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Aus diesen Containern zog das angeklagte Paar die Flaschen.

Staatsanwalt jagt Flaschensammler

Münchner Paar vor Gericht – wegen 1,44 Euro Pfand

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    Stefanie Wegele
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Sie fischten 18 Pfandflaschen aus einem Altglascontainer. Nun standen ein Rentner und seine Frau vor Gericht - und mussten wegen 1,44 Euro durch zwei Instanzen.

München - Sie laufen stundenlang für ein paar Euro durch die Stadt: Flaschensammler, die ihr dürftiges Einkommen mit dem Griff in Mülleimer oder Glascontainer aufbessern. Probleme mit ihnen gibt es fast nie. Anders im Fall eines Ehepaars aus Ramersdorf, das vor Gericht landete, weil es Pfandflaschen im Wert von 1,44 Euro aus einem Container gefischt hatte.

Der Rentner und seine Frau, eine Putzhilfe, hatten im Oktober vergangenen Jahres 18 Glasflaschen aus dem Altglascontainer an der Ecke Echardinger / Gögginger Straße in Berg am Laim gefischt. Das Paar, das in der Nähe wohnt, hatte sich eigens einen Greifarm zugelegt, um besser an die Flaschen zu kommen. Bevor die beiden aber das Pfand für ihre Beute einlösen konnten, kam die Polizei. Anwohner hatten die Sammler beobachtet und die 110 gewählt.

Der Fall landete vor Gericht. Der Staatsanwalt beantragte für beide Eheleute Strafbefehle wegen Diebstahls. Der Richter aber lehnte es ab, die beiden zu verurteilen. Es sei kein messbarer Diebstahlschaden entstanden. Der Richter argumentierte, dass die Flaschen dem Pfandkreislauf entzogen würden, wenn sie in einen Altglascontainer geworfen werden. Dann werden sie nicht aussortiert, sondern zusammen mit den anderen Flaschen eingeschmolzen. Maßgeblich sei der Wert der Flaschen für die Betreiberfirma des Altglascontainers. Und der sei minimal. „Im Rahmen der Nachermittlungen konnte nicht geklärt werden, welcher Wert diesen 18 Flaschen im Rahmen des Recyclingprozesses zukommt.“

Der Staatsanwalt war mit dieser Entscheidung nicht zufrieden. Er legte Beschwerde ein, der Fall kam vor das Landgericht. Doch auch dort fand der Staatsanwalt kein Gehör. Das Gericht verwarf die Beschwerde.

Strafrechts-Professor Ulrich Schroth von der Ludwig-Maximilians-Universität findet es „äußerst verwunderlich, dass in so einem Fall überhaupt Strafbefehlsanträge gestellt werden“. Der Universitätsprofessor ist aber froh, dass es „Gott sei Dank vernünftige Richter gibt, die so einen Strafbefehl nicht erlassen“.

„Das muss ein Einzelfall sein“

Der Sozialwissenschaftler Philipp Catterfeld hält die Reaktion der Anwohner, die gleich die Polizei riefen, für überzogen. „Vor allem, weil dabei ja kein Schaden für die Allgemeinheit entstanden ist.“ Catterfeld hat für sein Buch „Flaschensammeln – Überleben in der Stadt“ mit seinen Studenten vor zwei Jahren 40 Flaschensammler befragt. „Das muss ein Einzelfall sein“, sagt er. Generell sei „die Akzeptanz von Flaschensammlern in München sehr groß“. Sie bettelten ja schließlich nicht, sondern arbeiteten hart. Lediglich an Bahnhöfen und am Flughafen seien sie unerwünscht, „weil sie auf die Armut aufmerksam machen“.

Dass Bagatellfälle wie dieser vor Gericht landen, ist gar nicht so selten. „So etwas haben wir öfter“, sagt Monika Andreß, Sprecherin des Amtsgerichts München. Die Staatsanwaltschaft kann von der Verfolgung einer Straftat absehen, wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen ist und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht. Im vorliegenden Fall sei „der Betrag zwar sehr gering“ , räumte eine Sprecherin ein. „Es geht aber um das Gesamtbild: Es kommt sehr häufig zu Diebstählen aus öffentlich aufgestellten Containern, es besteht daher ein Interesse der Containerbetreiber an der Aufklärung.“

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