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Ein besonderer Krug erfordert besondere Maßnahmen: Günther Starabin sucht die Urkunde zu diesem Trambahn-Krug aus dem Jahr 1892.

Die Fundgrubengeschichte

Sammler sucht Urkunde aus dem Jahr 1892

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München - Eine Kleinanzeige, oft sind das nur zwei knappe Zeilen. Doch hinter ihnen verbirgt sich manch spannende Geschichte. Zum Beispiel die, eines leidenschaftlichen Optimisten, der nach einer Urkunde sucht.

Wer sich für die Geschichte der Verkehrsmittel interessiert, hat in München einige Möglichkeiten, in die Vergangenheit zu reisen. Da gibt es das Stadtmuseum oder das Trammuseum – und dann gibt es da auch noch einen Keller in Milbertshofen. Vergleichsweise unbekannt – aber mindestens so sehenswert wie die Museen. Denn der Besitzer ist Günther Starabin – selbst Straßenbahnfahrer. Vor allem aber leidenschaftlicher Sammler. Und zwar einer von der Sorte, die nie fertig werden.

Starabin ist eigentlich ununterbrochen auf der Suche – das kann man ohne Übertreibung behaupten. Wer sich so reinhängt, entdeckt natürlich Besonderheiten, die ein Museum nicht bieten kann. Neben Trambahnfahrertaschen und Trambahnfahrermützen besitzt er beispielsweise einen alten Trambahnfahrerstand, Wagenschilder, Uhren, Glocken, Postkarten oder sogar alte Fahrkarten. Nur eine Sache gibt es, um die ist ihm das Stadtmuseum voraus, gibt er zu. Es geht um eine spezielle Urkunde. Eine absolute Rarität. Und sie – oder besser gesagt ihr Fehlen in seinem Keller – lässt Günther Starabin keine Ruhe mehr.

Viele seiner größten Schätze hat Günther Starabin Kleinanzeigen zu verdanken. Deshalb versucht er es diesmal wieder auf diesem Weg – so minimal die Chancen auch sind, dass er das findet, wonach er sucht. Man muss ein bisschen ausholen, um das zu erklären – nämlich bis ins Jahr 1892. Damals wurde der Pensionsfond der Münchner Trambahnfahrer ins Leben gerufen. Und um das zu feiern wurden etwa 50 Pensionsfond-Gründungs-Bierkrüge hergestellt. Zu jedem Bierkrug gehörte ein Urkunde. Der Krug ist wunderschön bemalt. Und mittlerweile äußerst wertvoll.

„Ich weiß von drei Krügen, die noch existieren“, sagt Starabin. Einer steht im Stadtmuseum. Einer steht im Trammuseum. Und einer steht in Günther Starabins Vitrine. „Das war ein Glückstag sondersgleichen“, erzählt er. Passierte zu einer Zeit, als „die Schätze grade wieder einmal hereinrauschten“. Ein Antiquitätenhändler hatte ihm den Krug vor etwa zehn Jahren angeboten. Für einen Schnäppchenpreis, wie Starabin betont. Dabei ist der Krug für ihn alles andere als ein Schnäppchen. Er ist ein Schatz. „Ich hab ihn sofort ins Herz geschlossen, als ich ihn gesehen hab.“

Nur die Urkunde fehlte eben – und was der Münchner auch versucht hat, bisher hat er nie eine auftreiben können. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass nicht viele Urkunden hergestellt wurden. „Sie müssten zwei Weltkriege überlebt haben“, sagt Starabin. „Ich weiß, die Chancen sind klein, dass jemand diese Urkunde zu Hause hat.“

Allerdings ist er nicht nur leidenschaftlicher Sammler, sondern auch leidenschaftlicher Optimist. Er muss es versuchen – deshalb hat er eine Kleinanzeige aufgegeben. „Selbst wenn sich nur ein anderer Krug-Besitzer meldet, wäre es ja schon ein riesiger Erfolg“, findet er. Aber so lange eine minimale Chance auf die Urkunde bleibt, wird Starabin weiter hoffen – und alles versuchen, um das Stadtmuseum eines Tages doch noch zu überbieten.

Katrin Woitsch


Die Kleinanzeige

Achtung Trambahn-Freunde! Suche Urkunde zu Festkrug zur Gründungsfeier des Pensionsfonds der Münchner Trambahnfahrer vom 19.10.1892. Freue mich über jeden Anruf. Telefon: 089/3142146.

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