Süßer die Glocken nie klingen: Glockenbauer Roland Maurer (l.) hat ein erstes Modell des Carillons gezimmert, von dem der Mariahilf-Pfarrer Markus Gottswinter und Mesner Richard Schmidt seit Monaten träumen. Foto: Klaus Haag

Das Glockenspiel für Mariahilf kommt wohl früher als erwartet

München - Schon Zwanzig Glocken für das Carillon am Mariahilfplatz sind bezahlt - 60 sollen insgesamt werden. Die Menschen in der Au sind begeistert von Glockenspiel im Kirchturm - und spenden fleißig.

Die Menschen in der Au erfüllen die Träume ihres glockenverrückten Pfarrers schneller als er gehofft hatte. Markus Gottswinter bezeichnet sich selbst „glockenverrückt“. Der Pfarrer von Mariahilf wünscht sich ein Carillon für seinen Kirchturm. Mit 60 Glocken soll das Instrument seine Melodien an Markttagen über den Mariahilfplatz schicken. „Dreimal im Jahr steppt hier das Bärchen. Sonst weht der Staub über den Platz“, sagt Gottswinter.

Schon wenn zum nächsten Mal das Bärchen steppt – zur Frühjahrsdult Ende April – wird ein Teil des Glockentraums bronzene Wirklichkeit. Am 29. April lässt die Pfarrei eine der ersten Glocken gießen: Auf der Auer Dult, vor der Fischer-Vroni, soll die glühende Bronze in die kegelartige Form fließen. Während das Metall aushärtet, sollen die Dult-Besucher eine bereits fertige Glocke bewundern: Vor den Augen der Gäste wollen die Gießer sie aus der Form schälen – nach dem Hobbythek-Spruch „Ich hab’ da schon mal was vorbereitet“.

Möglich gemacht haben es die Menschen der Au – ob alteingesessene Mitglieder der Pfarrei, ob Vereine oder Firmen. „Die Leute, die von dem Projekt erfahren, sind von der Idee immer recht angetan“, erzählt Pfarrer Gottswinter. Und das ist untertrieben: 20 Glocken wurden schon gestiftet – auf diese Weise wollen Gottswinter und Mesner Richard Schmidt das Geld für Bayerns größtes Carillon aufbringen.

Ein Italiener, der nahe der Kirche wohnt, überwies spontan 1700 Euro. Adolf Braun stiftete eine Glocke zu Ehren seiner Eltern. Er lebt heute in den USA, doch als er bei einem Besuch in München von dem Projekt erfuhr, rief er an – und brachte 900 Euro in bar vorbei. Die Namen seiner Eltern zieren auf Jahrhunderte eine der sechzig Glocken. Als Mesner Schmidt im Fitness-Studio die Idee verkündete, schmissen die Trainings-Kollegen Fünfer und Zehner in eine Dose – insgesamt 700 Euro. Eine Glocke hört also bald auf den Namen „Superfit 2000“.

Glockenbauer Roland Maurer gerät ins Schwärmen. „Die Leute wollen sich verewigen – und nirgends geht das besser als auf einer Glocke.“ Einer Glocke, die vielleicht ein halbes Jahrtausend und länger im Turm von Mariahilf hängt. Der Name jedes Stifters kommt auf eine Tafel am Fuß des Turmes – ob man einen kleinen Teil oder eine ganze Glocke stiftet. Die Größte hat der Pfarrer für die Paulaner-Brauerei reserviert. 35 000 Euro kostet das Ungetüm, das vielleicht schon zur Frühjahrsdult 2011 mit einem vollen „c“ über den Platz schallt.

Kolja Kröger

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