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Mehr als 31.000 Kinder in München gelten als bedürftig.

Freiwillige Leistungen

Maßnahmen der Stadt: Auch arme Münchner sollen teilhaben

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München - In München leben immer mehr arme Menschen. Doch um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, reicht Hartz IV nicht aus. Die Stadt springt mit freiwilligen Leistungen ein – und Stiftungen wie Spender zahlen mit.

Kinder, die in löchrigen Schuhen zur Schule kommen. Rentner, die in Mülltonnen kramen. Geringverdiener, die sich keinen Schwimmbadbesuch und Asylbewerber, die sich keine Zugfahrt leisten können: Armut hat viele Erscheinungsformen. Auch und gerade im reichen München. Und so wie die Stadt wächst, wächst auch die Zahl der wirtschaftlich und sozial Abgehängten. Schon die Einkommen decken oft nur knapp die Lebenshaltungskosten – umso schlimmer, wenn man seinen Job verliert oder die Rente nicht reicht. 

Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter – die Zahl derer, die Leistungen nach Sozialgesetzbuch II und XII beziehen, steigt: von insgesamt 93 750 Münchnern im Jahr 2013 auf 97 820 im vergangenen Jahr, so Zahlen des Sozialreferats.

Doch auch die gesetzlichen Sozialleistungen reichen nicht aus, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Insbesondere die Hartz-Reformen der 2000er-Jahre haben tiefe Spuren hinterlassen: Seither müssen Leistungsbezieher etwas vom Regelsatz sparen, um sich etwa einen neuen Kühlschrank kaufen zu können. In diese Bresche springt die Stadt mit ihren freiwilligen Leistungen für Bedürftige.

Die Gruppe der Bürger, die verarmt oder von Armut bedroht sind, „wuchs beständig“, schreibt das Sozialreferat in einem Tätigkeitsbericht, den der Stadtrat gestern behandelt hat. Auch das Bildungs- und Teilhabegesetz („Bildungspaket“) von 2011 unterstützt Kinder zwar dabei, etwa am Schulausflug teilzunehmen. Doch es deckt „meistens nicht alle anfallenden Kosten“ ab. Bislang erweitert München die Palette freiwilliger Leistungen ständig.

München-Pass: Ihn nahmen im vergangenen Jahr rund 80 000 Münchner in Anspruch. Damit können sie gratis oder vergünstigt vielerlei kulturelle oder sportliche Einrichtungen nutzen und ermäßigte MVV-Karten kaufen.

Stiftungsmittel: 4252 Anträge wurden gestellt. Die Stadt verwaltet 171 Stiftungen mit sozialer Zweckbindung, die Einzelpersonen unterstützen.

Familienpass: 528 wurden ausgegeben (2014: 467). Er bietet Ermäßigungen und Gutscheine für die Freizeitgestaltung von Familien.

Ferienpass: 3350 Kinder und Jugendliche nahmen die Pässe in Anspruch, die ihnen Ferienangebote vergünstigen. 2014 waren es nur 1493 Pässe.

Veranstaltungen: Firmen und Institutionen spendieren Bedürftigen Freikarten oder Extraveranstaltungen. Vergangenes Jahr gab es 8881 Karten bzw. Plätze (2014: 8320).

Schulanfangs-Pauschale: Bedürftige Kinder erhalten zum Schuleintritt 100 Euro. 1239 dieser Sonderzahlungen gab es (2014: 1065).

Mittagsverpflegung: Kinder ohne Anspruch auf das Bildungspaket, die trotzdem bedürftig sind, erhalten einen Zuschuss. Vergangenes Jahr waren es 560 Kinder (2014: 301).

Sport für alle Kinder: 278 bedürftige Kinder ohne Anspruch auf das Bildungspaket erhielten Geld für Mitgliedsbeiträge und Sportausrüstung (2014: 170). Bislang zahlt dies die Stadtsparkasse München.

Energieberatung: Für arme Haushalte bergen die steigenden Energiekosten ein hohes Verschuldungsrisiko. 276 Haushalten wurde eine Beratung vermittelt (2014: 142).

Verhütungsmittel: Seit 2015 erhalten Bedürftige Zugang zu kostenfreien Verhütungsmitteln. 365 Anträge wurden gestellt, Kosten: 46 800 Euro.

• Schwimmen für alle Kinder gibt es erst seit heuer, Zahlen liegen noch nicht vor.

Beantragt werden diese Leistungen seit 2012 in den Sozialbürgerhäusern oder bei der Wohnungslosenhilfe. Die Fallzahlen steigen, doch neue Stellen gab es bislang kaum. Das Sozialreferat steckt noch in der Neuorganisation, weswegen die Vermittlung nicht immer unkompliziert und schnell laufe, heißt es. Neue Antragsteller sprechen im Sozialbürgerhaus vor und werden an die Bezirkssozialarbeit vermittelt.

2015 wurden für diese freiwilligen Leistungen rund vier Millionen Euro ausgegeben. Davon machen Spenden- und Stiftungsmittel mehr als 3,3 Millionen aus. Die Stadt selbst gab nur 144 000 Euro aus – jedoch plus 7 Millionen Euro für Sozialticket und Tageskarten des MVV. Diese Summe dürfte heuer laut einem Sprecher auf geschätzt 8,5 Millionen Euro steigen.

In der Ausschusssitzung gestern monierten die Grünen, dass das Sozialticket – das es seit 2009 gibt – erst ab 9 Uhr morgens gilt. Für Flüchtlinge, die zum Sprachkurs müssten, oder für Ein-Euro-Jobber sei dies eine große Schwachstelle, sagte Fraktionschefin Gülseren Demirel.

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