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Bei den bisher genannten 320 Millionen Euro Kosten für den Gasteig-Umbau wird es möglicherweise nicht bleiben. 

Bleibt es bei 320 Millionen Euro?

Gasteig-Sanierung: Keine Ausweichquartiere, unkalkulierbare Kosten

  • Felix Müller
    vonFelix Müller
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  • Johannes Löhr
    Johannes Löhr
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München - Ab 2020 soll der Gasteig saniert werden. Wo die Einrichtungen, die dort untergebracht sind, in der Zwischenzeit hin sollen, ist unklar. Die Kosten werden mittlerweile als unkalkulierbar bezeichnet.

Die Stadt München hatte sich lange geziert, Kosten für eine große Sanierung des Gasteigs zu beziffern. Mit den letztlich genannten 320 Millionen Euro ist aber offensichtlich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Das Baureferat nennt die Kosten mehr oder minder unkalkulierbar.

Für die Variante „Grundsanierung mit Modernisierungen“, also inkluisive Fassade sowie Optimierung der Philharmonie und des Gebäudes müsse man einen „Unschärfezuschlag“ von mindestens 30 Prozent einrechnen, so die Fachleute vom Baureferat. Rechnet man die Vorsteuer von bis zu 19 Prozent dazu und immense Kosten für Interimsquartiere, landet man bei deutlich über einer halben Milliarde Euro. Das legt die Vorlage nahe, über die die Stadträte am Mittwoch entscheiden sollen.

Das Baureferat war beauftragt worden, die vorliegenden Unterlagen auf ihre Plausibilität zu prüfen. Ergebnis: Allein die Brandschutz-Auflagen seien Lichtjahre von 80er-Jahre-Standard entfernt, bei Eingriffen ins Gebäude sei zudem die Statik fragwürdig. „Die dem Baureferat zur Verfügung stehenden Unterlagen lassen nicht erkennen, dass vorgenannte Punkte durchgängig berücksichtigt wurden“, heißt es in der Stellungnahme.

Knifflig gestaltet sich auch die Suche nach Ausweichquartieren. Wenn die Stadt 2020 wie geplant mit der Sanierung beginnt („ambitioniert, aber aus derzeitiger Sicht realistisch“, sei dieser Plan, heißt es in der Vorlage), wird es wohl noch keinen neuen Konzertsaal geben. Die Münchner Konzertgänger werden sich darauf einstellen müssen, jahrelang an Interims-Spielorte für beide großen Orchester zu pendeln. Wo die sein könnten, ist allerdings noch ungewiss. Auch das als Standort des zweiten Konzertsaals infragekommende Areal des Eissport-Stadions wird nicht rechtzeitig frei, um dort bereits 2020 eröffnen zu können, sagt auch Kultur-Bürgermeister Josef Schmid, CSU. Er betont: „2020 ist sicher nicht realistisch.“ Freilich haben die Philharmoniker bereits angekündigt, dass sie auch in der Übergangszeit einen Saal in der Größenordnung von 1800 Plätzen benötigen – und für die Symphoniker keine Abstriche im Abo-Programm machen wollen.

Für mindestens zwei Jahre muss der Gasteig wohl geschlossen werden. Die VHS, so heißt es, habe ihren Mietvertrag an der Lindwurmstraße bereits verlängern können. Für andere Einrichtungen wie die Stadtbibliothek ist man offenbar noch nicht so weit. „Unverzüglich“ nach der Stadtrats-Entscheidung soll mit der Suche nach Standorten begonnen werden.

Johannes Löhr/ Felix Müller

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