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Verschönerer bei der Arbeit: Mitarbeiter des Baureferats pflanzen Blumen am kaiser-Ludwig-Platz.

Erste Pflanzen sprießen

Frühlingsboten in Gefahr: Was erlaubt ist - und was nicht

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München - Bäume und Sträucher beginnen zu grünen, erste Knospen sprießen. Zaghaft kündigt sich der Frühling an – und verleitet manche Spaziergänger dazu, in Münchens Grünanlagen die Vorboten für die heimische Blumenvase mitzunehmen. Wir erklären, was erlaubt ist und was nicht.

Daniel M. ärgert sich: Mehrmals hat er in den vergangenen Tagen im Westpark beobachtet, wie Spaziergänger Blumen gepflückt und Äste aus blühenden Hecken abgerissen haben. „Eine Frau pflückte ganz selbstverständlich die Schneeglöckchen weg.“ M. fürchtet, dass die Pracht schneller verschwindet, als sie blühen kann.

Generell gilt: Wild wachsende Pflanzen dürften nicht missbräuchlich – also ohne vernünftigen Grund – entnommen, ihre Bestände verwüstet oder grundlos niedergeschlagen werden. „Jedermann ist gehalten, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen“, sagt Dagmar Rümenapf, die Sprecherin des Baureferats. Sofern die Pflanzen nicht geschützt sind, sei es jedoch nicht grundsätzlich verboten, „einen kleinen Blumenstrauß“ zu pflücken. Rümenapf verweist auf das Bayerische Naturschutzgesetz, demzufolge es verboten ist, „Blüten, Zweige oder Blätter der nicht geschützten Arten in Mengen mitzunehmen, die über einen Handstrauß hinausgehen“.

„Ein Handsträußchen kann niemand verwehren“, sagt auch Thomas Köster, Chef des Englischen Gartens. „Aber: Im Englischen Garten gibt es nicht unendlich viele Handsträußchen.“ Würden von 1,5 Millionen Einwohnern nur 10 Prozent einen Strauß mitnehmen, wäre bald nichts mehr da. Das sollten die Besucher bedenken, bittet Köster. Auch andere wollten sich an der Natur erfreuen.

Zudem währe die Freude an den Blumen meist nur kurz: „Schneeglöckerl halten in der Vase einen Tag, dann schmeißt man sie weg. In der Natur halten sie mehrere Wochen.“ Wer also etwas für seine Wohnung tun wolle, der solle zum Gärtner gehen, einen schönen Strauß kaufen – und die Natur einfach nur genießen. Kösters Appell an alle Männer: „Welche Frau will schon gestohlene Blumen auf dem Tisch stehen haben?“

Zu den geschützen Blumenarten zählen laut Bayerischem Naturschutzgesetz unter anderem alle Enzian-, Iris-, Lilien- und Orchideenarten, Schlüsselblumen, Leberblümchen, Schneeglöckchen, See- und Teichrosen. Sie zu pflücken, ist verboten. „Und bei allen anderen sollte man ein schlechtes Gewissen bekommen“, sagt Köster.

Schwammerl, Beeren, Nüsse oder Kräuter dürfen dem Gesetz nach ebenfalls nur in „geringen Mengen“ mitgenommen werden – und zwar so, dass die Pflanzen beziehungsweise Wurzeln beim Pflücken nicht beschädigt werden.

Die Regeln gelten nicht nur für wild wachsende Blumen, sondern auch für die jedes Jahr von der Stadtgärtnerei gepflanzen Frühjahrsblüher in Pflanzkübeln oder Blumenbeeten. Ab sofort bis Anfang – rechtzeitig zu Ostern – werden die Münchner Grünflächen bepflanzt. In der Grünanlagensatzung der Stadt heißt es: „Die Grünanlagen selbst dürfen nicht beschädigt werden.“ Damit seien Blumen in Schmuckbeeten und Pflanztrögen generell tabu. Wer vorsätzlich dagegen verstoße, könne wegen einer Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße belegt werden. Pflanzendiebe im Englischen Garten könnte ein Betretungsverbot erteilt werden, wie Köster sagt.

Auf die Bedeutung von Frühlingsblumen als Nahrungsquelle für Insekten verweist Martin Hänsel vom Bund Naturschutz München. Nach dem Überwintern bräuchten Bienen Nahrung. „Es ist nicht gut, wenn ihnen die Pollen- und Nektarquellen weggepflückt werden.“ Und gerade bei Ostersträußen aus Weidenkätzchen sei das der Fall. Um diese Jahreszeit blühe eben noch nicht so viel: Krokusse und Huflattich beispielsweise sollten nicht gepflückt werden. „Wenn man von einer Durststrecke kommt und eine Tankstelle braucht, zählt jede Blüte“, sagt Hänsel über die Bienen. Er habe selbst auch schon gesehen, dass Spaziergänger ganze Weidenbüsche abgrasten. „Das soll man nicht machen.“ Zumal sich über Weidenkätzchen nicht nur Bienen freuten, sondern auch Vögel. „Die polstern damit gerne das Nest für ihre Brut aus.“

Daniel M. ärgert sich über die Rücksichtlosigkeit so vieler seiner Mit-Münchner. „Von Schuldbewußtsein keine Spur – leider. Mein alter Biologielehrer pflegte oft zu sagen, dass es bis zum Zweiten Weltkrieg noch Enzian im Englischen Garten gegeben hat – dass die Blumen aber fast vollständig verschwunden sind. Nur weil zu viel gepflückt wurde.“

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