Getrennte Wege: Die Grafik zeigt die unterirdischen Bereiche des neuen Justiz-Bauwerks. Bis zuletzt bleiben Zuschauer (grün), Richter (blau) und Angeklagte (rot) getrennt.

Getrennte Wege bis vor den Richtertisch

So funktioniert der Hochsicherheits-Gerichtssaal

München - Tunnel, Schleusen und Kontrollen: So funktioniert der neue Hochsicherheits-Gerichtssaal auf dem Gelände der JVA Stadelheim. 

Erst im Gerichtssaal kommen Angeklagte, Richter, Staatsanwälte und Publikum zusammen. Vorher, das ist eine der Säulen des Sicherheitskonzepts, bleiben ihre Wege streng getrennt.

  • Zuschauer betreten die Gebäude durch einen unscheinbaren Pavillon an der Stettnerstraße. Es geht fünf Meter hinab, unter der Gefängnismauer hindurch in eine Sicherheitsschleuse, wie man sie von Flughäfen kennt. Hier müssen Besucher sich ausweisen, durch einen Metalldetektor gehen und Gepäck, soweit es nicht in der Schleuse bleibt und in Kunststoffboxen verwahrt wird, röntgen lassen. Niemand soll die Möglichkeit haben, eine Waffe in den Gerichtssaal zu schmuggeln. Durch einen Gang kommt man in das Foyer. Richtung Norden führen von hier Türen in den Gerichtssaal, nach Süden schließen sich Räume für Anwälte, Zeugenbetreuung und Wachpersonal sowie Toiletten an.
  • Richter und Staatsanwälte dürfen mit dem Auto durch das Südtor aufs JVA-Gelände fahren. Sie parken auf einem Parkplatz, der mit einer eigenen Einhausung vom restlichen JVA-Gelände abgetrennt ist. Den Zugang regelt Wachpersonal. Über dem Parkplatz sind Drahtseile gespannt, um Angriffe oder Befreiungsversuche mit Hubschraubern zu verhindern. Vom Parkplatz aus gelangen Richter und Staatsanwälte in ihre Büros im Erdgeschoss des Bauwerks. Ein Treppenhaus, das der Öffentlichkeit verschlossen bleibt, führt hinab zu einem Besprechungsraum, durch den das Gericht den Sitzungssaal betritt.
  • Die Angeklagten werden durch einen Tunnel direkt aus den Zellenblöcken vorgeführt. Aufwändige, durch Polizeieskorten gesicherte Fahrten durch die Stadt sind dann nicht mehr nötig. In Zellen zwischen Gerichtssaal und Sporthalle warten die Angeklagten auf ihren Prozess. Hierhin werden sie auch in Prozesspausen gebracht, sie können sich hier ungestört mit ihren Anwälten beraten.
  • Sicherheitstechnik: Über Details des Sicherheitskonzepts hüllt sich die Justiz in Schweigen. Doch das Gebäude ist doppelt geschützt: Es liegt innerhalb der Gefängnismauern und seine Konstruktion gleicht der eines Bunkers: Der Großteil des Gebäudes liegt unter der Erde. Die Zugänge sind streng bewacht. Oberlichter und Lichthöfe sind so ausgeführt, dass man auch von oben keine Chance hat, unkontrolliert hinein- oder hinauszukommen.

sc

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