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Der Krater von Trudering: Erinnerungen und Bilder

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Fast senkrecht stakte der Bus in dem riesigen Krater. Acht Meter tief war er am 20. September 1994 mit dem Heck voran in den Abgrund gestürzt.
Fast senkrecht stakte der Bus in dem riesigen Krater. Acht Meter tief war er am 20. September 1994 mit dem Heck voran in den Abgrund gestürzt. © Marcus Schlaf

München - Nach dem Unglück in Köln werden Erinnerungen an eine ähnliche Katastrophe in München wach: Im September 1994 öffnete sich in Trudering die Erde, ein Bus stürzte in den Krater. Drei Menschen starben.

Es war eines der größten Unglücke in der Nachkriegsgeschichte Münchens: Am 20. September 1994 stürzt ein Bus der Linie 192 in Trudering acht Meter tief in einen Krater, der sich innerhalb weniger Sekunden wie ein Schlund unter ihm auftut. Drei Menschen sterben, 36 werden zum Teil schwer verletzt.

Beim Bau der U-Bahntunnels 17 Meter unter der Erde brechen plötzlich gewaltige Grundwassermassen ein. Sie reißen große Mengen Erde mit sich, der lockere Kies der Münchner Schotterebene rutscht nach. Am Ende bleibt nur die Asphaltdecke über einem meterhohen Hohlraum.

Um 18.44 Uhr rennen Bauarbeiter von der gegenüberliegenden Baustelle auf den Bus zu, um den Fahrer zum Weiterfahren zu ermuntern. Zu spät. Um 18.46 Uhr gibt die Teerdecke unter der tonnenschweren Last des zehn Meter langen Gefährts nach. Der Bus stürzt ab – und versinkt fast vollständig in dem Krater. Zwei Fahrgäste und ein österreichischer Polier sterben.

Bilder vom Unglück

Wie sich später herausstellt, ist das Unglück nicht auf einen Planungsfehler zurückzuführen. Laut Staatsanwaltschaft haben „nicht erkannte und nicht erkundbare“ Sandrisse in einer Mergelschicht zu dem Wasser- und Kieseinbruch geführt. Die Ermittlungen werden 1999 eingestellt, ein Prozess gegen drei Ingenieure und zwei Bauarbeiter war zuvor gegen Geldauflagen eingestellt worden.

Einsturzgefahr: Dieses Anwesen an der Lilienstraße musste evakuiert werden.
Einsturzgefahr: Dieses Anwesen an der Lilienstraße musste evakuiert werden. © Marcus Schlaf

Immer wieder kommt es im Tiefbau zu spektakulären Zwischenfällen. Am 4. August 2005 muss ein denkmalgeschütztes Anwesen an der Lilienstraße 8 (Au) innerhalb weniger Stunden evakuiert werden. Rund 20 Mieter müssen kurzfristig zu Freunden umziehen, weil das Haus akut einsturzgefährdet ist. Beim Ausheben einer Baugrube auf dem Nachbargrundstück war das Haus in Bewegung geraten. Der Baugrund in der Au gilt als schwierig, die Häuser stehen auf Schwemmland.

Mit Stützgerüsten wird in den Tagen nach der Evakuierung versucht, den Einsturz des Gebäudes zu verhindern. Am 2. September können die Mieter Teile ihrer Habe über einen Spezialkran aus ihren Wohnungen holen. Das Anwesen selbst wird Ende 2007 nach einem Rechtsstreit über die Ursachen abgerissen.

Thierry Backes

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