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Margot Montag liebt ihre Puppen. Eigentlich will sie sich nicht von ihnen trennen. Trotzdem hat sie eine Kleinanzeige aufgegeben. Weil sie dringend das Geld braucht.

Die Fundgrubengeschichte

Eine Kleinanzeige für einen bescheidenen Weihnachtswunsch

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Eine Kleinanzeige, oft sind das nur zwei knappe Zeilen. Doch hinter ihnen verbirgt sich so manch eine Geschichte. Zum Beispiel die von Margot Montag und ihrem einzigen Weihnachtswunsch.

Margot Montag ist dieses Jahr kein bisschen nach Advent zumute. Weihnachten bereitet ihr große Sorgen. Denn sie hat Angst, dass sie das Fest allein verbringen muss. Ohne ihren Mann. Er hat eine schwere Herzoperation und neun Wochen Intensivstation hinter sich und darf die Reha-Klinik über die Feiertage nicht verlassen. Margot Montag ist gehbehindert. All die Wochen, als ihr Mann zwischen Leben und Tod schwebte, fuhr sie jeden Tag mit einem Taxi zu ihm ins Krankenhaus. Anders hätte sie nicht dorthin kommen können. In dieser Zeit hat die Münchnerin ihre gesamten Ersparnisse aufgebraucht. Das Geld reicht grade noch für das Nötigste – aber nicht für eine Fahrt in die Reha-Klinik an Weihnachten.

Margot Montag hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Sie hat eine Kleinanzeige aufgegeben, damit es in diesem schweren Jahr doch noch ein Weihnachten geben kann. Es war eine der schwersten Entscheidungen, die sie je getroffen hat: Die 79-Jährige will ihre Puppensammlung verkaufen. Sie muss. Eigentlich dachte sie, dass sie sich für nichts auf der Welt von ihren kleinen Freundinnen trennen würde. Vielleicht, weil sie sich als kleines Mädchen genauso sehnlich wie vergeblich eine eigene Puppe gewünscht hatte. Diesen Wunsch konnte sie erst als erwachsene Frau erfüllen. Lange Zeit hat sie von ihrem Gehalt etwas auf die Seite gelegt – bis sie endlich Puppenbesitzerin war.

Aus der einen kleinen Freundin ist im Laufe ihres Lebens ein ganzer Freundeskreis geworden. Und jede einzelne ist für Margot Montag so kostbar wie die erste Puppe, auf die sie so lange gespart hat. Nur eines ist ihr noch wichtiger: Weihnachten bei ihrem Mann sein zu können. Deshalb die Kleinanzeige.

Vergangene Woche hat die 79-Jährige zwei Tage damit verbracht, alle Puppenkleider zu waschen und frisch zu bügeln. Ihre Art, Abschied zu nehmen. „Es fällt mir furchtbar schwer“, sagt sie. Trotzdem hofft sie, dass die Plätze ihrer Puppen in einigen Tagen leer sein werden. Das ist in diesem Jahr Margot Montags einziger Weihnachtswunsch.

Die Kleinanzeige

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