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Dampfwolken steigen beim Pumpversuch am südlichen Bohrloch im Dezember in die Höhe. In den kommenden tagen geschieht das Gleiche an der nördlichen Bohrstelle. 

Erste Pumpversuche

Geothermie-Bohrungen: Warum es in Freiham stinkt

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München - Die Geothermie-Bohrungen in Freiham gehen zügig voran. Das zweite Bohrloch ist fertig, nun können Pumpversuche beginnen. Das kann für die Anwohner vorübergehend unangenehm werden, denn das Wasser aus der Tiefe stinkt bisweilen nach faulen Eiern.

Die Arbeiten am ersten Bohrloch östlich des Guts Freiham hatten am 29. September begonnen. Im Dezember hatte der Bohrkopf jene poröse Erdschicht in rund 2500 Metern Tiefe erreicht, in der große Heißwasservorkommen lagern. Pumpversuche brachten eine positive Überraschung: Statt, wie prognostiziert, pro Sekunde 80 Liter Wasser mit einer Temperatur von 80 Grad, gibt die Quelle 90 Liter pro Sekunde her, und das Wasser ist 90 Grad heiß. Das steigert die Energieausbeute deutlich über das geplante Maß hinaus.

Doch noch verkneifen sich die Fachleute allzu lauten Jubel, denn die Nutzung der Erdwärme ist an strenge Auflagen gebunden. Das Tiefenwasser muss wieder in die gleiche Schicht zurückgepumpt werden, aus der es entnommen wurde. Dazu dient die sogenannte Injektionsbohrung, die jetzt drei Kilometer weiter nördlich niedergebracht worden ist. Sie dauerte gerade einmal sechs Wochen, weil man auf die Erfahrungen der ersten Bohrung zurückgreifen konnte.

Die Grafik zeigt die Lage der beiden Bohrstellen. Die Verbindung  schafft eine in geringer Tiefe verlegte Leitung. 

Nun warten die Fachleute gespannt darauf, ob die zweite Bohrung ebenso ergiebig ist wie die erste – sprich: Ob sie die volle Wassermenge aufnehmen kann. Das werden Pumpversuche zeigen, die in den kommenden Tagen geplant sind. An maximal vier nicht zusammenhängenden Tagen wird getestet, und dabei, so die Stadtwerke, können auch größere Wasserdampfwolken in den Himmel steigen. Möglich seien zudem „kurzzeitige Geruchsbelästigungen“. Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern stinkt, und andere im Tiefenwasser gelöste Gase werden frei. Doch die Stadtwerke geben vorsorglich Entwarnung: „Dieser natürliche Geruch des Thermalwassers kann zwar auffällig sein, stellt aber keinerlei Gesundheitsbeeinträchtigung dar“, heißt es in einer Mitteilung. Sobald die Tests abgeschlossen sind, ist es auch mit dem Gestank vorbei: Im künftigen Betrieb der Geothermie-Anlage werden keine Gase freigesetzt.

Wenn alles glatt geht, wird das Fernwärmenetz des entstehenden Stadtteils Freiham noch in diesem Jahr mit umweltfreundlicher Erdwärme gespeist. Das Prinzip ist einfach: Das heiße Wasser wird durch die Förderbohrung südlich der S-Bahnlinie nach oben gepumpt und gibt seine Energie in Wärmetauschern an das Fernwärmenetz ab. Das abgekühlte Wasser fließt durch eine drei Kilometer lange, 30 Zentimeter dicke unterirdische Rohrleitung zur nördlich gelegenen Injektionsbohrung und verschwindet wieder im Untergrund. An den Bohrstellen werden keine Gebäude stehen müssen. Die Technik sitzt im Heizwerk nahe dem S-Bahnhof Freiham.

Die Geothermieanlage Freiham ist der erste Baustein der SWM Fernwärme-Vision: Bis 2040 soll München die erste deutsche Großstadt werden, in der Fernwärme zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gewonnen wird. München will heizen, ohne das Klima zu belasten. Den wesentlichen Beitrag hierzu wird die Geothermie liefern.

Um die optimalen Stellen für weitere Bohrungen zu finden, wird der Untergrund der Landeshauptstadt derzeit mit Seismik-Messungen geologisch erkundet (wir berichteten). Diesem Zweck dienen die orangefarbenen Kabel, die vorübergehend an vielen Stellen im Stadtgebiet verlegt sind.

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