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Wie viele Frauen hat dieser Sextäter überfallen? Die Polizei hofft, dass sich mögliche Opfer jetzt melden.

Er ging in der U-Bahn auf Frauen-Jagd

München - Zwei Tage nach der Festnahme eines Vergewaltigers hat die Polizei nun Details veröffentlicht. Der Mann, der nach zwei Übergriffen in der vergangenen Woche hinter Gittern sitzt, suchte sich seine Opfer gezielt in der U-Bahn - und zwar nicht zum ersten Mal.

Dass sie es mit einem gefährlichen Mann zu tun haben, war den Ermittlern schnell klar. Innerhalb von zwei Tagen verging er sich an zwei Frauen - „eine bemerkenswerte Frequenz“, sagte Kriminaldirektor Frank Hellwig. Nun ist klar: In der Vergangenheit überfiel der Sextäter mindestens zwei weitere Frauen. Damit hat er insgesamt vier Taten gestanden. „Ich glaube nicht, dass das das Ende der Fahnenstange ist“, sagte Hellwig. Er bittet mögliche weitere Opfer, sich zu melden.

Gegenüber den Beamten zeigte sich der Täter bisher gesprächig: „Es ist einfach über mich gekommen“, soll er gesagt haben. Und: „Ich bin in die U-Bahn gegangen, um eine Frau zu vergewaltigen.“ Was ist das für ein Mensch?

Sein Lebenslauf ist schnell erzählt: Der Mann ist ein 37-jähriger Deutscher, geschieden, türkischer Abstammung. Er wurde in Deutschland geboren - nicht in München, aber hier wohnt er seit längerem. Er war früher als Handwerker tätig, lebt nun von Hartz IV. Vor zwei Jahren war er wegen einer Depression in Behandlung. Er spricht gut Deutsch, unter Druck stottert er. In seiner Polizeiakte standen bisher nur kleine Delikte, die laut Frank Hellwig „überhaupt nichts mit Gewalt zu tun“ haben. Doch jetzt ist seine harmlose Fassade zerbröckelt.

Wie berichtet folgte der 37-Jährige am Mittwochmorgen einer Frau in den Aufzug eines Neuhauser Bürogebäudes. Auf der Fahrt in den fünften Stock begrapschte er sie so heftig, dass die Polizei die Tat als Vergewaltigung wertet. Die junge Frau hatte sich bereits in der U-Bahn-Station Maillingerstraße beobachtet gefühlt. Nur einen Tag später fand ihr Peiniger am Abend in der U 5 Richtung Neuperlach sein nächstes Opfer: eine 24-jährige Münchnerin. Sie trug, genau wie die Büroangestellte, einen kurzen Rock, hat blonde Haare. „Darauf hat er wohl geachtet“, sagte Hellwig. Der Sexualtäter folgte der 24-Jährigen, griff sie auf offener Straße an. Sie wehrte sich erfolgreich und biss dem Angreifer heftig in die Hand. „Diese Bisswunde hat unser Mann“, sagt der Kriminaldirektor.

Den Ausschlag für die Festnahme gaben Überwachungskameras an beiden Tatorten. Die Fotos des Täters waren im Intranet der Polizei zu sehen. Zwei Zivilbeamte erkannten ihn Freitagmittag am Marienplatz - auf dem Weg in die U-Bahn. Ob er auf der Suche nach seinem nächsten Opfer war, ist unklar. Die Beamten folgten ihm die Stufen beim Kaufhaus Ludwig Beck hinunter, beobachteten, wie er auf der Männertoilette verschwand und riefen Verstärkung. Als der Mann Minuten später herauskam, wurde er festgenommen. „Er hat spontan beide Taten eingeräumt“, sagte Hellwig. Und nicht nur das: Er erzählte den Beamten von zwei weiteren Taten.

„Die liegen allerdings schon 15 bis 17 Jahre zurück“, sagte Hellwig. In Milbertshofen, so erzählt der 37-Jährige es selbst, habe er einer Frau an den Po gefasst. Der zweite Fall ähnelt der Tat in Neuhausen: Im Olympiadorf sei er einer Frau in den Lift ihres Wohnhauses gefolgt. Dort wurde er zudringlich und ging ihr sogar bis zur Wohnung hinterher. Doch ihr Ehemann kam ihr entgegen - und der Täter flüchtete.

„Diese beiden Fälle haben wir bei uns noch nicht gefunden“, sagte Hellwig. Möglicherweise haben sich die Frauen nie gemeldet - oder die Fälle fielen der Verjährungsfrist zum Opfer. Die liegt bei sexueller Nötigung und Vergewaltigung zwischen drei und 20 Jahren. Doch auch, wenn diese Übergriffe möglicherweise nicht mehr verfolgt werden können: „Die Aussagen der Opfer wären wichtig für uns“, sagte Hellwig. Die Ermittler halten es zudem für wahrscheinlich, dass der Mann auch in der jüngeren Vergangenheit Frauen angegriffen hat. Sie überprüfen nun alle ungeklärten Sexualstraftaten.

akg

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