+
Frischfutter liefern Julia Linke und Franz Rufnak

Neuer Lieferservice

Wider die Currywurst

München - Julia Linke und Franz Rufnak betreiben mit „Frischfutter“ den ersten ausschließlich vegetarischen Lieferservice der Stadt.

Franz Rufnak, 32, packt die Essens-Kisten und bringt sie in den Lieferwagen, Julia Linke zerhackt zügig das Gemüse und nimmt zwischendurch Bestellungen auf. In mehreren Etappen bringt Rufnak die fertigen Gerichte zu Meetings und Mittagstischen von Firmen. Der 16-Stunden-Tag des vegetarisch lebenden Paares neigt sich am Nachmittag dem Ende zu. Schlussspurt. Gegen 15 Uhr muss die Küche geräumt sein, das Duo hat sich mit seinem vegetarischen Lieferservice „Frischfutter“ dort nur eingemietet, eigene Geschäftsräume haben sie noch nicht. Das könnte sich bald ändern.

Rufnak und Linke beliefern täglich die Menschen, auf deren Arbeitsleben sie selbst keine Lust mehr hatten. Nun haben sie eine neue Mission: Das Leben dieser Menschen soll durch ihr Essen gesünder werden. Vor etwa einem Jahr hatten Linke und Rufnak genug von ihrem Büro-Job. Er war IT-Support-Mitarbeiter, sie Teamassistentin. Beide wollten etwas Neues wagen. Zu dem Zeitpunkt waren sie schon Vegetarier, inspiriert vom Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Über zwei Jahre ist es her, da wurde ihnen klar: Fleisch essen ist nichts für uns. Seit Februar liefern Rufnak und Linke ihre vegetarischen Gerichte aus ihrer Frischfutter-Küche am Candidplatz.

Wer mittags vegetarisch essen möchte, muss vorplanen. Am selben Tag zu bestellen funktioniert nicht. Ihre Kunden müssen mindestens am Vortag bis 18 Uhr ihre Bestellung aufgeben, damit der Drei-Personen-Betrieb den Anfragen nachkommt. Mindestbestellwert: 50 Euro. Unter der Woche, zur Mittagszeit, ist die Lieferung kostenlos. „Derzeit verdoppelt sich der Umsatz beinahe von Monat zu Monat“, sagt Rufnak. Das Paar denkt aktuell darüber nach, weitere studentische Hilfskräfte einzustellen.

Rufnak und Linke setzen ausschließlich frische Zutaten ein. Bei der steigenden Bestellmenge bedeutet das: Morgens um vier Uhr aufstehen, abends gegen 20 Uhr ins Bett fallen, „halbtot“, wie Rufnak sagt. Ihre Gerichte haben Namen wie Lucky-Summer-Rolls, Vita-Mix oder Body-Kiss. Der körperliche Wohlfühl-Faktor steckt hier bereits im Namen. Die Mittagsauswahl bestimmen die beiden selbst. „Sonst hätten wir keine Chance, hinterherzukommen“, sagt Linke. Das Zielpublikum, Büro-Angestellte, spart sich nicht nur Zeit durch die Lieferung durch „Frischfutter“, es isst auch nicht so einseitig und fettig wie bei der Currywurstbude nebenan. „Man vergeudet keine wertvolle Mittagsminute auf der Suche nach dem richtigen Lokal“, so die Rechnung von Linke und Rufnak.

Den beiden liegt auch der Umweltschutz am Herzen. Alle verwendeten Verpackungsmaterialien bei „Frischfutter“ sind biologisch abbaubar. „Sie bestehen aus Maisstärke und Zuckerrohrfasern“, sagt Rufnak. Mehr Vegetarier Die Frischfutter-Betreiber setzen mit ihrem Service kompromisslos auf einen Trend, denn die Zahl der vegetarischen Kundschaft steigt. In Deutschland wird die Zahl der Vegetarier derzeit auf etwa acht Millionen geschätzt, Tendenz steigend. Hinzu kommen Millionen von Deutschen, die eine Art „Freizeitvegetarier“ sind und eher selten ein Stück Biofleisch- oder Fischfilet verzehren. Auch Büroangestellte sind oft froh, wenn sie fleischlos Mittagessen können: „Wer auf Fleisch verzichtet, der hat kein so extremes Mittagsloch“, sagt Rufnak. Linke relativiert: „Wir sind keine vegetarischen Missionare. Wer auf Fleisch verzichtet, isst nicht automatisch gesünder. Da gehört viel mehr dazu.“

Seit Jahren verändert sich das Gesundheits- und damit das Ernährungsbewusstsein der Deutschen. Doch über die fleischlose Ernährung gibt es viele Gerüchte. Eines lautet: „Vegetarische Ernährung führt zu Mangelerscheinungen.“ Rufnak und Linke versuchen nebenher zwei Projekte zu stemmen. Demnächst wollen sie über ein Crowdfunding-Projekt einen Foodtruck finanzieren, mit dem sie Hilfsbedürftigen kostenfreies Essen ausgeben können. Und innerhalb der nächsten zwei Monate wollen sie ihren eigenes Lokal eröffnen, möglichst in der Maxvorstadt. „Mit Straßenverkauf“, sagt Rufnak voller Vorfreude.

Hüseyin Ince

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dienerstraße und Tal: Erster Schritt zur Autoverbannung
Autos sollen weitgehend raus aus der Innenstadt – allerdings schrittweise. Der Stadtrat hat gestern ersten Maßnahmen zugestimmt. 
Dienerstraße und Tal: Erster Schritt zur Autoverbannung
Sommerstraßen bewilligt: Neue Erholungs-Zonen statt Parkplätzen
München erhält nächstes Jahr zwei Sommerstraßen. Das hat der Stadtrat beschlossen. Die Pilotprojekte starten auf der Schwanthalerhöhe und dem Alpenplatz. Weitere Straßen …
Sommerstraßen bewilligt: Neue Erholungs-Zonen statt Parkplätzen
Isar: Stadt prüft Flussbad mit Floß-Einbau
Die Stadtverwaltung wird nun auch die günstige Variante eines Isarflussbades prüfen, wie sie der Verein Isarlust vorgeschlagen hat (wir berichteten).
Isar: Stadt prüft Flussbad mit Floß-Einbau
SPD: Antragspaket für neue Sporthallen
Mehrere Standorte für Sporthallen in München hat die SPD-Fraktion im Rathaus gestern vorgeschlagen, darunter auch schon ganz konkrete Projekte – etwa am Parkplatz …
SPD: Antragspaket für neue Sporthallen

Kommentare