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Nathalie Örlecke schreibt: „Was ich gar nicht mag, sind Hundebesitzer, die sich nicht um die Erziehung ihrer Hunde kümmern.“

Gastbeitrag einer Trainerin

Berichte über Hunde, die Menschen in den Kopf beißen, zeigen: Wir brauchen den Hundeführerschein

In den vergangenen Monaten gab es mehrere Berichte über Hunde, die Menschen gebissen und schwer verletzt oder sogar getötet haben. Die Münchner Hundetrainerin Nathalie Örlecke ist entsetzt über manche Kommentare unter den Berichten. Sie hat eine wichtige Botschaft an alle Hundehalter.

In einem aktuellen Bericht geht es um einen Hund, der ein Baby in Hessen in den Kopf gebissen hat. Die Ärzte konnten es nicht mehr retten. Wenige Tage zuvor wurden in Hannover eine Frau und ihr Sohn von ihrem Hund tot gebissen. Der Hund „Chico“ wurde eingeschläfert. Und im November 2017 habe ich einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, dass ein Hund eine Frau ins Gesicht gebissen hat und diese schwer verletzt hat. Weitere Angaben, wie das Ganze passiert ist, gab es nicht. Spannender als den Bericht, finde ich aber die Kommentare unter dem Artikel. Ein Satz, der mich zu diesem Artikel bewegt hat, war: „Die Menschen verhalten sich oftmals nicht richtig Hunden gegenüber und sind selbst dran schuld.“ WOW! Da muss ich erst mal durchatmen, bevor mir der Kragen aber so endgültig platzt. Nicht hundeerfahrene Menschen müssen wissen, wie sie sich Hunden gegenüber verhalten müssen? Die Körpersprache der Hunde kennen? Auf unerzogene Hunde Rücksicht nehmen? Mir fehlen die Worte, wenn ich das lese. Ehrlich. 

Ich bin Hundetrainerin, besser, Hundebesitzertrainerin, und ich mag Hunde. Aber was ich gar nicht mag, sind Hundebesitzer, die sich nicht um die Erziehung ihrer Hunde kümmern und dann von der Gesellschaft verlangen, dass sie sich doch gefälligst adäquat gegenüber den unerzogenen, teils gefährlichen Hunden verhalten sollen. Mir fallen zwei Worte dazu ein: Geht‘s noch? 

Wie oft sehe ich Hunde, die Joggern und Radlern hinterher rennen. Warum? Weil es bequemer ist, den zerrenden Hund von der Leine zu lassen und solche Dinge in Kauf zu nehmen, statt dem Hund so lange Leinenpflicht zu verordnen, bis der gelernt hat, dass solche Dinge tabu sind. Ich habe in meinen Trainings immer wieder dasselbe Bild, der Traum vom leinenlosen Hund. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Aber bis das soweit ist, vergeht meistens eine lange, lange Zeit. Das verstehen viele nicht. Die anderen rennen ja auch frei herum und machen Unsinn. 

Hunde, die auch nur ansatzweise ein Verhalten zeigen, das anderen Menschen oder Tieren in die Komfortzone fährt, gehören zum Hundetrainer, an die Leine und manchmal gehört da auch einfach ein Maulkorb dran, bis man die Sache im Griff hat. 

Nathalie Örlecke schreibt: „Und wenn die Hunde irgendwie verhaltensauffällig sind, dann hat man dafür Sorge zu tragen, dass sie keinem etwas zu Leide tun können.“

Das Problem ist aber einfach, dass die meisten unerzogenen Hunde zu Menschen gehören, denen das egal ist, die zu faul zum Trainieren sind oder die die Verantwortung gerne auf andere abschieben. Menschen, die die Leine als etwas Unangenehmes und Böses sehen. Der Hund braucht Freiheit. Koste es, was es wolle, die anderen haben eh immer schuld. 

Wenn mich ein Hund so angreifen würde und wie diese Frau ins Gesicht beißen würde, dann würde ich auch alle Hebel in Bewegung setzen, dass er zumindest für immer einen Maulkorb trägt und Leinenpflicht hat. Hunde, die Menschen solche Verletzungen zufügen, haben in unserer Gesellschaft eigentlich auch nichts verloren! Früher wurden die eingeschläfert, ohne Wenn und Aber. 

In unserer heutigen Gesellschaft haben wir nur das Problem, dass man immer wieder davon spricht, dass solche Hunde resozialisiert werden könnten. Daran glaube ich nicht. Ich glaube an gutes Management eines solchen Hundes, an Sicherheitsvorkehrungen und Maßnahmen, die verhindern, dass dieser Hund das nochmal tun kann. Und an einen Menschen, der so einen Hund führen kann. Das war ja wohl in diesem Fall nicht gegeben. 

Und an alle, die, jetzt schreien, wie man sowas schreiben kann: Ich möchte denjenigen sehen, der das anders sieht, wenn sein Gesicht von einem Hund entstellt wird. Narben, die für immer bleiben, Angst die bleibt, sich frei zu bewegen, wenn Hunde in der Nähe sind. Oder wenn es das eigene Kind getroffen hätte. Hunde sind unter Kontrolle zu halten und dürfen keine Gefahr für andere darstellen. Und wenn sie irgendwie verhaltensauffällig sind, dann hat man dafür Sorge zu tragen, dass sie keinem etwas zu Leide tun können. Sonst haben wir irgendwann die generelle Leinenpflicht! 

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man diesen Hund, der das getan hat, was in dem Artikel geschrieben steht, noch irgendwie in Schutz nehmen kann. Hunde dürfen so etwas nicht tun! Ganz gleich wie sich Menschen ihnen gegenüber verhalten. Andere wissen nun mal nicht, wie Hunde auf einen oder etwas reagieren und man kann nicht erwarten, dass jeder andere Hunde und deren Verhalten einschätzen kann. Dann hätten wir ja viel zu tun in einer hundevollen Stadt wie München. 

Ich appelliere an die Hundehalter, ihre Hunde besser im Griff zu haben, mehr zu trainieren und die Verantwortung für ihre Hunde zu übernehmen. Das geschieht viel zu wenig. Viele Hunde machen einfach, was sie wollen, und ihre Herrchen und Frauchen auch. 

Es wäre schön, wenn es in München endlich die Pflicht zum Hundeführerschein geben würde. Dann gäbe es mehr erzogene Hunde und weniger Ärger!

Diesen Gastbeitrag schrieb Nathalie Örlecke, Hundetrainerin und Hundebesitzerin in München. Sie bloggt unter dem Namen 089dogs

Lesen Sie zwei weitere viel beachtete Gastbeiträge von Nathalie Örlecke:

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Kommentare

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Die Parks sind völlig zugemüllt von kaputten Hundekottüten. Jedes versiffte Bahnhofsklo ist inzwischen sauberer.

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Aber genau darum gehts. Man kann nicht immer von Kindern erwarten, das die Neugierde nicht überwiegt, sie mal etwas unbedacht sind, nicht darauf achten, das der Hund gerade schlafen will und die Verlockung groß ist ihn trotzdem anzufassen. Wenn ein kleines Kind zu einem Erwachsenen hinläuft und den ein bisschen ärgert muss es im Normalfall nichts zu befürchten haben, außer das der vielleicht schimpft, wenn die Eltern dabei sind. Aber es kann nicht sein, das ich wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin ständig abschätzen muss wie ich und meine Familie sich am besten Verhalten um nicht gebissen zu werden. Wenn ich meinem Kind antrainiere das es ruhig ist wenn ein Hund kommt, dann brauch ich mit einem Kind nicht mehr raus gehen, da einem in München alle paar Meter ein Hund entgegenkommt. Und es liegt auch nicht immer nur an der Erziehung, ein Hund kann auch mal aus dem Affekt heraus ohne die Zustimmung des Herrchens etwas tun.

Grummel
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Da geht Herrchen dann also zum Hundeführerschein machen, der Hund wurde fleißig trainiert, hat ständig Lob und vielleicht sogar Leckerlie eingeheimst. Dann hat er den Schein, hat mal weniger Zeit und lobt nicht andauernd, vielleicht ist der Hund auch ein bisschen von der Hitze im Sommer, was auch immer genervt und nicht so gut drauf, wie bei der Hundeprüfung. Und dann kommt da so ein schreiendes Kleinkind daher, das vielleicht noch irgendein Spielzeug schmeißt, das Herrchen ist grad abgelenkt, weil die Hundekottüte mal eben weggeworfen werden muss. Vielleicht ist das dann der Tag, andem der Hund eben keine Lust auf die antrainierten Regeln hat.