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Angeklagt: Güray B. (43, li.) soll Tina R. (52†) ermordet haben.

Angeklagter kann sich an nichts erinnern

Freundin († 52) totgeprügelt: Ex-Fußballer vor Gericht

  • Andreas Thieme
    VonAndreas Thieme
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München - Güray B. wacht neben seiner toten Verlobten auf - und kann sich an nichts erinnern. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-Jährigen Mord vor, denn Tina R. starb durch massive Gewalteinwirkung.

Fußballprofi – das war der große Traum von Güray B. (43). Bis er 17 Jahre alt war, kickte er in der Jugend des FC Bayern. Den Durchbruch schaffte er dort nicht, spielte später aber in der zweiten türkischen Liga. Ein Kreuzbandriss beendete seine Karriere, im Leben stürzte er danach immer weiter ab, wurde arbeitslos und versank im Alkohol. Seit gestern steht Güray B. nun sogar vor Gericht. Er soll laut Staatsanwaltschaft seine Verlobte totgeprügelt haben.

Am 8. Oktober 2014 wacht B. nach einer durchzechten Nacht neben Christina R. (52) auf. „Ich wollte sie wecken, aber sie bewegte sich nicht. Ihr Körper war eiskalt. Dann rief ich den Notarzt.“ Der kann aber nur noch ihren Tod feststellen – verursacht durch Milzrisse und innere Blutungen. Außen ist die Leiche von blauen Flecken übersäht, die auf schwere Prügel hinweisen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Kicker Mord vor.

Er ist mehrfach vorbestraft und soll Christina R. brutal zusammengeschlagen haben, weil dem Paar die Wohnung aufgekündigt wurde. Dafür, so die Anklage, soll er ihr die Schuld gegeben – und mit heftigsten Schlägen ins Gesicht und den Rumpf ihren Tod bewusst in Kauf genommen haben. „Ich habe Tina geliebt“, sagt Güray B im Prozess. In der Beziehung habe es aber regelmäßig lautstarken Streit und Schläge gegeben. Dass Christina R. mit blauem Auge herumlief, war für die Nachbarn keine Seltenheit. „Ich verstehe selbst nicht, wie ich so brutal sein konnte“, sagt B. „Ich wollte niemanden verletzen, der Alkohol war schuld.“

Zwei Gläser Wein, 15 Bier, zehn Magenbitter und eine Flasche Wodka: Das sei seine tägliche Dosis gewesen. Aber gewalttätig war er auch in vorherigen Beziehungen, wie er vor Gericht zugibt. An den Tattag kann er sich angeblich nicht genau erinnern. „Wir waren ständig besoffen“, sagt Güray B.

Als Richter Michael Höhne ihm zusetzt, fällt B. dann aber doch noch etwas ein. „Als Tina im Bad war, hörte ich einen lauten Knall“, sagt er. „Ich sah nach, sie lag verwirrt am Boden.“ Angeblich mit Nasenbluten und klagte über Schwindel. „Ins Krankenhaus wollte sie aber nicht. Also legten wir uns einfach ins Bett.“ Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellt. Denn nachts stirbt Christina R. Laut Obduktion aber nicht durch den Sturz, sondern durch massive Gewalteinwirkung. Dafür droht Güray B. nun lebenslange Haft.

Andreas Thieme

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