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Malen können sie schon: Aadel (li.), Maxi und Victoria mit Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Pilotprojekt des Gesundheitsministeriums

Früh-Test für Vorschulkinder: Das soll sich ändern

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München - Ist das Kind schon reif für die Schule oder wartet man besser noch? Die Eingangs-Untersuchung soll Eltern bei dieser Entscheidung helfen – eigentlich. Doch in München bekommt man oft erst einen Termin, wenn es zu spät ist.

„Ich bin völlig hin- und hergerissen“, sagt Jezebel Roth aus Trudering. Ihre Tochter Victoria wird im November sechs Jahre alt. Und sie kann schon so viel: Engel malen, ihren Stift spitzen, den Namen ihres Kindergartens aufsagen. Doch soll sie wirklich schon im September eingeschult werden? Roth weiß nicht, wie sie sich am 6. April, dem Tag der Schuleinschreibung, entscheiden soll.

So wie Victorias Mutter geht es jährlich hunderten Eltern in München. Schulpflichtig sind alle Kinder, die bis Ende September sechs werden, bis Ende Dezember sind es „Kann-Kinder“. Zurückgestellt werden können Kinder, denen noch die „Schuleignung“ fehlt. Doch wann ist das der Fall? Viele Eltern sind unsicher, ob ihr Kind genug kann. Ob es dem schulischen Druck gewachsen ist. Ob es sozial und emotional Schritt hält.

Verpflichtende Untersuchungen oftmals zu spät möglich

Zwar gibt es die verpflichtende Schuleingangs-Untersuchung, bei der der Gesundheitszustand der Kinder, kognitive Fähigkeiten, Entwicklung und Verhalten geprüft werden. Doch in München erstrecken sich diese Termine auf zwölf Monate bis Ende August – so dass viele Kinder erst nach der Anmeldung und manche sogar erst kurz vor dem Schulanfang untersucht werden.

Das stinkt Sandra Sedlmaier. Ihr Sohn wird Mitte September sechs, und sie ist unsicher, ob er schon schulreif ist. Sie versprach sich Hilfe von der Eingangs-Untersuchung. Doch das Gesundheitsreferat gab ihr einen Termin Mitte Juli. „Was soll das?“, empört sie sich. „Das hilft mir doch nicht vorab bei der Entscheidung.“

Tatsächlich ist das Referat mit der Untersuchung von rund 12 000 Schulanfängern jährlich überlastet. Bei Fällen wie Roth oder Sedlmaier mag das noch erträglich sein, weil ihnen die Untersuchung die Entscheidung nicht abnehmen kann: In Zweifelsfällen entscheiden letztlich Eltern, Schulleiter und Ärzte gemeinsam anhand von Tests, Gutachten und Bauchgefühl.

Sozial schwache Familien werden benachteiligt

Doch wirklich prekär kann es bei sozial schwachen Familien werden, „die nicht gut angebunden sind an Kinderärzte“ und die die Vorsorgeuntersuchungen vernachlässigen, sagt Kathrin Martignoni vom Gesundheitsreferat. Denn bei deren Kindern werde oft nicht rechtzeitig vor der Schule erkannt, ob sie Förderung brauchen oder gar gesundheitliche Schwächen haben.

Diese Missstände könnten sich bald ändern. Das bayerische Gesundheitsministerium testet gerade die neue Untersuchung „Gesundheits- und Entwicklungsscreening im Kindergartenalter“ (GESiK) und hat bayernweit ein Pilotprojekt gestartet. In München nehmen drei Stadtbezirke (Schwabing-Freimann, Trudering-Riem, Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln) teil, die repräsentativ ausgewählt wurden. Gestern stellten Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs (parteilos) das Projekt vor. Die Familien bekamen Einladungen, von 2000 Kindern haben bereits 600 einen Termin.

Der bislang freiwillige Check richtet sich an Kinder zwischen vier und fünf Jahren und ist umfassender als die bisherige Untersuchung. Die Gesundheit wird geprüft, der Entwicklungsstand abgefragt. Sehen, Hören und Sprache werden getestet und ob ein Kind etwa „viel“ und „wenig“ versteht.

Huml: Es geht darum, rechtzeitig gegensteuern zu können

Kerngedanke: „Es geht nicht darum, die Kinder schneller zur Schule zu schicken“, sagte Huml. Die Untersuchung biete die Chance, alle Kinder in Bayern einmal von einem Arzt anschauen zu lassen, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Kinder, die irgendwelche Auffälligkeiten – etwa Entwicklungsverzögerungen – haben, sollen so mehr Zeit bekommen, um vor der Schule gut gefördert zu werden.

Bei 40 Prozent Migrationshintergrund stehe München vor besonderen Herausforderungen, sagte Jacobs. Sie wolle vor allem Vorschulkinder, die Deutschförderung brauchen, besser in den Blick bekommen. „Ich möchte, dass kein Kind durchs Raster fällt“, betonte sie. Empfohlen wird dann etwa, dass die Familien mit den Kindern mehr Malen üben, sie in einem Deutschkurs oder einer Tanzgruppe anmelden oder eine logopädische Therapie machen lassen – je nach Bedarf.

2018 will Huml dem Kabinett erste Ergebnisse berichten. Dann ist Victoria in der ersten Klasse – oder der zweiten. Roth hat sie die Untersuchung machen lassen und fand sie aufschlussreich. „Aber eine Antwort hat sie mir nicht gegeben“, sagt sie. „Ich entscheide wohl doch nach Bauchgefühl.“

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