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Herbert Grönemeyer am Dienstagabend bei seinem Auftritt im Münchner Olympiastadion.

Grönemeyer-Kritik: Alte Kracher und starke Balladen

München - Knapp 50.000 Zuschauer sind am Dienstagabend ins Olympiastadion in München gekommen , um Herbert Grönemeyer zu sehen. Die Konzertkritik: 

Es gibt Leute, die behaupten, den Grönemeyer erst verstanden zu haben, als sie auf einem Konzert von ihm waren. Nicht, weil sie auf einmal deuten konnten, was aus dem Mund des kleinen Mannes da vorne herausquoll, sondern weil Herbie-Fans grundsätzlich mitsingen – und man die wenigstens versteht. Herbert Grönemeyer weiß, dass man ihn gerne belächelt, weil er die Vokale zerquetscht. Er hat darauf nun reagiert – mit Selbstironie, so, wie es sich für einen großen Künstler wie ihn gehört. „HRBRT“ hat er sich auf ein Plakat im mit gut 50.000 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Olympiastadion schreiben lassen. Versuchen Sie mal, das auszusprechen!

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Überhaupt zeigt Herbie sich gut gelaunt und gelassen an einem Abend, der nach einem Schauer am Nachmittag noch komplett ins Wasser zu fallen drohte. Es bleibt bis kurz vor dem Finale auch warm und trocken. Dann aber, als es nach über zweieinhalb Stunden Konzert blitzt und donnert, bleiben nur die Hartgesottenen, um mit Grönemeyer den "Mambo" zu tanzen.

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Der 55 Jahre alte Sänger röhrt um kurz vor 20.30 Uhr mit „Schiffsverkehr“ los. Ein Lied, das, na klar, kein Mensch versteht (auch dann nicht, wenn man beim Text genau hinhört), aber sei’s drum. Die La Ola schwappt bereits vor Konzertbeginn durch's Stadion. Als Grönemeyer, erstaunlich früh, seine Heimat-Hymne „Bochum“ anstimmt, gehen die Massen erst recht steil. Boote flimmern im Hintergrund über die Bildschirme, sie ergeben in ihrem Zusammenspiel eine Art Segelschiff. Grönemeyer pendelt auf der überraschend kleinen Bühne mit ihren beleuchteten Stegen wie gewohnt zwischen albernen Texten und bombastischen Melodien. Er erfüllt seine Pflicht, indem er alte Kracher („Männer“, "Alkohol") mit starken Balladen („Der Weg“ - und, vor allem, "Demo (Letzter Tag)") und vielversprechenden neuen Stücken mischt ("Kreuz meinen Weg", „Fernweh“). Letzteres übrigens das schönste Beispiel überhaupt für den Grönemeyer’schen Sprechgesang. Wie er die „e“s im Refrain zieht und verfremdet – einfach köstlich.

Doch Herbert Grönemeyer kann auch Kür. Drei Zugaben und knapp 30 Lieder gewährt er seinen Fans. Das bezaubernde "Mensch" spielt er, als es so langsam dunkel wird, er lässt das Publikum mitsummen und mitschaukeln. Die Bühne ist nun ganz in Gelb getaucht, das Lied scheint längst vorbei zu sein, aber nicht für Grönemeyer, er setzt noch einmal an - und macht irgendwas, das wie Raggae klingen soll. Das Schöne an diesem Herbert Grönemeyer ist ja, dass er sich selbst nicht immer ernst nimmt, etwa dann, wenn er sich bei "Flugzeuge im Bauch" - zum wiederholten Male - an einer Wortneuschöpfung versucht: "SchattnmBlck". Man könnte das an der einen oder anderen Stelle auch Slapstick nennen, doch so ist er eben, und so soll er bleiben, unser Käpt'n "HRBRT". .

Von Thierry Backes

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