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Stattauto-Geschäftsführerin Petra-Maria Klier hat das Vertrauen in das Finanzamt verloren. 

Steuernachzahlung in Millionenhöhe

Finanzamt bringt Stattauto in Bedrängnis

Die Carsharing-Plattform Stattauto ist von einer üppigen Steuernachforderung überrascht worden. Die Argumente des Finanzamtes versteht man dort nicht. Bleibe es bei der Forderung, sei Stattauto langfristig in Gefahr. Die Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.

München - „Stattauto München“ war das allererste Carsharing-Unternehmen Münchens, vielleicht sogar Deutschlands. Seit 25 Jahren hält sich das gemeinnützige Unternehmen mittlerweile auf dem Markt. Aber langfristig droht ihm jetzt die Insolvenz – wegen einer saftigen Steuernachforderung.

„Zunächst verlangt das Finanzamt 960 000 Euro für die Jahre 2013 und 2014 nach“, sagt Petra-Maria Klier, Geschäftsführerin von Stattauto, der Werkstätten A24 und der Dachorganisation der beiden Unternehmen „Spectrum Mobil GmbH“. Doch Klier fürchtet ähnliche Forderungen für die Jahre 2015 und 2016, falls sie sich auf die Nachzahlung einlässt. „Die momentan geforderte Summe könnten wir gerade noch zahlen, aber dann wird es knapp“, sagt Klier.

Das Finanzamt begründet die Forderung damit, dass es schlicht nicht gemeinnützig sei, Fahrzeuge zu verleihen. Daher müsse der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent verlangt werden und nicht wie bisher üblich sieben Prozent. „Aber bis Januar 2015 genossen wir Vertrauensschutz. Die Steuerbehörde hat bisher nicht bemängelt, wie wir wirtschaften“, sagt Klier.

Stattauto startete 1992 relativ klein, mit 30 Abhol- und Abgabestationen. Heute hat sich das Unternehmen unter dem Dach von Spectrum Mobil erweitert: 115 Stationen, 450 Fahrzeuge, 12 870 Kunden, insgesamt 63 Festangestellte, darunter Sozialpädagogen – und auch 120 Azubis, Umschüler und sogenannte Beschäftigungsteilnehmer.

Unter ihnen sind viele Jugendliche und Erwachsene aus zerrütteten Familien oder mit psychischen Problemen, ehemalige JVA-Insassen oder frühere Drogenabhängige, denen Spectrum Mobil eine neue Perspektive bietet, häufig in den Werkstätten von A24. Oft vermittelt das Jobcenter. „Über 500 Menschen haben bisher mit unserer Betreuung in ein neues, besseres Leben gefunden, die auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten“, sagt Klier. Das sei auch der Hauptgrund, weshalb das Finanzamt die bisherige Gemeinnützigkeit von Stattauto und Spectrum Mobil nie infrage stellte. Auch die Stadt subventioniert Spectrum Mobil. All das laufe nicht gewinnorientiert, aber natürlich ohne Verlust, so Klier. Die Autos in den A24-Werkstätten stünden etwa viel länger in der Halle als bei anderen Carsharing-Anbietern, um in Ruhe auszubilden. „Wir konkurrieren kaum mit anderen Werkstätten oder Carsharing-Anbietern“, sagt Klier. „Die arbeiten anders“.

Die Stattauto-Chefin kann sich das alles nicht erklären: „Ich habe das Gefühl, dass an uns ein Exempel statuiert werden soll.“ Auch die Tatsache, dass sich seit etwa einem Jahr die Ansprechpartner beim Finanzamt geändert haben, spielt ihrer Meinung nach eine Rolle. Spectrum Mobil wird nun gegen den Bescheid des Finanzamtes Einspruch einlegen. Eine Tatsache findet Klier besonders unfair: „Wir hatten nicht einmal die Gelegenheit zu einer offiziellen Stellungnahme, bevor der Nachzahlungsbescheid ankam.“

Hüseyin Ince

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