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Schau doch nicht so traurig: Der Golden Retriever Orlando soll GEZ-Gebühren zahlen.

GEZ noch? Dieser Hund soll Gebühren zahlen

München - Dinge gibt's, die gibt's gar nicht: Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) hat einen Hund (!) angeschrieben, um Rundfunkgebühren einzutreiben. Lesen Sie die kuriose Geschichte.

Na schön, zugegeben: Manchmal schaut er schon ein wenig fern. Fußball zum Beispiel, weil ihn die Ballspiele schon von frühester Jugend an fasziniert haben. Auch Tier- und Natursendungen – insbesondere über Vögel – kann Orlando Henne etwas abgewinnen. Am Radio kommt man je eh‘ schlecht vorbei, weshalb Herr Henne durchaus auch als Radiohörer bezeichnet werden könnte.

Das meint auch die Kölner Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland – besser bekannt und gefürchtet unter dem Kürzel GEZ. Die schickte dem bei seiner Familie in Giesing lebenden Orlando Henne erstmals Anfang Februar und seitdem schon öfter Aufforderungen, sich nunmehr ordentlich anzumelden. Und zwar für alle Rundfunk- und Fernsehgeräte im eigenen Zimmer bzw. Auto, nicht zu vergessen DVD-Rekorder, PC mit Fernsehkarte, PDA, MDA, UMTS und W-LAN-Handy – kurzum für all das, was der Haushalt des modernen, jungen Mannes heutzutage so hergibt.

An diesem Herrn Henne wird sich die GEZ jedoch die Zähne ausbeißen. Der ist nämlich erst sechs Jahre alt – und ein reinrassiger Golden Retriever, also nachweislich ein Hund! Orlando kam bereits als Welpe zu Edeltraud und Jörg Henne. Die Verwaltungsangestellte und der Kassierer leben in Giesing. Sie haben Orlando groß gezogen und lieben ihn sehr: „Er ist der Mittelpunkt unserer Familie.“ Am 5. Februar bekam der heißgeliebte Mittelpunkt plötzlich Post: „Wir haben das für einen Witz gehalten und erst mal gar nichts unternommen.“ Mittlerweile dämmert es den beiden, dass es besser wäre, denn Irrtum rasch aufzuklären. Denn die GEZ ist erfahrungsgemäß hartnäckig.

Das Anschreiben der GEZ für Orlando.

Aber eine wichtige Frage steht noch immer unbeantwortet im Raum: „Woher bitte hat die GEZ den Namen unseres Hundes?“ Aufklärung naht – und zwar in Gestalt von GEZ-Sprecherin Nicole Hurst, die einen Verdacht hat: „Könnte es sein, dass ein Familienmitglied mal zum Spaß den Namen des Hundes bei einem Gewinnspiel oder Preisausschreiben als Kundenadresse oder bei einem Online-Dienst angegeben hat?“ Die GEZ nämlich gleicht ihre Teilnehmerkonten nicht nur mit den neuesten Datenbanken der Einwohner-Meldehörden ab. Sie mietet für den Datenabgleich auch noch Anschriften von großen Adressanbietern an. Das ist legal und in vielen Branchen üblich. Nur scheinen sich darin jede Menge Namen von Haustieren zu verbergen.

Nicole Hurst: „Meist sind es Hunde und Katzen. Damit wollen manche Teilnehmer ihre Gewinnchancen erhöhen.“ Oder Minderjährige beschummeln auf diese Weise Online-Dienste, um an begehrte Shareware heranzukommen. Weil dabei die Volljährigkeit abgefragt wird, sind Tiere wie Orlando Henne plötzlich im GEZ-fähigen Alter. Nicole Hurst: „Für Miezi, Mausi oder Fifi haben wir einen Filter. Doch gängige Namen wie Peter, Elli oder eben Orlando rutschen leider durch.“ Die Hennes sind sich keiner Schuld bewusst und dürfen aufatmen. Ihr kleiner „Schwarzseher“ wird unbürokratisch aus dem GEZ-Register gelöscht. Er wird sich natürlich weiterhin für Bälle interessieren und die Vögel ärgern. Ob im Park, im Fernsehen oder im Radio – das ist Orlando Henne quasi GEW: Ganz Einfach Wurscht.

Dorita Plange

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Stichwort GEZ:

GEZ Fast 40 Millionen Teilnehmerkonten werden bei der GEZ in Köln geführt. Der Gebühreneinzug ist ein Massenverfahren – bei dem es wie die GEZ ohne Umschweife einräumt – zu kuriosen Fehlern kommen kann. So bekam bereits die Dalmatinerhündin „Molly“ einen offiziellen Bescheid und ebenso die Heilige Walburga, die allerdings bereits anno 779 verstorben ist. Die GEZ schreibt alle Privatpersonen und Selbständige ab 18 Jahren sowie Unternehmen an, die noch kein GEZ-Konto haben oder nur Radios angegeben haben.

Die Statistiken belegen nämlich, das nahezu 100 Prozent aller Bundesbürger ein Radio und 95,5 Prozent einen Fernseher haben. Die GEZ beschäftigt selbst keine Mitabeiter, die von Haus zu Haus laufen und Schwarzseher jagen. In solchen Fällen handelt es sich laut GEZ stets um Mitarbeiter der öffentlichen Rundfunkanstalten – in Bayern also um Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks. Die muss man zwar nicht hereinlassen, ist ihnen gegenüber aber zu wahrheitsgemäßen Angaben verpflichtet.

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