Ein Gespür für Gemütlichkeit: Ferdinand Schmid (re.) mit dem jetzigen Chef der Augustiner-Brauerei, Jannik Inselkammer. sj

Ferdinand Schmid: Der bescheidene Bierpatron

München - Ferdinand Schmid, 20 Jahre lang Chef der Augustiner-Brauerei, hat viel für die Münchner Wirtshauskultur getan. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag

Bescheiden ist der Bewahrer geblieben. Dabei ist es Ferdinand Schmid, dem ehemaligen Augustiner-Direktor, zu verdanken, dass das Traditionshaus an der Landsberger Straße heute die letzte selbständige Münchner Brauerei in privater Hand ist. Während die anderen Häuser – abgesehen vom staatlichen Hofbräuhaus – von auswärtigen Investoren übernommen wurden, gelang Schmid ein Geniestreich, der einen Verkauf verhindert. Heute feiert die „Brauer-Eminenz“ Schmid 85. Geburtstag.

Dieses Kompliment hat ihn wohl besonders gefreut: Schmid sei verantwortlich dafür, dass „Augustiner den Zeitgeist verschlafen habe“, lobte OB Christian Ude den „Herrn Direktor“ 2006 bei der Verleihung der goldenen Erhrenmünze der Stadt. In den 20 Jahren, in denen Schmid bis 1991 die Geschicke der Brauerei lenkte, propagierte er den bewussten Verzicht auf Werbung. Während andere Münchner Brauer die Stadt zuplakatierten und Märkte im Osten erobern wollten, setzte der Traditionsmensch auf die Devise „A guads Bier is die beste Werbung“. Mit Erfolg: Denn die Münchner lieben „ihr“ Augustiner. Und der Absatz mit zuletzt um die 950 000 Hektolitern im Jahr lässt nicht zu wünschen übrig.

Das Gespür für die alte Wirtshauskultur trieb Schmid immer an. „Wenn München nicht mehr gemütlich ist, dann ist es nicht mehr München“, sagte er einmal. Doch bis in die achtziger Jahre waren die Augustiner-Gaststätten alles andere als ansehnlich. Man habe sich „dran machen müssen, die lange vernachlässigten Wirtschaften zu sanieren“, so Schmid. Und so ließ er altehrwürdige Wirtshäuser originalgetreu herrichten – und erstand neue, etwa das barocke Asam-Schlössl in Thalkirchen und das Bräustüberl an der Landsberger Straße – früher der Pferdestall der Brauerei.

Das Engagement ihres Vorgängers wissen auch die jetzigen Augustiner-Chefs Jannik Inselkammer und Werner Mayer zu schätzen: Mit seinem „konservativen, ehrlichen und geraden Kurs“ habe Schmid „entscheidend zum Erfolg von Augustiner beigetragen“, sagt Inselkammer.

Bei allem Erfolg blieb Schmid bodenständig. Überliefert ist jene Anekdote einer Taxifahrt. Der Fahrer schimpfte mit Inbrunst über die düsteren Aussichten für die Münchner Brauereien. „Am Ende“, sagte der Taxler, „gibt’s dann nur noch den Augustiner, da gibt’s nämlich einen alten Kerl, der die Finger drauf hat, dass alles so bleibt.“ Der Fahrgast antwortete: „Wenn das so ist, wie sie sagen, dann wünschen wir dem alten Kerl ein langes Leben.“ Der Fahrgast war Ferdinand Schmid.

Eine Autofahrt soll es auch gewesen sein, bei der der Grundstein für die heutigen Besitzverhältnisse bei Augustiner gelegt wurde. Schmid fuhr mit der mit der letzten Erbin der Augustiner-Dynastie Wagner, Edith Haberland, über die Hackerbrücke in Richtung Augustiner. Beim Abbiegen in die Landsberger Straße fragte sie den „Herrn Direktor“ nach der riesigen Baugrube dort. Die Reste der Hackerbrauerei hier waren gerade verkauft worden. Das wuchtige Europäische Patentamt wurde gebaut. Schmid gab der kinderlosen Dame zu Bedenken, dass der Augustiner-Brauerei nach ihrem Tod ein ähnliches Schicksal drohen könnte. Wenig später hatte Schmid die rettende Idee.

Nach Haberlands Tod 1996 wurde die Edith-Haberland-Stiftung gegründet. Sie hält bis heute 51 Prozent an der Brauerei – und bis heute ist Ferdinand Schmid als Stiftungsvorstand aktiv. Die Anteile zu veräußern, käme ihm nicht in den Sinn. Die Stiftungsgewinne kommen sozialen und kulturellen Projekten zugute – bespielsweise dem Tierpark, in dessen Aufsichtsrat Schmid lange saß. Aber auch Baudenkmäler, etwa das Deckenfresko von Münchens ältester Stadtpfarrkirche St. Peter, konnten so erhalten werden.

Und: Schmid konnte sich einen lang gehegten Traum erfüllen. „Eine Institution, die die Fertigung und Kulturgeschichte unseres Volksgetränks demonstriert, das man in Bayern auch 5. Element nennt“ wollte der Brauober seit seinen Anfängen im Geschäft 1957 installieren. 2005 eröffnete er das „Bier- und Oktoberfestmuseum“ in einem der ältesten erhaltenen Bürgerhäuser Münchens an der Sterneckerstraße.

Viele Hände zu schütteln hatte der König der Bierkultur gestern beim festlichen Abendessen im Alten Rathaussaal. Und Ferdinand Schmid hat wohl bescheiden genickt, als ihm Christian Ude zum Geburtstag gratulierte und sich „herzlich für Ihr großes Engagement zum Wohle der Stadt“ bedankte.

Caroline Wörmann

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