Integration in der Schule

Berufsschulen: Stadt verdoppelt Flüchtlingsklassen

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So geht Integration: Zum kommenden Schuljahr will die Stadt die Zahl der Berufsschulklassen für Flüchtlinge verdoppeln. Nun sucht sie händeringend Lehrer. Doch das ist nicht die einzige Baustelle des Bildungsreferats.

In diesen Tagen versucht München, seinem Ruf als „Bildungsmetropole“ mal wieder gerecht zu werden: Schulpreis, Kongress zur Ganztagsbildung, Integrationsplan – der Themen sind viele, und Bildungsreferent Rainer Schweppe (SPD) fasst sie gern unter dem Motto „Das Beste für unsere Kinder“ zusammen.

Unsere Kinder: Dazu gehören auch die 4500 jungen berufsschulpflichtigen Flüchtlinge bis 25 Jahre, die hier leben. Gut 1000 von ihnen besuchen bereits spezielle Klassen an den städtischen Berufsschulen, wo sie sich auf einen Beruf vorbereiten, noch ohne einen Ausbildungsplatz zu haben. 44 Berufsintegrationsklassen gibt es zurzeit.

Gestern kündigten Schweppe und Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) an, diese Zahl schon im kommenden Schuljahr verdoppeln zu wollen: 40 Klassen sollen hinzukommen, wofür es 66 neue Lehrkräfte braucht. Mit einer Werbekampagne will Schweppe Berufsschullehrer rekrutieren, die vor allem in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern rar sind. Auch bei Lehrern für Deutsch als Fremdsprache sei der Markt leergefegt, so Strobl. Die Neueinstellungen liefen „unabhängig von der Finanzdebatte“. Lehrer in diesem Bereich finanziert zu 70 Prozent der Freistaat.

Die neuen Klassen sollen laut Schweppe auf alle 35 Berufsschulen verteilt werden – in bestehenden Gebäuden, weil Pavillonbauten zu lange dauern würden. Strobl lobte die Schule zur Berufsvorbereitung am Bogenhauser Kirchplatz: In der Außenstelle Balanstraße werden ausschließlich Flüchtlinge unterrichtet. „Die Lehrer dort leisten viel mehr für Integration als alle, die eine abstrakte Leitkultur propagieren“, sagte sie. Sie brächten den Jugendlichen nicht nur Deutsch bei, sondern vermittelten ihnen auch Wissen über das Schulsystem, Berufe oder das gesellschaftliche Zusammenleben.

Anders als die Berufsschulen sind die Grund- und Mittelschulen staatlich. Auch die Zahl der Übergangsklassen für Migrantenkinder dort dürfte heuer nochmal stark wachsen. In diesem Zusammenhang brach Strobl erneut eine Lanze für das „Sprengelprinzip“, das vorsieht, dass alle Kinder die Grundschule in ihrem Wohnviertel besuchen. In Nordrhein-Westfalen, wo seit 2008 keine Sprengelbindung mehr gilt, zeigte nun eine Studie, dass dies die Trennung sozialer Schichten verstärkt – weil viele Mittelschicht-Eltern ihre Kinder lieber auf Schulen geben, wo weniger sozial schwache und Migrantenkinder sind. „Darum verfechte ich die Sprengel“, so Strobl.

Eine wichtige Rolle bei der Integration spielt für sie und Schweppe auch das Thema Ganztagsschule. Beide sind überzeugt, dass der gebundene Ganztag pädagogisch „das beste Angebot“ ist, so Schweppe: Von 8 bis 16 Uhr wechseln sich Lern-, Ruhe-, Bewegungsphasen ab. Migranten- und einheimische Kinder profitierten beide von der langen gemeinsamen Zeit, so Strobl: „So können sie Toleranz üben.“

Von rund 40 700 Grundschülern besuchen aktuell 4300 den gebundenen Ganztag, dazu gibt es 27 300 Plätze in Horten, Tagesheimen und Mittagsbetreuungen. Laut der jüngsten Befragung brauchen 86 Prozent der Eltern eine Ganztagsbetreuung für ihr Grundschulkind, versorgt sind erst 74 Prozent: „Wir nähern uns schrittweise der Bedarfsabdeckung“, so Strobl. Seit Jahren favorisiert die Stadt den gebundenen Ganztag.

Schweppe fürchtet, der zähe Ausbau könnte nun durch einen Vorstoß des Freistaats unterminiert werden. Seit September können Schulen auch Modelle des offenen Ganztags beantragen, bei dem nur halbtags Unterricht stattfindet. Aktuell gibt es dieses Angebot erst an einer Schule, doch Strobl rechnet damit, dass heuer einige dazukommen.

Schweppe hält davon nicht viel, auch weil die Angebotsvielfalt für die Verwaltung aufwändig und für Eltern verwirrend sei, sagt er. Doch auch darüber wird beim Bildungskongress in diesen Tagen diskutiert werden – mit dem Ziel: „Das Beste für unsere Kinder“.

Christine Ulrich

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