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Sie hält zu ihm: Amelié S.-M. zeigt sich mit Ehemann Siegfried auf ihrer Internetseite.

Ex-Leiter der Musikhochschule droht Haft

Ist er ein Vergewaltiger? Seine Frau klagt an: „Prozess hat unser Leben ruiniert“ 

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Dem ehemaligen Leiter der Musikhochschule droht wegen Vergewaltigungsvorwürfen eine lange Haftstrafe. Seine Frau kämpft nun öffentlich für ihn. Sie spricht sogar von Mobbing.

München - Es sei ein Racheakt und Anschlag auf sein Leben - so hatte Siegfried M. (63) die Vorwürfe der beiden Frauen genannt, die ihn der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs beschuldigen. Seit Ende November wird dem Ex-Präsidenten der Musikhochschule der Prozess gemacht - wegen der mutmaßlichen Übergriffe droht M. lange Haft.

Doch nicht nur der bekannte Professor leidet unter der mittlerweile zweiten Anklage - auch seine Frau Amelié (50) hat schwer an den Sex-Vorwürfen gegen Siegfried M. zu tragen. Auf ihrer Webseite hat sie sie sich dazu geäußert. „Ich bin nur eine Frau, die um die gestohlene und vorsätzlich ruinierte Ehre ihres über alles geliebten Ehemannes kämpft“, schreibt die Schauspielerin und Opernsängerin. Ihr Mann sei „weitgehend aus Karriere und Gesellschaft gemobbt“ worden. Der Strafprozess vor dem Landgericht habe „unsere gemeinsame Existenz nahezu vollständig zerstört“. Auch sie selbst sei persönlich attackiert worden.

Frau: „Nicht jeder verträgt die Wahrheit“

Trotzdem lässt Amelié S.-M. es sich nicht nehmen, persönlich zu dem Fall Stellung zu beziehen. „Mir geht es nicht darum, Rache zu nehmen.“ Aber sie sei eine Frau, die „den Mut hat, in diesem Sinne die Wahrheit auszusprechen - auch wenn diese nicht jeder verträgt“.

Bereits im Mai 2016 war Siegfried M. am Amtsgericht wegen sexueller Übergriffe auf frühere Kolleginnen verurteilt worden. Seine Strafe: 15 Monate Haft auf Bewährung und 25.000 Euro Geldstrafe. Im Urteil hatte ihn der Richter als „Grapscher“ bezeichnet. Im März korrigierte das Landgericht die Strafe auf neun Monate zur Bewährung. „Ich habe nie Gewalt oder Bedrohungen angewendet oder eine Hilflosigkeit ausgenutzt“, hatte der Musiker im Prozess gesagt - aber die Richter glaubten den Aussagen der Frauen. Läuft das im aktuellen Gerichtsprozess ähnlich, drohen M. bis zu 15 Jahren Haft.

Sie will „Zeiten öffentlicher Schande mit Stolz, Würde und Zuversicht überstehen“

Seine Ehefrau aber hält zu ihm. „Ich würde dir immer wieder mein Ja-Wort geben“, schreibt sie im Internet. „Auch bin ich stark genug, Zeiten öffentlicher Schande mit Stolz, Würde und Zuversicht zu überstehen.“

Zum Ausgang des Strafprozesses sagt sie: „Ich will keine Vergeltung, kein Mitleid, keine Gnade. Nur Gerechtigkeit.“

A. Thieme

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