 19 optimale Voraussetzungen haben und unser Training auf eine professionellere, breitere Basis stellen“, sagte Rummenigge. In der Jugendarbeit sei man nicht mehr „State of Art“, so der Vorstandschef, in Hoffenheim, beim VfB Stuttgart und in Hamburg werden Talente besser gefördert. „Wir können das Thema Nachwuchs nicht mehr optimal ausreizen“, erläutert der Bayern-Chef die Situation an der Säbener Straße: „Wir haben hier 13 Teams auf vier Plätzen. Die trainieren fast jeden Tag. Speziell im Winter, da haben wir nur zwei Kunstrasenplätze. Wir müssen was tun.“

"Müssen Talentförderung anschieben, festigen und verbessern"

Zuletzt ist es dem Triple-Sieger nicht mehr in diesem Maße wie früher gelungen, Nachwuchsspieler bei den Profis zu integrieren. Gesucht werden der neue Philipp Lahm, der neue Bastian Schweinsteiger, der neue Thomas Müller. David Alaba ist das letzte Eigengewächs, das sich auf Top-Niveau etablieren konnte. „Diese tragende Säule Talentförderung müssen wir wieder anschieben, festigen und verbessern. Und dafür brauchen wir das neue Leistungszentrum“, stellte Rummenigge klar. „So schnell wie möglich, wir müssen uns schnell bewegen.“ Der Vorstandschef will das Projekt zügig realisiert sehen. „Die interne Debatte ist fertig. Die Frage ist nun, wie lange es dauert, die Genehmigung zu bekommen. Das ist bisher alles auf einer sehr guten und sympathischen Ebene.“

Die Stadtverwaltung verweist auf Anfrage unserer Zeitung allerdings darauf, dass der Ball nun zunächst beim FC Bayern München liegt. Der Bebauungsplan sei bereits rechtskräftig, erklärte ein Sprecher des zuständigen Planungsreferats. „Bisher wurde aber noch kein Bauantrag vom FC Bayern gestellt“, betonte er.

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Andreas Werner, Felix Müller

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