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Mittwoch, 23 Uhr: Die Feuerwehr rückte unter anderem mit einem Bus an, um die Flüchtlinge abzuholen.

Flüchtlinge im Hungerstreik in Klinik eingewiesen

München - Jetzt greift die Regierung von Oberbayern in den Hungerstreik der jugendlichen Asylbewerber ein: Die Behörde hat 20 Jugendliche aus der Bayernkaserne holen lassen.

Die Regierung von Oberbayern hat beim Hungerstreik zahlreicher minderjähriger Flüchtlinge in der Bayernkaserne dazwischengeschlagen und rund 20 Jugendliche auf ärztlichen Rat hin in eine Klinik einweisen lassen. Es war Mittwochabend gegen 23 Uhr, als mehrere Rettungswagen und ein Großbus der Feuerwehr in das Gelände der ehemaligen Bayernkaserne an der Heidemannstraße einfuhren.

Viele der Streikenden hatten seit Tagen weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich genommen. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen, gerade bei Jugendlichen muss man sehr vorsichtig sein, wenn sie längere Zeit nichts trinken“, sagte Heinrich Schuster, Sprecher der Regierung von Oberbayern, die Hausherr der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Kasernengelände ist.

Wie berichtet, befindet sich eine Gruppe so genannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) seit vergangenen Samstag im Hungerstreik. Die Jugendlichen fordern unter anderem eine schnellere Abwicklung des Clearingverfahrens, bei dem ihre Situation geklärt wird und nach welchem sie in Jugendhilfeeinrichtungen verlegt werden können.

Gestern fanden weitere Krisengespräche mit den Jugendlichen statt. Die Innere Mission, welche die Jugendlichen betreut, arbeitet gemeinsam mit ihnen an Lösungen. „Es wurde ein Papier mit Forderungen verfasst, dass nun an alle betroffenen Behörden geschickt wird“, sagt Pfarrer Andreas Herden. Dabei gehe es um Zugang zu Bildung, eine Beschleunigung des Asylverfahrens und die Situation vor Ort. Die Jugendlichen wünschen sich mehr Schutz und Ruhe in dem Haus, das für 50 UMF ausgelegt ist, in dem jedoch inzwischen 132 leben. Zudem erwarten sie eine bessere Begleitung durch ihre gesetzlichen Vormünder.

Heute soll es erneut Gespräche geben. „Erklären die zuständigen Stellen ihre Bereitschaft, die Forderungen zu erfüllen, wird der Streik beendet“, so Herden. Schon jetzt gebe es einige Flüchtlinge, die wieder Nahrung zu sich nähmen. Und auch die anderen Streikenden seien auf dringendes Anraten einer Ärztin hin bereit, zumindest wieder Tee mit Zucker und Wasser zu trinken. Die Jugendlichen, die Mittwochnacht ins Krankenhaus gekommen waren, seien fast alle schon wieder entlassen worden.

„Die Jugendlichen fühlen sich nicht ernst genommen“, heißt es in einer Mitteilung von „Karawane München“ und „Jugendliche ohne Grenzen Bayern“, die die Flüchtlinge mitbetreuen. Sie hätten traumatisierende Fluchtgeschichten hinter sich. „Ihre Forderungen sind gerechtfertigt und erfüllbar, die betreffenden Stellen müssen umgehend reagieren“, so Ben Rau von der Karawane.

do

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