Außen hui, innen pfui: Das Gärtnerplatztheater ist dringend sanierungsbedürftig. foto: oliver bodmer

Gläserner Probensaal am Gärtnerplatz

München - Das marode Theater am Gärtnerplatz wird ab Mai 2012 komplett saniert. Wie soll die Spielstätte danach aussehen? Die spektakulärste Idee: Ein gläserner Probensaal auf dem Dach. Die Experten im Rathaus tagen morgen - und sind skeptisch.

Ein Gremium aus Architekten, Stadtpolitikern und Vertretern verschiedener Baubehörden trifft sich morgen Nachmittag im Rathaus. Auf der Tagesordnung der Stadtgestaltungskommission: Das Theater am Gärtnerplatz. Dass der klassizistische Bau in einem Jahr für 71 Millionen Euro generalsaniert werden soll, ist klar (wir berichteten). Nun geht es um die Details - die Kommission prüft die optische Gestaltung des Theaters. Die Knackpunkte: ein gläserner Probensaal und eine Photovoltaikanlage.

Architekt und Diplom-Ingenieur Gert Goergens ist Heimatpfleger der Stadt und hat ein Auge darauf, dass die Pläne dem denkmalgeschützten Gebäude gerecht werden. „Es gibt einige Neubauteile, die überprüft werden müssen“, sagt Goergens. Besonders das Dach sei „sehr eigenwillig“ geplant. Nach den aktuellen Plänen des Ateliers Achatz soll dort ein Probensaal mit einer Glasfassade entstehen. „Ob das für diesen Zweck das Richtige ist, muss man sehen“, sagt Goergens. Es müsse geklärt werden, ob ein solcher Saal die Nachbarn optisch oder akustisch beeinträchtige. Von einer „möglichen Blendungswirkung durch Reflexionen oder Beleuchtung“ ist in der Vorlage für die Sitzung die Rede.

Die Heimat- und Denkmalpflege sprach sich zudem gegen die vorgeschlagene Photovoltaikanlage auf dem Dach aus. „Solaranlagen gibt es auf denkmalgeschützten Gebäuden nur in Ausnahmefällen“, sagte Goergens. „Wir glauben nicht, dass das an dieser Stelle das richtige Zeichen wäre.“

Positiv bewertet das Gremium dagegen die geplanten Arbeiten an der Fassade und den Fenstern. „Diese Pläne sind aus unserer Sicht nicht zu beanstanden“, sagte Goergens. Teilweise werde zurückgebaut, was nicht historisch ist. „Das ist natürlich nicht nachteilig in Sachen Denkmalschutz.“

Der Großteil der Arbeiten wird jedoch von außen nicht zu sehen sein: Sanitäranlagen, Abwasserleitungen, Lüftungstechnik und die Elektronik des Hauses werden modernisiert, um Brandschutz-, Sicherheits- und Energiestandards gerecht zu werden. Alle Sitzplätze und Räume sollen künftig barrierefrei zugänglich sein. Dem Theater ein besonderes Anliegen: Die Integration einer Probenbühne ins Stammhaus. Ob dies in besagtem Glassaal oder möglicherweise auf einer zusätzlichen Kellerebene möglich ist, wird sich zeigen. Der Bauherr, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, ist nicht gezwungen, den Empfehlungen der Kommission zu folgen. Sinn der Absprache ist es jedoch, zu vermeiden, dass aus städtebaulicher Sicht etwas gegen die Arbeiten spricht.

Die Sanierung soll bis 2015 abgeschlossen sein. In dieser Zeit wird auch das zugehörige Gebäude an der Klenzestraße 35 abgerissen und neu aufgebaut. Die Anlieferung soll in die Reichenbachstraße verlagert werden. In den ersten zwei Jahren, bis August 2014, kann die Spielstätte nicht genutzt werden. Das Theater will dann auf andere Bühnen ausweichen, etwa das Prinzregententheater und später auch das Deutsche Theater.

Ann-Kathrin Gerke

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