Die Fußgängerzone wächst

München - Schon lange wird über die Zukunft der Sendlinger Straße diskutiert. Jetzt steht fest: Sie wird zur Fußgängerzone. Zumindest teilweise: Zwischen dem Färbergraben und der Hackenstraße sollen Autos bald tabu sein.

Wer in den vergangenen Jahren immer wieder mal durch die Sendlinger Straße schlenderte, musste sich oft verwundert die Augen reiben. War in dem Haus letztens nicht noch ein anderes Geschäft? Denn immer mehr eingesessene Läden machten dicht, neue Ketten zogen ein. Manche auch nur vorübergehend. Ein gutes Zeichen war das nicht. Eher ein Beleg, dass es mit der Einkaufsmeile dahingeht.

Bereits vor ein paar Jahren hatte die Stadt das Problem erkannt und die Sendlinger Straße als Schwerpunkt in ihr Innenstadtkonzept aufgenommen – mit dem Ziel, die Straße aufzumöbeln und besser an die Neuhauser und Kaufingerstraße anzubinden. Dort hatte sich der Einzelhandel immer stärker konzentriert.

Nach dem Umzug des Süddeutschen Verlags von der Sendlinger Straße an den östlichen Stadtrand soll eine neue Ära in der Einkaufsstraße anbrechen. Auf dem alten Verlagsgelände wird derzeit an einem teuren Geschäfts- und Bürokomplex gewerkelt, der 2011 fertiggestellt werden und den Namen Hofstatt tragen soll.

Am Mittwoch wird sich der Planungsausschuss des Stadtrats mit der Frage befassen, was mit der Sendlinger Straße vor der Hofstatt geschehen wird. Das Planungsreferat jedenfalls will nach einem Antrag der Rathaus-SPD den 120 Meter langen Abschnitt zwischen dem Färbergraben und der Hackenstraße zur Fußgängerzone umgestalten. Auch die Dultstraße, die von dort zum Stadtmuseum führt, soll autofrei werden, wenn der Bau der Hofstatt abgeschlossen ist.

Die Zustimmung im Stadtrat ist sicher. Neben SPD und Grünen wird wohl auch die CSU das Vorhaben mittragen. „Ich persönlich halte die Erweiterung für sinnvoll“, sagt Fraktionschef Josef Schmid. Auch FDP-Kollege Michael Mattar nannte den Ausbau „grundsätzlich machbar“, obwohl er zunächst gefordert hatte, diesen Abschnitt der Sendlinger Straße zur „Begegnungszone“ umzugestalten. Diese hätten Fußgänger und Autos gleichberechtigt nutzen dürfen. Sogar Wirtschaftsverbände wie der Bayerische Einzelhandel unterstützen nun den Ausbau der Fußgängerzone.

Mit dem Umbau der Sendlinger Straße sollen auch einige Defizite behoben werden. Die Gehwegbereiche seien in Anbetracht des hohen Passantenaufkommens mit bis zu 4000 Menschen an Samstagen derzeit zu schmal bemessen, berichtet Planungsreferentin Elisabeth Merk. Auch sei die Straße nur schwer zu überqueren, vor allem wegen der dicht beparkten Fahrbahnränder.

Den Grünen aber reicht die Umgestaltung des Abschnitts nicht. „Wir wollen die ganze Sendlinger Straße zur Fußgängerzone machen“, sagt Stadträtin Sabine Nallinger. Ob es soweit kommt, scheint jedoch fraglich. Stadtplaner haben offenbar bereits Bedenken angemeldet. Auch die SPD widerspricht: „Da gibt es nicht unerhebliche Bedenken von Geschäftsleuten“, sagt Fraktionschef Alexander Reissl.

Wohl noch im Herbst will die Stadt noch ein weiteres Verkehrsproblem der Altstadt angehen: die Radwegverbindung von der Dienerstraße über den Marienplatz in Richtung Rindermarkt. Noch dürfen die Taxis neben dem Kaufhaus Beck halten. Das wird wohl bald nicht mehr so sein. „Die verparken die Kante am Marienplatz“, erläutert SPD-Fraktionschef Reissl. Künftig werden die Taxler deshalb wohl auf den Rindermarkt ausweichen müssen.

Matthias Kristlbauer

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