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Gefahr im Barocksaal der Dombibliothek: Kirchen-Archivar Volker Laube prüft ein verschimmeltes Buch – er muss dazu einen Schutzanzug tragen.

Schimmel-Schock in der Dombibliothek

Freising - Fast 300 Jahre alt ist der Barocksaal der Bibliothek am Dom zu Freising. Rund 16 000 Menschen bewunderten ihn im vergangenen Jahr.

Er steht noch ganz in seiner alten Pracht: die ziselierten Regale; die liebliche Statue des Apollo, Gott der Künste, Beschützer der Musen; die Putten und Ranken, die an der alten Stuckdecke prangen. Doch etwas ist faul im Barocksaal: Der Schimmel frisst die Bücher auf!

„Unser Kulturgut ist stark gefährdet“, sagt der Kirchen-Archivar Volker Laube der tz. Das Ausmaß ist noch größer als befürchtet. Modergeruch umweht die alten Bände schon seit vielen Jahren. Darum beschloss das Erzbistum München und Freising schon im April eine große Sanierung und stellte über eine halbe Million Euro bereit. Der Saal sollte während der Arbeiten geöffnet bleiben, für Juni war bereits eine Ausstellung angekündigt. Nachgebildete Seiten der fast 500 Jahre alten, handgeschriebenen Ottheinrich-Bibel sollten gezeigt werden.

Doch daraus wird nun nichts: Ein erstes Gutachten ergab eine bislang ungeahnte Bedrohung für die Bücher – und auch für die Menschen. „Das Arbeiten mit den Büchern ist gesundheitsgefährdend“, sagt Archivar Laube. Der Betriebsarzt des Erzbistums ließ den Barocksaal sofort sperren und ordnete Vollschutz an – Atemmaske, Handschuhe, Anzug und Haube. Der Arzt forderte ein zweites Gutachten an, um die Gefahr für Touristen zu klären. Ergebnisse sollen bald vorliegen. Der Archivar sagt: „Die geplante Ausstellung ist derzeit kein Thema.“

Bücher werden sterilisiert

Die Restauratoren wollen die 55 000 bedrohten Bücher in drei Schritten retten. Erst müssen sie die feuchten Bände trocknen – die Bücher werden in einer Kammer mit Warmluft gefönt. Dann reinigen sie die Seiten vom Schimmel-Staub mechanisch – also etwa mit Pinsel. Zuletzt werden die Bücher mit Alkohol sterilisiert, um die Keime und Sporen zu töten. Dazu richten die Fachleute gerade eine Werkstatt neben dem Barocksaal ein, ab August sollen die Arbeiten beginnen. Dauer: drei Jahre. Dann erst wird sich das ganze Ausmaß der Schäden zeigen.

Die bedrohten Bände aus den Magazinen werden mit Papier eingeschlagen, damit die Sporen nicht durch die Luft fliegen.

Wenn die Experten nämlich die Regale leer geräumt haben, können sie die Mauern genau prüfen. Archivar Laube sagt: „Die Regale sind verschimmelt, aber auch die Mauern? Das wird noch eine interessante Frage.“ Dann erst können die Fachleute auch die Ursache für den Befall genau ergründen und die weitere Sanierung des ganzen Saals planen. Die Kosten werden sich Kirche und Freistaat teilen. Die Dauer der gesamten Bauarbeiten ist derzeit noch nicht abzusehen.

David Costanzo

Die Freisinger Dombibliothek

Mehr als 1000 Jahre ist die Dombibliothek von Freising alt. Der heilige Korbinian gründete das Erzbistum im 8. Jahrhundert, offiziell hob es Bonifatius 739 aus der Taufe. Seitdem gehört eine Bibliothek zur Domkirche. Das heutige Gebäude entstand vermutlich um das Jahr 1440. Damals lagen die Bände angekettet auf Pulten, damit die Studenten sie nicht klauen konnten. Der Barocksaal wurde in den Jahren 1732 bis 1734 erbaut. Die Pläne für die filigrane Einrichtung lieferte wohl der Hofbaumeister Johann Lorenz Hierschstötter. Mit der Fertigstellung wurde die Dombibliothek für das gemeine Volk geöffnet – als erste Kirchenbibliothek in ganz Bayern. Noch heute gilt die EInrichtung als eine der großen wissenschaftlichen Bibliotheken der katholischen Kirche in Deutschland. Ihr Bestand beläuft sich derzeit auf 320 000 Bände – vom späten Mittelalter bis zur aktuellen Fachzeitschrift.

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