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"Grenzkontrolle - Ihre Ausweise bitte"

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München/Wien - Passkontrollen bei der Einreise nach Österreich gehören seit mehr als zehn Jahren der Vergangenheit an. Zur Fußball-Europameisterschaft macht unser Nachbarland in gut einer Woche die Grenzen aber wieder dicht. Wer über Schleichwege einreisen will, macht sich strafbar.

Seit 1. Dezember 1997 sind die Grenzposten unserer Nachbarn nicht mehr besetzt. Doch zur EM, die Österreich gemeinsam mit der Schweiz vom 7. bis zum 29. Juni ausrichtet, gelten die alten Bestimmungen an den Grenzen wieder. Das österreichische Innenministerium schickt dafür die Beamten, die eigentlich für die Schleierfahndung hinter der Grenze zuständig sind, wieder an ihre alten Posten.

Schon ab dem 2. Juni, knapp eine Woche vor dem Eröffnungsspiel in Basel, müssen Einreisende mit Kontrollen rechnen. Doch wie streng sind die Grenzer? "Zunächst werden Sichtkontrollen durchgeführt", sagt Konrad Kogler, Sprecher des Ministeriums. "Dann entscheiden die Beamten, wen sie sich genauer ansehen." Im Visier der Polizei: gewaltbereite Fußballfans. "Wir versuchen, Rowdies und Hooligans gar nicht erst bis zur Grenze kommen zu lassen", erklärt Karl Michael Scheufele, Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Wie schon bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland werden polizeibekannte Fans im Vorfeld überwacht und noch vor dem Grenzübertritt aus dem Verkehr gezogen.

Wer an der Grenze kontrolliert wird, muss seinen Personalausweis oder Reisepass vorzeigen. Die Ausweispflicht gilt auch für Kinder: "Entweder sind sie bei den Eltern mit eingetragen oder sie haben ein eigenes Reisedokument dabei", erklärt Kogler. Es werde nicht an jedem Tag jeder Grenzübergang kontrolliert: "Das hängt von den Spielen ab." Wenn etwa Deutschland gegen Polen spielt, würde verstärkt die Grenze zu Bayern kontrolliert. Bei der Begegnung Österreich-Kroatien konzentrierten sich die Kontrollen auf die Grenzen im Süden und Osten der Alpenrepublik. An "Spitzentagen", so Kogler, kann es durchaus zu Staus kommen.

Davon sind natürlich nicht nur Fußballfans betroffen. Kogler gibt Touristen, die in Österreich "nur" Urlaub machen wollen, den Tipp, bei der Vorbereitung einen Blick auf den Spielplan zu werfen. "Wir werden die Kontrollen über Verkehrsfunk und Medien ankündigen", sagt er. Auch Pendler, die jeden Tag von ihrem Heimatort auf der bayerischen Seite an ihren Arbeitsplatz nach Österreich fahren, müssen mit längeren Wartezeiten rechnen. Doch Kogler erklärt: "Spätestens nach dem dritten Tag kennen die Kollegen die Autos - und winken sie durch."

Die Grenze via Feldweg oder über eine Wiese zu überqueren, um sich mögliche Unannehmlichkeiten zu ersparen, ist laut Kogler keine empfehlenswerte Alternative: Denn vom 2. Juni, 0 Uhr, bis zum 1. Juli, 24 Uhr, dürfen die Grenzen "nur an den Grenzübergangsstellen überschritten werden", teilt das Österreichische Generalkonsulat mit. Wer sich einen Schleichweg bahnen will, macht sich illegaler Einreise schuldig. "Wenn sich ein Schwammerlsucher verirrt, ist das sicher kein Problem", sagt Kogler.

Doch die österreichische Polizei wird entlang der Grenze genau kontrollieren. Ertappt sie einen Fußballfan bei der illegalen Einreise, muss der damit rechnen, dass seine Identität bei den Behörden im Heimatland überprüft wird. Das kann unter Umständen dauern. "Grundsätzlich wollen wir aber keinen Fan daran hindern, pünktlich zum Spiel im Stadion zu sein." Wer im Grenzgebiet wohnt, und etwa zum Einkaufen nach Österreich fahren möchte, sollte ebenfalls die offiziellen Posten benützen. Dass die Anwohner dadurch verärgert werden, glaubt Kogler nicht. "Die wissen ja, was auf sie zukommt."

Die Grenzposten im Freistaat bleiben indes unbesetzt. Allerdings wird, so Ministeriumssprecher Scheufele, die Schleierfahndung verstärkt. Zudem unterstützen 500 bayerische Polizisten die österreichischen Kollegen an den jeweiligen Austragungsorten. Scheufele: "Unsere Polizei hat dort volle Hoheitsbefugnisse."

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