Georg Kronawitter will die Münchner Abwärme anzapfen.

Fernwärme: CSU will Anbietermonopol der Stadtwerke kippen

München - Wer in München mit Fernwärme heizt, heizt am teuersten. Warum? Nutzen die Stadtwerke ihre Monopolstellung aus? Das mutmaßt die Rathaus-CSU, die nun mit einer neuen Idee den Wettbewerb fördern will.

Die Zahlen des Heizspiegels sprechen für sich: Durchschnittlich 690 Euro hatte derjenige zu zahlen, der im vergangenen Jahr seine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Heizöl heizte. Mieter mit Erdgas-Anschluss mussten schon deutlich mehr für warmes Wasser und warme Heizkörper ausgeben - nämlich 900 Euro. Wer indes Fernwärme der Stadtwerke München (SWM) bezieht, musste am tiefsten in den Geldbeutel greifen und 1085 Euro lockermachen.

Bei der CSU haben die Erkenntnisse des Heizspiegels einigen Ärger ausgelöst. „Der Verdacht liegt nahe, dass die Münchner Mieter Opfer eines städtischen Anbietermonopols sind“, argwöhnte Stadtrat Georg Kronawitter unlängst. Die Stadt müsse erklären, wie diese Unterschiede zustände kämen. Denn Fernwärme gibt es nur bei den Stadtwerken - quasi als Abfallprodukt der Stromerzeugung. Ihre Erzeugung gilt als besonders umweltfreundlich und soll deutlich ausgebaut werden. Schwerpunkt der Fernwärme-Erschließung soll der Münchner Westen werden - von der Laimer Unterführung, über Pasing und Neu-Aubing bis nach Freiham. Weil das den Stadtwerken viel Geld kostet - die Rede ist von rund 200 Millionen Euro in den nächsten Jahren, lässt die Stadt in den Neubaugebieten mitunter gar keine alternativen Formen der Energieerzeugung zu. Die Erschließung mit Fernwärme würde sonst weniger rentierlich. „Den Bauträgern wird das aufs Auge gedrückt“, berichtet Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Münchner Hauseigentümervereins Haus + Grund wenig erfreut. Selbst besonders gut isolierte Häuser - vor allem solche mit Passivhausstandard - werden bei den Werken nicht gerne gesehen. Auch diese Gebäude, die kaum Energie von außen benötigen, würden die Rentabilität stören. „Das ist das Dilemma: Fernwärme passt nicht mit dem Passivhausstandard zusammen“, sagt CSU-Stadtrat Kronawitter.

Rudolf Stürzer klagt über den Zwang des Fernwärme-Anschlusses.

Die CSU im Rathaus schlägt deshalb vor, „in Konkurrenz zu den Stadtwerken“ kleinere dezentrale Fernwärmenetze zu schaffen. Gespeist werden sollten diese aus der Abwärme der Industrie und aus der Wärme im Abwasser. In München werde die großtechnische Nutzung von Abwärme „bislang sträflich vernachlässigt“, betont Kronawitter. Als Betreiber der Netze kommen laut CSU Wohnungsbaugesellschaften, konkurrierende Energieversorger oder auch Brauereien in Frage. Bei Letzteren nämlich fällt ebenfalls viel Abwärme an. Zunächst müsse nun ein Kataster angelegt werden, das Aufschluss über die Abwärmelieferanten liefern soll.

Die Christsozialen erhoffen sich, mit ihrem Vorstoß nicht nur einen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu liefern. Zugleich wären die dezentralen Netze Grundlage für einen Wettbewerb auch in der Fernwärmeversorgung, sagt CSU-Stadtrat Marian Offman. „Das würde das Preisgefüge mit Sicherheit kundenfreundlich beeinflussen.“

Ob die CSU mit ihrem Vorstoß Erfolg hat, ist indes fraglich. Die wirtschaftlich erfolgreichen Stadtwerke überweisen jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag an die Stadtkasse. Den wird Rot-Grün kaum gefährden wollen. Die Werke betonen zudem, ihr Fernwärmepreis sei verglichen mit dem anderer Großstädte derzeit der günstigste. Die Untersuchung des Heizspiegels habe auch nur die Energie- und nicht die Investitionskosten betrachtet - etwa für den Brenner im Keller. Würden die einberechnet, sei Heizöl mit Kosten von 1320 Euro pro Jahr die teuerste Form zu heizen.

Haus + Grund-Chef Stürzer nennt dies ein „Scheinargument“. Die Investitionskosten seien viel geringer - und träfen den Mieter gar nicht.

Matthias Kristlbauer

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