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Die neuen Brandschutz-Türen an S-Bahnhöfen schließen automatisch bei Feueralarm, lassen sich aber anschließend noch von Hand öffnen.

S-Bahn: Glaskästen sollen den Rauch aussperren

München - Bahnkunden müssen neuerdings an den Ausgängen vieler Münchner S-Bahnhöfen gläserne Kästen passieren. Warum die Bollwerke aus Glas im Notfall lebensrettend sein kann:

Glastüren sollen für besseren Brandschutz in Münchner S-Bahnhöfen sorgen. Seit einigen Tagen stehen sie am Rosenheimer Platz am unteren Ende der Rolltreppen. Sollte ein Feuer ausbrechen, schließen die Türen automatisch und halten dadurch die Fluchtwege „bis zum Boden rauchfrei“, wie ein Sprecher der Bahn erläutert.

Während des Normalbetriebs stehen die Türen offen. Nur wenn sich im Bahnsteig Qualm bildet und der Rauchmelder anschlägt, klappen sie zu. Die Technik verhindert jedoch nicht die Flucht im Notfall, betont der Bahnsprecher. Die Türen könnten von innen aufgedrückt werden.

Hintergrund der Maßnahmen seien aktuelle Gutachten zum Brandschutz, die die Bahn in Auftrag gegeben hatte. Auslöser für die Überprüfung sei unter anderem die Katastrophe am Düsseldorfer Flughafen vor 15 Jahren gewesen, bei der 17 Menschen verletzt wurden, viele erlitten eine Rauchvergiftung. „Durch Düsseldorf ist bei den zuständigen Stellen eine Sensibilität entstanden.“ Weitere Unglücke wie das Seilbahndrama in Kaprun und der Brand im Mont-Blanc-Tunnel hätten das Bewusstsein zusätzlich geschärft, „dafür, dass nicht das Feuer, sondern vor allem der Rauch ein großes Problem ist“. Rauchentwicklung, etwa durch brennende Zigaretten im Müll, sei häufiger als Feuer. Zu den Kosten für die Baumaßnahme wollte sich die Bahn nicht äußern.

Ewald Penzenstadler, leitender Branddirektor der Münchner Feuerwehr, vermutet, dass die vergleichsweise neue Struktur der Bahn als Privatunternehmen und die damit verbundenen „neuen Verantwortlichkeiten“ zu einer Überprüfung geführt hätten. Deren Resultat sei unter anderem die Trennung zwischen Bahnsteigen und Fluchtwegen gewesen.

Seit 2007 arbeitet die Bahn in München an der Brandschutzverbesserung. Damals wurden unter anderem die Zwischendecken in unterirdischen S-Bahnhöfen abgenommen, damit der Rauch nach oben wegziehen kann. Zudem wurden 2008 Rauchschürzen über den Rolltreppen befestigt, die den Qualm am Aufziehen über die Treppen hindern. Jetzt werden zusätzlich seitliche Wände an festen Treppen errichtet - jedoch nicht aus Glas, weil das laut Bahn „vandalismusanfällig“ ist. Außerdem werde eine Technik eingebaut, die die Rolltreppen stoppt, sobald Rauchmelder Alarm schlagen. So können beide Rolltreppen als Fluchtweg genutzt werden, egal in welche Richtung die Stufen laufen.

Die neuen Glastüren werden bis Ende 2013 an Isartor, Hauptbahnhof, Stachus und Marienplatz eingebaut. Leichte Umbauten gibt es am Flughafen und in Ismaning. Zudem arbeitet eine Kommission an einem neuen Brandschutzkonzept für die Decken.

lha

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