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Konstantin V. (33) droht lebenslange Haft.

Häftling sagt vor Gericht aus

Feringasee-Mord: Die Tatversion des Angeklagten bröckelt

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Ist er ein eiskalter Killer – oder war alles nur ein schreckliches Unglück? Seit Anfang September steht Konstantin V. (33) wegen Mordes vor Gericht. Nun meldet sich ein Insasse zu Wort, dem er sich anvertraute.

München - Laut Anklage hatte er seine Freundin Beatrix in Bogenhausen erstochen und ihre Leiche am Feringasee verbrannt. „Ich hasse mich für meine Tat“, hatte V. zu Prozessbeginn ausgesagt, doch den tödlichen Vorfall schilderte er anders. Angeblich habe er Beatrix F. nur festhalten wollen, als sie tobte, weil er fremdgegangen war – und während beide streitend zu Boden fielen, habe er sie aus Versehen stranguliert, als sein Arm um ihren Hals lag. Eine Version, die sehr taktisch klang. Denn die Leiche von Beatrix F. wies etliche Verletzungen auf – mutmaßlich hatte Konstantin V. sie deshalb angezündet, um Spuren zu verwischen, was er jedoch bestreitet.

Seit Montag scheint die Aussage des Angeklagten nun endgültig zu bröckeln. Denn vor Gericht sagte sein Zellengenosse aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim aus. Ihm hatte sich Konstantin V. nach der Verhaftung anvertraut. Etliche Fakten schilderte Carlos R. (Name geändert) nun anders als der Angeklagte. So etwa, dass Konstantin V. seine Ex-Freundin gezielt gewürgt habe. „Er sagte, dass sie lange röchelte und dann weiß im Gesicht wurde, bis schließlich Schaum aus ihrem Mund trat.“ Konstantin V. habe die Tote dann in den Keller getragen und dort auf dem Gästebett abgelegt. „Dann zog er ihr sofort einen Gefrierbeutel über ihr Gesicht.“ Und nicht erst später, wie V. vor Gericht behauptet hatte.

Video: Anwohner äußert sich zu grausamen Leichenfund am Feringasee

Fundort Feringasee: Ein Zellengenosse belastet den Tatverdächtigen vor Gericht schwer.

Leichenfund am Feringasee: Zellengenosse schildert Tathergang

Carlos M.s Aussage ist ein entscheidender Moment in dem Mordprozess. Denn der Zellengenosse hat keinen Belastungseifer gegen Konstantin V., mit dem er erst gemeinsam in einer Fünf-Mann-Zelle in Stadelheim inhaftiert war und später dann zu zweit. „Da ist man ehrlich zueinander“, sagte M. „Im Gefängnis hat man voreinander nichts mehr zu verbergen.“ Weil Konstantin V. sich seinem Zellengenossen anvertraut hatte, musste dieser nun am Landgericht aussagen. Rund eine Stunde lang schilderte er, wie er die gemeinsame Zeit mit dem mutmaßlichen Mörder verbracht – und wie dieser sich ihm geöffnet hatte. „Konstantin war erst sehr verschlossen, doch dann fasste er Vertrauen zu mir. Wir sprachen lange miteinander. Er sagte gleich, dass er seine Freundin umgebracht hatte.“

Doch wie genau die Tat ablief, war bisher ungeklärt. Obwohl die Leiche eindeutige Verletzungen am Kopf, Hals und im Bauchraum aufgewiesen hatte, schilderte Konstantin V. als Tathergang einen Unfall infolge eines Streits – und stritt jede Absicht ab. Mit der Aussage seines Mithäftlings steht das nun in Zweifel. Am Feringasee, so schilderte Carlos M. aus den Gesprächen mit dem Angeklagten, habe er eine Mütze angezündet, sie auf die mit Benzin übergossene Leiche geworfen – „und ist dann weggegangen, ohne sich umzudrehen“. Waldarbeiter fanden später die Leiche von Beatrix F., deren Mutter den Prozess an jedem Verhandlungstag im Gerichtssaal verfolgt.

Sie hörte gestern auch, wie Carlos M. den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter als „völlig emotionslos“ beschrieb. Ihn selbst dagegen „hat diese Tat sehr mitgenommen und verfolgt mich noch immer“. Deshalb, so M., sage er aus – damit belastete er Konstantin V. schwer. Vielleicht die Wende im Prozess, den Richter Michael Höhne heute fortsetzen wird.

Mitte September erzählte die Mutter der getöteten Beatrice F. vor Gericht von der Beziehung des Angeklagten Konstantin V. (33) zu ihrer Tochter.

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