Thema Scheidung

Mutter wegen Kindesentziehung verurteilt

München  - Die Eltern trennen sich, die Kinder leiden. Häufig werden sie zum Spielball des Streits. So wie in einem aktuellen Gerichtsfall. Nun wurde die Mutter verurteilt.

Eine Liebe geht zu Ende, Scheidung oder Trennung sind vollzogen. Oft aber beginnt dann ein neuer Streit – um die Kinder. Familiengerichte wissen ein trauriges Lied davon zu singen. In einem aktuellen Fall wurde eine Mutter wegen Kindesentziehung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten – am Familiengericht München ist das „alltäglich Brot“, wie es Monika Andreß, Sprecherin des Amtsgerichts, ausdrückt. Nach ihrer Einschätzung nehmen die Fallzahlen zu. Eine Statistik für das Jahr 2015 gibt es noch nicht. Im Jahr 2014 waren in den beiden Familienabteilungen des Amtsgerichts 14 626 Verfahren anhängig. Das entsprach einer Steigerung um 0,32 Prozent im Vergleich zu 2013.

Ein relativ aktueller Fall geht allerdings über das Maß des Alltäglichen hinaus, weil er strafrechtliche Relevanz hatte. Andreß spricht von einer „extremen Ausnahme“. Das Amtsgericht München verurteilte eine 46-jährige Mutter wegen Kindesentziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Die Frau – sie hat das alleinige Sorgerecht – hatte ihrem geschiedenen Ehemann den Umgang mit dem gemeinsamen, siebenjährigen Sohn verweigert. Dabei hat der Vater nach Anordnung des Familiengerichts das Recht, mindestens einmal wöchentlich für etwa sieben Stunden Umgang mit dem Kind zu haben und außerdem die Nacht von Samstag auf Sonntag mit dem Sohn zu verbringen.

Verheiratete haben das gemeinsame Sorgerecht für ihre Kinder, auch nach der Trennung – auch bei Nichtverheirateten ist dies inzwischen möglich. Der Bundestag hat die Rolle nichtehelicher Väter 2013 nach einer entsprechenden Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gestärkt.

Der Umgang kann indes nur bei massivem Fehlverhalten eines Elternteils wie etwa körperlichen Übrgriffen untersagt werden. Im vorliegenden Fall verhindert die Mutter laut Justiz seit November 2012 das Recht des Vaters auf Umgang mit seinem Sohn. Zunächst gab sie über einen Rechtsanwalt an, dass sie aus Deutschland ausgereist sei, was nicht der Wahrheit entsprach. Ihren Aufenthalt verheimlichte sie gegenüber dem Vater. Erst im Frühjahr 2012 reiste sie mit dem Kind nach Vancouver in Kanada aus und hielt sich dort an einem unbekannten Ort auf. Bei ihrer Einreise nach Deutschland im August 2015 wurde sie verhaftet. Der Haftbefehl wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Die Frau selbst räumte den Sachverhalt ein, jedoch handelte es sich nach ihrer Auffassung um das rechtmäßige Verhalten einer liebenden Mutter. Frauen und Kinder würden durch Gesetze und Gerichte in Deutschland nicht ausreichend geschützt. Sie habe sich durch das Verhalten ihres Ex-Mannes in ihrer psychischen Stabilität beeinträchtigt gefühlt und sei großem Stress ausgesetzt gewesen. Sie habe nie beabsichtigt, den Kontakt ihres Kindes zum Vater zu unterbinden. Der fehlende Kontakt sei dem Umstand geschuldet, dass der Vater keine weitergehenden Schritte unternommen habe. Sie sei stets bemüht gewesen, ein positives Bild vom Vater zu vermitteln. Dieser hatte der Ausreise zugestimmt, jedoch sollte ein Kontakt zum Kind ermöglicht werden.

Beim Strafmaß wertete das Gericht die Dauer des Kindesentzugs zu Lasten der Mutter. Eine Freiheitsstrafe sei daher „schuld- und tatangemessen“, könne aber zur Bewährung ausgesetzt werden. Zwar befinde sich die Angeklagte in instabilen wirtschaftlichen sowie emotionalen Verhältnissen, jedoch gehe das Gericht aufgrund der Persönlichkeitsstruktur der Angeklagten davon aus, dass diese keine weiteren Straftaten mehr begehen werde.

Klaus Vick

Rubriklistenbild: © dpa

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