Georg Elser wurde am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet.

70 Jahre nach Hinrichtung startet Film

Georg Elser, der fast die Welt verändert hätte

München/Dachau – Georg Elser ist der Mann, der fast die Welt verändert hätte. Wenn Hitler an diesem 8. November 1939 den Münchner Bürgerbräukeller nicht 13 Minuten zu früh verlassen hätte. Wenn er von dem selbstgebauten Sprengsatz getötet worden wäre. Wenn sein Plan funktioniert hätte.

Dann wäre der Name Georg Elser ein Name, den jeder kennen würde. Dann wäre er vielleicht der berühmteste Widerstandskämpfer aller Zeiten.

Georg Elser war ein Widerstandskämpfer. Und er war mutiger, als viele andere seiner Zeit. Den Nationalsozialismus lehnte er radikal ab. Von Anfang an. Den Hitlergruß verweigerte er. Hitlerreden hörte er sich nicht an. Bewusst widersetzte er sich der nationalsozialistischen Propaganda. Sein Verständnis von Politik war von Freiheits- und Unabhängigkeitsstreben geprägt.

Als die Deutschen Polen überfallen, ist sich Elser sicher, dass ein Weltkrieg bevorsteht. Er entschließt sich, noch größeres Blutvergießen zu verhindern.

Das Attentat plant er zielstrebig. Er bereitet es ein Jahr lang vor. Elser weiß, dass Hitler regelmäßig am 8. November zum Jahrestag seines Putschversuchs von 1923 im Münchner Bürgerbräukeller spricht. Er verschafft sich Zugang zum Veranstaltungsort und stellt fest, dass der Saal nicht bewacht ist. Akribisch präperiert er wochenlang nachts mit einfachen Werkzeugen die Säule über Hilters Rednerpult im Bürgerbräukeller. Dort will er einen Sprengkörper verstecken. Die Bombe konstruiert er selbst. Und er will kein Risiko eingehen. Er baut zwei Uhren ein, damit er den Sprengsatz bis zu sechs Tage vorher einstellen kann. Außerdem benutzt er drei Zündpatronen und viel Dynamit – es ist ihm bitterernst mit seinem Plan.

Gleichzeitig prüft Elser die Möglichkeiten eines illegalen Grenzübertritts bei Konstanz. Er will aus Deutschland entkommen, wenn er Hitler, Göring und Goebbels getötet hat. Doch soweit kommt es nicht. Die Bombe explodiert um 21.20 Uhr im Bürgerbräukeller. Hitler hat die Veranstaltung um 21.07 Uhr verlassen. 13 Minuten zu früh. Fast zeitgleich wird Georg Elser in Konstanz von der Zollstreife festgenommen und verhaftet. Sein Plan ist gescheitert. Er konnte den Weltkrieg nicht verhindern.

Fünf Tage nach seiner Verhaftung gesteht er im Verhör das Attentat, bei dem acht Menschen getötet und 63 verletzt wurden. Er habe noch größeres Blutvergießen verhindern wollen, sagte er damals. Fast alle Angehörigen Elsers werden ebenfalls festgenommen und verhört. Einige Wochen später werden sie freigelassen, nachdem sie zum Schweigen verpflichtet worden sind.

Gegen Elser will die nationalsozialistische Führung erst einen Schauprozess vor dem Volksgerichtshof durchführen. Deshalb wird er als „Sonderhäftling“ im Konzentrationslager gefangengehalten. Erst in Sachsenhausen, später in Dachau. Dort wird er auf Weisung von „höchster Stelle“ erschossen. Am 9. April 1945 – dem selben Tag, an dem die Nationalsozialisten im Konzentrationslager Flossenbürg Dietrich Bonhoeffer und andere Widerstandskämpfer erschossen haben.

Genau 70 Jahre nach seiner Hinrichtung startet heute der Film „Elser“ in den deutschen Kinos. Er erzählt die Geschichte eines Widerstandskämpfers, der in Deutschland lange Zeit unbekannt war. In der Nachkriegszeit waren die Bürger seines Wohnorts Königsbronn in Baden-Württemberg nicht gut auf Elser zu sprechen. Inzwischen hat sich das geändert. Der Widerstandskämpfer erfahre dank des Films nun die Würdigung, die er sich durch mutige Zivilcourage verdient habe, heißt es in der Landesvertretung Baden-Württembergs. Er ist ein Denkmal für den Mann, der vor mehr als sieben Jahrzehnten fast die Welt verändert hätte.

kwo/lby

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