Gewalttätige Fußballfans bekommen Bewährungsstrafen - Spielverbot

Würzburg - Sie haben randaliert, gepöbelt und zugeschlagen: Für ihren brutalen Überfall auf einen Fanbus des 1. FC Nürnberg sind drei Anhänger des Fußballrekordmeisters FC Bayern München am Donnerstag zu Bewährungsstrafen von je drei Jahren verurteilt worden.

Zudem dürfen die 21, 22 und 26 Jahre alten Fans in den kommenden drei Jahren an keinem Fußballspiel ihres Lieblingsvereins mehr teilnehmen. Auch erteilte der Vorsitzende Richter Peter Wohlfahrt dem Trio das Verbot, Veranstaltungen ihrer als gewaltbereit bekannten Fan-Gruppe "Schickeria München" zu besuchen.

Das Jugendschöffengericht sah es als erwiesen an, dass das Trio im vergangenen Mai an der wilden Schlägerei mit zahlreichen Verletzten auf einem Parkplatz nahe Würzburg beteiligt war. Der 21-Jährige bekam eine Jugendstrafe von zwei Jahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen und Landfriedensbruchs. Sein ein Jahr älterer Kumpel wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Der 26-Jährige bekam eine Strafe von eineinhalb Jahren.

Bei der Attacke auf die Club-Fans waren die Franken-Anhänger zum Teil lebensbedrohlich verletzt worden, eine Frau verlor durch eine geworfene Flasche ein Augenlicht. Zunächst hatten zwei Busse mit 74 Bayern-Fans der "Schickeria München", einem inoffiziellen Fanclub des FC Bayern, auf dem Rastplatz gehalten. Etwa 20 waren dann zum Nürnberger Bus gestürmt und hatten sofort randaliert. "Sie sind wie ein Sturmtrupp gewesen", sagte der Vorsitzende Richter. "Man ist rumgelaufen wie eine Meute Hunde, die zur Jagd gelassen werden", beschrieb Wohlfahrt den Tattag. Wer tatsächlich die Flasche geworfen hat, die die Frau am Kopf traf, konnte im Prozess nicht geklärt werden.

Der Richter setzte die Strafen zur Bewährung aus, weil alle drei Männer zuvor in Untersuchungshaft gesessen und Geständnisse abgelegt hatten. "Wenn Sie nicht in Haft gewesen wären, hätten wir Sie eingesperrt", sagte Wohlfahrt zu den Verurteilten. Als Bewährungsauflage verurteilte das Amtsgericht das Trio zudem zu Geldstrafen. Der 21-Jährige aus dem Allgäu muss 6000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz an die schwer verletzte Frau zahlen, der 22-Jährige aus Oberfranken 2500 Euro. Auch der dritte Mann aus dem mittelfränkischen Emskirchen muss der 45-jährigen Ehefrau des Nürnberger Busfahrers Geld zahlen - 3500 Euro setzte der Richter hier fest.

"Wenn Sie gegen diese Auflagen verstoßen, besteht die Gefahr, dass Sie in den Knast wandern", mahnte Wohlfahrt. "Sie haben nun nichts mehr mit dem FC Bayern und auch nichts mehr mit der "Schickeria" zu tun." Den Hass zwischen den rivalisierenden Fußballvereinen konnte der Richter nicht nachvollziehen. Egal, wer letztendlich welche Flasche geworfen hat - jeder der drei Männer habe bewusst in Kauf genommen, dass Menschen verletzt werden. Das gesicht der Frau werde für immer entstellt sein, sagte Wohlfahrt. "Sie wird nun jeden Morgen, wenn sie in den Spiegel schaut, an die Situation erinnert werden." Die Angeklagten hätten zwei Seiten: Eine seriöse und eine Fußballseite, "wo sie offenbar ihren Verstand völlig ausgeschaltet haben".

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten Haftstrafen gefordert, die nur bei dem 26-Jährigen zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Die Verteidiger hatten Bewährungsstrafen verlangt.

Die Fußball-Fans hatten sich im Prozess bei den Opfern entschuldigt. Die Urteile gegen die beiden älteren Männer sind bereits rechtskräftig. Die Prozesstermine gegen etwa 30 weitere angeklagte FC Bayern-Anhänger stehen noch nicht fest.

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