70 Prozent allerHaushalte sollen dann versorgt sein

Turbo-Anschluss an die Zukunft

Glasfaser-Ausbau: Wer in München als nächstes dran ist

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München - Der Glasfaser-Ausbau geht weiter, und nun profitieren die Münchner, die außerhalb des Mittleren Rings wohnen. Bis 2020 wollen die Stadtwerke dort weitere 230.000 Wohnungen an die Turbo-Datenleitung anschließen.

Damit werden dann knapp 70 Prozent aller Hausanschlüsse einen zeitgemäßen Internetanschluss haben. Die Aufrüstung, so stellte Wirtschafts-Bürgermeister Josef Schmid am Freitag bei einer Pressekonferenz klar, „tut Not“. Bis 2014 hatten die Stadtwerke 250 Millionen Euro investiert, um rund 340 000 Haushalte und 60 000 Gewerbebetriebe innerhalb des Mittleren Rings an das Glasfasernetz anzuschließen. Seitdem, so Schmid, „erreichen mich immer wieder Zuschriften von Unternehmern und Selbständigen außerhalb der Erschließungsgebiete“. Auch sie bräuchten dringend den schnellen Glasfaseranschluss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. München drohe in dieser wichtigen Infrastrukturfrage hinter andere Städte und Länder zurückzufallen.

Das soll sich nun mit dem zweiten Ausbauschritt ändern. Neben den Bewohnern der 27 neuen Erschließungsgebiete (siehe Grafik) erhalten rund 21 000 weitere Betriebe einen Highspeed-Anschluss. Damit, so Schmid, „wird der Druck auf die bereits gut versorgten Kerngebiete in der Stadt gemindert und die Abwanderung von Gewerbebetrieben in Umlandgemeinden verhindert.“ Insgesamt sollen mit Abschluss der zweiten Ausbaustufe 70 Prozent aller Münchner Haushalte einen Highspeed-Anschluss haben.

Die Stadtwerke investieren dreistelligen Millionenbetrag

Erneut investieren die Stadtwerke nach den Worten von Geschäftsführer Florian Bieberbach „einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“, um Glasfaser in jedes Haus zu legen. Das sei zum einen im eigenen Interesse: Intelligente Stromzähler und neue Tarifmodelle, die mit dem zunehmenden Anteil von Solar- und Windkraft denkbar werden, brauchen schnelle und stabile Datenverbindungen. Freie Kapazitäten der Glasfaser wollen die Stadtwerke wie gehabt an ihre Tochter vermieten, den Netzbetreiber M-net. Und diese Kapazitäten sind enorm: M-net Chef Jens Prautzsch verspricht für einen Großteil der neuen Anschlüsse Bandbreiten von 300 Megabit, für Nutzer in Mehrfamilienhäusern „in einem ersten Schritt 250 Megabit“. Ganze Spielfilme lassen sich damit selbst in HD-Auflösung binnen weniger Minuten aus Online-Videotheken herunterladen. Gleichzeitig online fernsehen, telefonieren und im Internet surfen ist kein Problem. Zum Vergleich: Noch vor weniger als zehn Jahren galten 16 Megabit als ultraschnell.

Der Datenverkehr verdoppelt sich alle neun Monate

Prautzsch ist klar, dass sich die Stadtwerke hier auf ein Hase- und Igel-Rennen einlassen: Unternehmen wie Architekturbüros befördern immense Datenmengen rund um den Globus, Datensicherung wird immer häufiger auf externe Server ausgelagert, und die Unterhaltungsindustrie entwickelt permanent neue Angebote, die die verfügbare Bandbreite, also die Datenmenge, die das Kabelnetz pro Sekunde transportieren kann, im Nu wieder auffressen. Nicht zuletzt wegen Video-Streamingdiensten wie Youtube und Netflix sowie durch digitales Fernsehen mit immer höheren Auflösungen verdopple sich der Datenverkehr derzeit alle neun Monate, so der M-net-Chef – „und ein Ende ist nicht absehbar“.

Dennoch, so Schmid, gebe es keine Alternative zum Ausbau der Netze. Der schnelle Zugang zum Internet sei ein zunehmend wichtiger Standortfaktor.

Bieberbach sieht die Stadtwerke technisch für die Zukunft gerüstet. Die Technik sei noch ausbaufähig, und man könne sie bei Bedarf leicht auswechseln: Die Stadtwerke verlegen bleistiftdicke Kunststoff-Leerrohre in die Häuser. In diese Röhrchen werden die Glasfaserkabel eingeblasen. Ist ein Kabel defekt oder steht eines Tages eine leistungsfähigere Technik zur Verfügung, lässt es sich leicht auswechseln.

Hausanschlüsse bleiben kostenlos

Die Hausanschlüsse werden wie bisher kostenlos bleiben. Das sei sinnvoll, weil es eine Anschlussquote von mehr als 90 Prozent sichere, so Florian Bieberbach. Die Verlegung selbst werde in den einzelnen Abschnitten jeweils nur wenige Tage dauern, verspricht Bieberbach. „Im Idealfall geht es in drei Tagen: Am ersten Tag wird der Gehweg aufgegraben, am zweiten Tag wird das Kabel verlegt, am dritten wird wieder zugemacht.“ In der Innenstadt habe es so gut wie keine Klagen gegeben, „obwohl wir praktisch jeden Gehweg aufgegraben haben“.

Beginnen wollen die Stadtwerke noch im laufenden Jahr mit den Gebieten Hasenbergl und Harthof. Die anderen Gebiete sollen laut Bieberbach sukzessive folgen. Das Innovations- und Gründerzentrum, das 2019 im Kreativquartier an der Dachauer Straße eröffnen soll, werde von Anfang an einen Highspeed-Anschluss haben, versichert der SWM-Chef.

Planungen für eine dritte Ausbaustufe würden nicht vor 2018 beginnen, so Bieberbach. Die Technik entwickle sich so rasant, dass man sich nicht zu früh festlegen wolle.

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