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Sturzflut in Simbach im Juni.

Dauerregen und Sturzfluten

Folgen des Klimawandels: Wie gut ist München geschützt? 

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München - Es kann jeden treffen. Extremer Starkregen wie im Juni in Simbach ist in ganz Bayern möglich, da sind sich Experten einig. Bei einem Symposium diskutieren Betroffene, Fachleute und Politiker, wie man sich künftig vor gefährlichen Sturzfluten schützen kann.

Nein, vorbereitet sei er auf dieses Ausmaß natürlich nicht gewesen, sagt Hans Prex, Kreisbrandrat im Landkreis Rottal-Inn. Der Morgen des 1. Juni begann für den Feuerwehrmann mit einem scheinbar banalen Einsatz. Im Gemeindegebiet von Ering war eine Herde Schafe vom Wasser eingeschlossen. „Erst nach und nach haben wir gemerkt: Das hört ja gar nicht mehr auf zu regnen.“ Rinnsale, die im Juni normalerweise ausgetrocknet sind, hatten auf einmal einen Wasserstand von einem Meter. „Um 12 Uhr mittags habe ich den Landrat angerufen“, sagt Prex, „und ihn gebeten, den Katastrophenalarm auszulösen.“

Bis heute sind die Folgen der verheerenden Flut im niederbayerischen Simbach sichtbar. Um sich in Zukunft für solch extreme Wetterereignisse besser rüsten zu können, lud das Bayerische Umweltministerium gestern zu einem Symposium von Betroffenen, Fachleuten und Politikern in die Münchner Residenz. Thema: Herausforderung Starkregen im Zeichen des Klimawandels. Es sollte „ein erster Schritt sein, um das Thema öffentlich zu diskutierten“, sagte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU).

Klimawandel endlich ernst nehmen

„Wir haben ein Problem“, sagte Harald Lesch zu Beginn der Tagung. Der bekannte Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist mahnte mit eindringlichen Worten, den Klimawandel endlich ernst zu nehmen. „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.“ Und die Fakten würden eben klar aufzeigen, dass es auf der Erde immer wärmer werde. „Am Nordpol liegen wir derzeit 20 Grad über dem langjährigen Mittel.“ Da konnte sich Lesch einen Seitenhieb auf den künftigen US-Präsidenten Donald Trump nicht verkneifen. „Wer den Klimawandel als Erfindung der Chinesen bezeichnet, der hat überhaupt nichts verstanden.“

Auch für Bayern habe die Erwärmung Folgen. „Seit 1960 hat sich die mittlere Temperatur in Bayern um 1,6 Grad erhöht.“ Mehr Wärme bedeutet mehr Verdunstung. Und mehr Verdunstung bedeutet mehr Niederschlag. „Wasser in der Atmosphäre ist ein Terrorist“, sagte Lesch plakativ und meint damit die Energie, die bei der Kondensation frei wird. „Da oben ist der Teufel los.“ Die Menschen in Bayern müssten deshalb vermehrt mit heftigen Gewittern, Starkregen und Platzregen rechnen.

Überschwemmungen in Niederbayern: So sieht es vor Ort aus

Wie neu diese extremen Regenfälle sind, erklärte Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Umweltministerium und Professor an der TU München. „Wir verfolgen diese Extremereignisse seit 2007.“ Damals hatte eine Sturzflut das mittelfränkische Baiersdorf verwüstet. Starker Regen an sich sei noch nichts Neues. Aber dass sich diese mit Wasser aufgeladenen Tiefs schlagartig, „wie ein Eimer Wasser“, abregnen und das auch noch, ohne sich zu bewegen, sei in Baiersdorf oder in Simbach das Besondere gewesen. „Das haben wir früher in unseren Breiten nicht beobachtet“, sagte Grambow. Seine wenig erbauende Schlussfolgerung: „So etwas kann alle Regionen treffen.“ Deshalb müsse man vorbeugen.

Verbesserungsmöglichkeiten sieht Grambow bei nahezu allen Beteiligten. Die Forschung müsse die neuen Phänomene besser verstehen, die Wetterdienste ihre Warnungen optimieren, die Politik für vorbeugende Gewässergestaltung und Erosionsschutz sorgen sowie die technische Gewässeraufsicht verstärken. Aber auch der Bürger müsse lernen, wie er nach Warnungen zu reagieren habe. „Und eine Elementarschadenversicherung sollte Standard sein – egal wo man wohnt.“

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