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"Es ist das schönste Mannsbild, das ich kenne", sagt Kunsthistoriker Peter B. Steiner über die Bronzeskulptur.

An alten Platz im Zentrum

Historisch bedeutsames Kruzifix kehrt nach St. Michael zurück

München - Lange war es im Exil, am Karfreitag kehrt das Kruzifix aus dem späten 16.Jahrhundert nach St. Michael zurück - und zwar an den alten Platz im Zentrum der Kirche. Das Kunstwerk hat eine spannende Geschichte.  

Erst wird der linke Arm entblößt, dann der rechte. Schließlich, sanft zu Boden gleitend, gibt das Tuch den Blick auf das ganze Kruzifix frei. Es ist eine kleine Choreografie, die sich da abspielt. „Ecce lignum crucis“, „Seht das Holz des Kreuzes“ heißt es dazu in der Feier vom Leiden und Sterben Christi.

Der Karfreitagsgottesdienst in der Michaelskirche wird heuer eine Besonderheit bereithalten. Diesmal wird nämlich nicht irgendein Kreuz enthüllt, sondern das Kruzifix von Giovanni da Bologna. Giambolognas Christusfigur und die zu ihren Füßen knieende Maria von Magdala seines Schülers Hans Reichle sind erst seit Kurzem zurück in St. Michael. Zuvor gastierten die Bronzeplastiken aus dem späten 16. Jahrhundert im Bayerischen Nationalmuseum. Dass sie nun wieder die Renaissancekirche an der Neuhauser Straße zieren, wird Gläubige und Kunstkenner freuen.

Irritieren, aufregen und begeistern allerdings wird viele Menschen der Ort, an dem sie jetzt stehen. Wieder stehen, wenn man so will. Denn ihr alter Platz nach der Kirchenweihe 1597 lag nur wenige Meter davon entfernt. Maria von Magdala kniet nun wie hingegossen auf der ersten Stufe zum Chor, geradezu mittig vor dem Volksaltar. Vor ihr ragt das sieben Meter hohe Kreuz auf, ganz oben der Leib Christi.

Zurück am alten Platz aus dem 16. Jahrhundert

"Die Menschen gehen direkt auf Christus zu", freut sich Kirchenrektor Karl kern über die neue Position des Kruzifix von Giovanni da Bologna in St. Michael. 

Aufgrund dieser exponierten Position durchzieht der Längsbalken das Altarretabel, den „Engelssturz“ von Christoph Schwarz, nun wie eine filigrane Mittelachse. „Die Menschen gehen auf diese Weise direkt auf Christus zu“, freut sich Jesuiten-Pater Karl Kern, Kirchenrektor von St. Michael. „Es ist wie ein Dialog à la Don Camillo.“ Bis vor Kurzem standen Kruzifix und Magdalena noch rechts von der Vierung unter dem Ostfenster. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man die Kreuzigungsgruppe in diese Ecke verlegt, wo sie ein wenig beachtetes Dasein fristete. Nur wer sich näher mit dem theologischen Programm von St. Michael beschäftigte, schenkte ihr Beachtung, weil er wusste, dass Kunst und Architektur des Sakralbaus das Leben Christi – und im übertragenen Sinne auch das des Gläubigen – von der Geburt bis zur Auferstehung nachvollziehen. In diesem Ablauf markiert das Kruzifix den Tod, aber auch die Hoffnung auf dessen Überwindung, die sich im perfekten, von Wundmalen freien Leib der Giambologna-Skulptur spiegelt. „Es ist das schönste Mannsbild, das ich kenne“, lobt der Kunsthistoriker Peter B. Steiner die herrliche Bronze. Mit seinem Kollegen Reinhold Baumstark und Pater Kern hat er sich in den vergangenen Jahren für eine Rückkehr der Gruppe in die Mitte der Kirche stark gemacht. „Auch die Maria von Magdala ist schön. Sie verführt durch ihre Schönheit zum Aufblicken zu Christus.“

Bis 2019 dürfen Magdalena und Kruzifix vor dem Altar bleiben. Dann wird überlegt, wie es weitergehen soll. Pater Kern hofft auf einen ständigen Platz in der Mitte. Kritiker befürchteten zunächst, die neue alte Aufstellung könnte wie ein Lettner oder eine Chorschranke wirken, also die Kluft zwischen Laien und Geistlichen verstärken, was nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil abzulehnen sei. Wer sich wie ein Priester hinter den Volksaltar stellt und zur Gemeinde blickt, wird allerdings schnell merken wie zierlich die Gruppe ist. Der Kreuzbalken ist schlappe 13 Zentimeter breit.

Die Residenz-Löwen und die Maria der Mariensäule gehören dazu

Was viele Münchner nicht wissen: Die Kreuzigungsgruppe, die Muttergottes auf der Mariensäule und die Streichellöwen an der Residenz gehörten einst zusammen. Gemeinsam mit vier Leuchtern, vier Reliefs und dem Weihwasserbeckenengel von St. Michael, vier Standartenträgern, die heute in der Frauenkirche stehen, und weiteren Figuren sollten sie das gigantische Grabmal Wilhelms V. und seiner Frau Renata zieren. Wilhelm war der Bauherr von St. Michael. Dass sein Monumentalgrab niemals fertig wurde, erscheint uns heute fast als Glück. So können wir das Kruzifix nun ganz zierlich, fein und allein genießen.

Katrin Hildebrandt

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