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Die Wünscheerfüllerin: Hier kredenzt Julia Milles im Nobelhotel Vier Jahreszeiten Kempinski Naschwerk und Blumen. 

Gästebetreuerin im Luxushotel

Diese Münchnerin kennt die Geheimnisse der Reichen und Schönen

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Julia Milles ist „Guest Relations Manager“ im Münchner Nobelhotel Vier Jahreszeiten Kempinski. Ihr Job: Den Gästen ausgefallene Wünsche erfüllen. Die 30-Jährige kennt die Geheimnisse der Reichen und Schönen - darf sie aber nicht verraten.

München - Sie erfüllt die skurrilsten, sogar die verrücktesten Wünsche. Aber Julia Milles (30) würde das nie sagen. „Ausgefallen“, wäre wohl das Wort der Dame mit den dezent geschminkten Rehaugen. Milles, elegantes rotes Kostüm, Seidentuch um den Hals, ist Gästebetreuerin im Münchner Nobelhotel Vier Jahreszeiten Kempinski. Und was die Gäste wollen, bekommen sie auch – fast immer: Zum Geburtstag seiner Freundin wünschte sich etwa ein Gast aus Russland eine Klein-Mädchen-Party wie in den USA. Also füllten die Gästebetreuer den Raum komplett mit Luftballons auf, dekorierten mit mannsgroßer Minnie-Maus und Lichterketten und schleppten Kuchen und ganz viel Knabberzeug an.

Die dekorierte Suite.

Julia Milles hat die Haare zu einem schnörkellosen Dutt nach hinten gebunden. Auf den ersten Blick erinnert an eine Stewardess. Doch sie hat eine andere Mission, als Snacks und Getränke zu servieren: Sie muss sich im Ernstfall unsichtbar machen können. Absolute Zurückhaltung. Absolute Diskretion. Die eigene Meinung spielt keine Rolle.

Teuerste Suite mit Kalbsleder-Boden und eigener Sauna

Milles’ oberste Gebote dürften so manche andere 30-Jährige abschrecken. Milles arbeitet als das, was auf Neudeutsch „Guest Relations Manager“ heißt. Sie ist eine Gästebetreuerin, aber für die Luxusklasse, denn in dem Fünf-Sterne-Hotel steigen die Reichen, Bekannten und Schönen ab. Und Julia Milles kennt ihre Geheimnisse – darf sie aber nicht verraten. Die teuerste Suite im Kempinski ist die 200 Quadratmeter große Ludwig-Suite mit eigener Sauna, Kaiserin Sissis Schreibtisch und Boden aus Kalbsleder. 15 000 Euro kostet sie pro Nacht und wird gerne von Europas Prinzen und Prinzessinnen gemietet.

Hier erfüllte Milles mit ihren vier Mitarbeiterinnen auch den skurrilen Wunsch des Russen. Zusätzliche Kosten fallen für den Gast nicht an, er bezahlt das Gekaufte wie etwa den Kuchen oder Champagner. Es sei typisch für das Fünf-Sterne-Segment, dass versucht werde, den Gästen möglichst viele Wünsche zu erfüllen, sagt Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. „Das ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Hotels.“

„Wir sind der rote Knopf im Haus für alle Gästewünsche“

Um allzeit für die Gäste sichtbar zu sein, tragen die Gästebetreuer in den Kempinski Hotels rote Kostüme. Sind in der Lobby an einem Tisch immer ansprechbar. „Wir sind im Prinzip der rote Knopf im Haus für alle Gästewünsche“, sagt Milles. Ladies in Red heißen die Gästebetreuerinnen deswegen auch. Derzeit sind es in München nur Frauen, es hat aber auch schon Gentlemen in Red gegeben.

Häufige Aufgabe der Gästebetreuer: Heiratsanträge mit vorbereiten. Wie bei einem Stammgast aus Deutschland, an den sich Milles erinnert. Der hatte ihr seinen Antrag per Email schon angekündigt. Die Gästebetreuerin organisierte eine große Musikanlage, das Lieblingslied des Pärchens lief und es gab Champagner. Außerdem druckte Milles Fotos des Paares aus und verteilte sie im Zimmer.

Und so hat die junge Frau schon viele Anträge im Hotel miterlebt. Sie lacht und sagt: „Nein hat noch niemand gesagt“. Ob sie die Anträge selbst schön findet oder nicht, spielt keine Rolle, ergänzt der Gäste-Profi. „Für mich ist es wichtig, dass die Gäste glücklich sind.“

Sich ein Autogramm zu holen, ist ein No-Go

Damit dass sichergestellt ist, schickt so mancher Promi vor dem Aufenthalt seinen Assistenten vor. Dann musste Julia Milles’ Team auch schon die Fenster in der Suite komplett abdunkeln oder aryurvedische Getränke und Goji-Beeren ranschaffen. Auch wenn der Gast noch so berühmt ist: Sich ein Autogramm zu holen, ist ein „No-Go“ für den Gäste-Profi. „Jeder Gast soll sich gleich willkommen fühlen und wissen, dass wir diskret sind.“

Seit fünf Jahren arbeitet Milles im Hotel, sie startete als persönliche Assistentin des Direktors. Nun ist sie Chefin der Ladies in Red. Englisch, Französisch und Italienisch spricht sie, hat Hotelmanagement studiert und in Italien, Frankreich und Australien gearbeitet. Gelernt hat sie über die Zeit drei Dinge: „Ich nehme nichts persönlich, das ist sehr wichtig.“ Außerdem sei jeder Wunsch eine Frage von Geld und Zeit, so lange er sich im gesetzlichen Rahmen bewege. Und: „Es muss mühelos wirken, wenn ein Wunsch erfüllt wird.“

Ein Gast wollte den Christbaum aus der Lobby kaufen

Ein Gast etwa hatte bei seinem München-Besuch die Rikschas in der Stadt bewundert. Also fragte Milles’ Team so viele Fahrer an, bis einer sein Gefährt verkaufte. Ein anderer wollte genau einen solchen Luxuswagen, wie er im Hotel gefahren war. Ein Dritter fragte 2014 an, ob er den Riesen-Christbaum aus der Lobby kaufen und verschiffen lassen könne. Hier musste Milles’ Team passen: Die Einfuhrbestimmungen seines Heimatlandes machten den Tannen-Transport unmöglich.

Diesen Christbaum wollte ein Gast kaufen.

Die meisten Gäste seien freundlich und benähmen sich gut, erzählt die Wünscheerfüllerin. In all den Jahren sei es nur wenige Male vorgekommen, dass Zimmer nach Aufenthalten renoviert werden mussten. Ein wenig Angst hatte Julia Milles, als eine bekannte Rockgruppe sich im Haus einmietete. Alle wild tätowiert und mit noch wilderem Image. Aber die Musiker gingen in die Lobby – und bestellten ganz artig Kaffee und Kuchen.

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