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Freiwillig ist die Teilnahme am Deutschkurs – und für die Stadt, sie anzubieten. Es herrscht reges Interesse, und die Stadt will ihr flächendeckendes Angebot erhalten.

München öffnet das Stadtsackerl

Zu wenig Sprachkurse für Flüchtlinge - Stadt muss einspringen

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München - Asylbewerber sollen rasch Deutsch lernen. Doch die Kurse reichen bei weitem nicht aus, in München sind alle Plätze belegt. Nun springt erneut die Stadt in die Bresche – mit Millionen Euro.

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ So steht es auf der Website der Bundesregierung. Längst ist es Konsens in der Politik, dass Flüchtlinge rasch Deutsch lernen sollen. Dafür braucht es Kurse. Doch der Bund finanziert nur einen Teil, und mit den steigenden Flüchtlingszahlen wurden Plätze rar. In München sind seit kurzem gar keine mehr frei. Nun will die Stadt die Sache – und Geld – in die Hand nehmen.

Es klingt fast wie ein Hilfeschrei, was das Sozialreferat in der Beschlussvorlage für die morgige Ausschusssitzung schreibt: Das vorhandene Angebot an Kursen reiche „bei weitem nicht mehr aus“. Um nur den „dringendsten Bedarf kurzfristig decken zu können“, möge der Stadtrat sofort knapp eine Million Euro für Deutschkurse lockermachen, heißt es.

Aktuell leben rund 8500 Asylbewerber dauerhaft in München, zudem 2000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Asylsuchende „mit hoher Bleibeperspektive“ dürfen Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) besuchen – dem Sozialreferat zufolge rund ein Drittel aller Asylbewerber. Laut Andrea Betz, Leiterin der Flüchtlingsarbeit bei der Inneren Mission, dürfen nur Syrer, Somalier, Eritreer und Iraker in die Bamf-Kurse, in denen sie mit deutscher Sprache, Rechtsordnung, Geschichte und Kultur vertraut gemacht werden.

Alle anderen, sagt Betz, konnten bisher an städtisch finanzierten Sprachkursen teilnehmen. Dazu werden sie von Asylsozialberatern in den Unterkünften dem Integrationsberatungszentrum (IBZ) der Stadt zugeleitet. Das IBZ hat den Überblick über alle Kursangebote, vermittelt die Menschen und sorgt für die Schaffung neuer Plätze. Seit Jahren finanziert die Stadt ein „flächendeckendes Angebot“.

Doch vor kurzem rief sie einen Stopp aus: Das IBZ könne keine Asylbewerber mehr vermitteln, das Geld sei alle, sagt Betz. Seitdem hätten sehr viele Menschen keinen Zugang mehr zu Sprachkursen. Das Gleiche steht in der Vorlage: Die „personellen und finanziellen Ressourcen“ reichten nicht mehr aus, weder für die Vermittlung noch für neue Plätze. 2014 wurden 1000 Menschen in Kurse vermittelt, 2015 bereits 2600 und allein im Januar schon 600. Alle Kurse, die heuer starteten, seien belegt. Auf der Warteliste standen im Februar knapp 500 Erwachsene und 600 junge Flüchtlinge, täglich kämen neue hinzu. Es fehlten vor allem Anfänger- und Alphabetisierungskurse.

Stadtrat soll Millionen-Beschluss fassen

Nun soll der Stadtrat beschließen, eine Million Euro in 19 Kurse für 340 Asylsuchende zu stecken, „damit es da keine Unterbrechung gibt“, sagt Sozialreferats-Sprecher Ottmar Schader. Zugleich ermittelt das Referat gerade den Bedarf fürs Gesamtjahr. Noch vor der Sommerpause sollen dann weitere, größere Maßnahmen beschlossen werden – im Rahmen des „Integrationsplans“ von OB Dieter Reiter (SPD).

Groll auf den Bund herrscht bei der Stadt kaum. Der Ansatz, sagt Schader, sei: Es helfe nichts, die mangelnde Bundesförderung zu beklagen – „sondern zu tragen, was wir können, und das Angebot sinnvoll zu ergänzen“. Bereits 2015 investierte die Stadt 1,6 Millionen Euro in die Sprachförderung. Die Trägerlandschaft ist groß: Bis zu 30 Institutionen, darunter die Volkshochschule, bieten Kurse an. Die Stadt fokussiert sich auf Anfängerkurse, die 600 Stunden dauern und auf denen weiterführende, berufsspezifische Angebote – etwa der Agentur für Arbeit, des Jobcenters oder des Freistaats – aufbauen können.

Dass die Stadt in Menschen investiert, die möglicherweise nicht bleiben dürfen, gilt ihr nicht als Argument. Die meisten Asylbewerber leben monate- bis jahrelang hier, bis sie ihren Asylbescheid bekommen. Und auch in dieser Zeit gehe es um Integration, so das Referat. Nach drei Monaten dürfen sie arbeiten, und junge Flüchtlinge sind berufsschulpflichtig – und für all das sind zumindest Grundkenntnisse in Deutsch notwendig. Nur mit Sprache könnten sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben, zudem seien Kurse wichtig für ihre Tagesstruktur und um Konflikte in den Unterkünften zu vermeiden. Letztlich, heißt es, gehe es um den „Erhalt des sozialen Friedens“. Und der ist der Stadt lieb – und teuer.

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