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Ruft zur Teilnahme an der Gegendemo auf:OB Dieter Reiter (SPD).

Gegen "Bagida" auf die Straße

Reiter ruft zur Gegendemo auf: "Kein Platz für Hetze"

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    vonFelix Müller
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    Moritz Homann
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München - Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris rechnet die Polizei am Montag mit noch mehr Demonstranten: Neben tausenden "Bagida"-Anhängern werden auch viele Gegendemonstranten erwartet.

Zumindest eines ist klar: Die Sonnenstraße wird am Montagabend voll sein. Voll mit tausenden Menschen, davon einige islam-kritisch, die überwiegende Mehrheit aber Teilnehmer der Gegendemo. Vieles weitere rund um "Bagida", "Mügida" und die "Pegida"-Gegner ist aber eher verwirrend.

Für 18.30 Uhr hat die "Bagida" ihre Demo an der Trambahn-Station Sendlinger Tor angekündigt - auf dem Platz, auf dem vor wenigen Wochen die Flüchtlinge in den Hungerstreik getreten waren. Dort soll es eine Auftakt-Kundgebung bis 19 Uhr geben, anschließend will die "Bagida" die Sonnenstraße entlang bis zum Stachus ziehen. Dort ist von 19.45 Uhr bis 21 Uhr eine Abschlusskundgebung geplant. Auf Facebook haben bereits mehr als 800 Menschen zugesagt.

Das sind zwar deutlich mehr als am vergangenen Montag, als gerade mal 50 islamkritische Anhänger der "Mügida" am Sendlinger Tor demonstriert hatten. Aber auch die Gegenseite wird am kommenden Montag deutlich stärker vertreten sein. Das Bündnis "München ist bunt" hat zur Gegendemo am Sendlinger Tor bereits um 17.30 Uhr aufgerufen, Zusagen bisher: 4000 Menschen.

Reiter ruft zur Gegendemo auf

"Wir rechnen insgesamt mit 6000 bis 10.000 Teilnehmern", sagt Grünen-Stadtrat und "München ist bunt"-Aktivist Dominik Krause. Geplant sind Reden und Musikbeiträge, Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird vor Ort sein. "In München ist kein Platz für Hetze, Hass und Ausgrenzung", sagt Reiter – und ruft explizit zur Teilnahme an der Gegendemo auf.

Gut möglich, dass die Teilnehmerzahlen durch den Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" am Mittwoch noch weiter wachsen – und auch die Stimmung hitziger wird: "Wir sehen die Gefahr, dass durch den Anschlag in Paris auch in die Demos in München eine neue Dynamik reinkommen kann", sagt Wolfgang Wenger, Sprecher der Münchner Polizei. Aktuell plant die Polizei mit mehr Beamten als bei der Demo am vergangenen Montag. Derzeit ist von bis zu 500 Beamten die Rede. Das könnten aber durchaus noch mehr werden – wenn die Teilnehmerzahlen entsprechend steigen.

Die "Bagida"-Demo hat Birgit W. angemeldet. "Wir wollen die Politiker wachrütteln", so begründet sie ihr Engagement. W. hat für Montag, 19. Januar, bereits einen weiteren Protestzug geplant. "Ich rechne damit, dass die Teilnehmerzahlen von Demo zu Demo ansteigen", sagt sie.

Einfache Bürger sollen sprechen dürfen

W. ist zwar kein Mitglied der rechtspopulistischen Kleinstpartei "Die Freiheit", hat deren Landeschef Michael Stürzenberger aber bei seinem Bürgerbegehren gegen ein Islamzentrum in München regelmäßig unterstützt. In den Reihen der Islamgegner ist deshalb intern von der "Stürzenberger-Demo" die Rede. Den bekanntesten Münchner Rechtspopulisten lehnen auch in der Szene aber viele ab – aus persönlichen oder strategischen Gründen.

Auf der Demo soll der rhetorisch starke Stürzenberger deshalb nicht sprechen. Stattdessen verweisen die Organisatoren stolz darauf, man lasse vor allem einfache Bürger ohne Parteizugehörigkeit sprechen, darunter auch einige Migranten. Sogar ein SPD-Mitglied sei dabei.

Im Hintergrund wirken aber offenbar Kräfte aus dem rechtsextremen Spektrum. Die laut Verfassungsschutz von Neonazis geprägte Partei "Die Rechte" ruft zur "Bagida"-Demo auf, die ebenfalls dem rechten Spektrum zuzurechnende "Identitäre Bewegung" will auch teilnehmen. Auch Funktionäre der Republikaner und der rechtsextremen Partei "Pro Bayern" wirken mit. Und nicht zuletzt wirbt auch die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" um NPD-Politiker und Stadtrat Karl Richter für die Bagida-Demo.

Zeitgleich zur großen "Bagida"-Demo will auch die "Mügida" wieder demonstrieren. Allerdings nicht am Sendlinger Tor, sondern am Weißenburger Platz. Von 18.30 bis 18.40 Uhr ist hier eine Kundgebung geplant, gefolgt von einem Zug über Weißenburger Straße, Pariser Platz, Pariser Straße, Bordeauxplatz und Metzstraße zurück zum Weißenburger Platz. Angemeldet sind 100 bis 200 Teilnehmer.

Thomas Weiß ruft wieder zur Demo auf

Anmelder ist wieder Thomas Weiß. Weiß war früher Generalsekretär des bayerischen Landesverbandes der "Freiheit", gehörte also zum Stürzenberger-Umfeld. Vor knapp zwei Jahren kam es allerdings zum Verwürfnis, deshalb will Weiß jetzt offenbar nicht an der Demo teilnehmen, die Stürzenberger fördert.

Weiß hatte auch die Demo am Montag, 5. Januar, organisiert. Damals kam auch AfD-Stadtrat und Islamkritiker Fritz Schmude, der jetzt aber den Demos fernbleiben will. "Das heißt aber sicher nicht, dass ich dazu aufrufe, Demonstrationen gegen die Islamisierung fernzubleiben", sagte er gestern. "Ganz im Gegenteil." Er wolle sich nur als Stadtrat nicht in den "Bruderkampf" der verschiedenen Gruppen einmischen.

Moritz Homann, Felix Müller, Sven Rieber

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