So groß sind die Funklöcher im Untergrund

München - Wie gut funktioniert das Mobilfunk-Netz in der Münchner U-Bahn? Im Sommer 2011 verkündete die MVG: „Handy-Empfang jetzt überall!“ Doch stimmt das? Und gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Netzen? Eine Suche mit Empfangsstörungen.

Es ist ein Kreuz mit den Kurven. Und erst der Wechsel zwischen zwei Geschossen – ein Albtraum für Mobilfunk-Techniker. Ein lückenloses Funknetz im Untergrund aufzuspannen, ist eine Wissenschaft für sich. Im Sommer 2011 verkündeten die Verkehrsbetriebe, der Ausbau der Netzbetreiber sei abgeschlossen. Alle 92 unterirdischen Bahnhöfe und knapp 80 Kilometer Tunnelstrecke seien versorgt. Doch wer in der U-Bahn dem Chef via Handy beichten will, dass man sich mal wieder verspätet, dem bricht in nerviger Regelmäßigkeit das Netz weg. Meist funktioniert der Empfang in den Stationen prächtig, doch bei der Fahrt durch die Röhren hapert‘s.

Die Planung einer U-Bahn-Anlage sei ein komplexes Vorhaben, sagt Jörg Borm von E-Plus. Jeder Tunnel verhalte sich anders. „So haben wir – trotz aller Simulationen am Rechner – nach dem Einschalten feststellen können, an welchen Stellen noch nachjustiert werden muss.“ Der Abschnitt Josephsburg bis Innsbrucker Ring auf der U2 sei so ein Beispiel, wo es immer wieder zu toten Verbindungen komme.

Auch bei der MVG sind Beschwerden über die Netzqualität eingelaufen. Nachbesserungen seien aber allein Sache der Betreiber. „Dass es noch Optimierungsbedarf gibt, ist ja nicht neu“, heißt es. Telekom-Sprecher Udo Harbers bestätigt: „Wir haben von Kunden die Rückmeldung, dass das Netz nicht optimal ist.“

Das Problem ist also bekannt. Und angeblich wird auch daran gearbeitet. Bereits seit dem Abschluss des Ausbaus werkeln die Techniker an der „Optimierung“, berichtet eine Sprecherin von Vodafone. Bis Ende 2012 will man damit fertig sein.

Vodafone ist bei dem Netzausbau federführend, arbeitet aber eng mit den anderen Anbietern zusammen. Alle nutzen die gleiche technische Infrastruktur, die gleichen Antennen, Kabel und Signalverstärker. In einem kleinen Betriebsraum im Hauptbahnhof laufen die Signale zusammen, werden von dort aus verteilt.

Ob es trotz gleicher Infrastruktur Unterschiede zwischen den Netzen gibt, ist umstritten. Nutzer von Internet-Foren behaupten es jedenfalls. Mit anderen Netzen sei das Telefonieren durchaus möglich, schreibt „Heinrich“ im O2-Forum. „Nur das Netz von O2 bricht permanent zwischen den Haltestellen weg.“ „Diese Aussage können wir nicht bestätigen“, heißt es von offizieller Seite. O2-Sprecher Markus Oliver Göbel: „Die Leistung der Mobilfunker ist generell dieselbe.“ Er fügt aber an: „Um den überproportionalen Kundenzuwachs bei O2 zu stemmen, finden derzeit zusätzlich noch Kapazitätsaufrüstungen statt, die bis Ende April umgesetzt sind.“

Bei Vodafone deutet man an, dass genau hier ein Teil des Problems liegen könnte. Die Betreiber senden auf unterschiedlich vielen Kanälen. Ist zu wenig Kapazität vorhanden, verschwindet das Netz – ein Problem, das jahrelang während der Wiesn auftrat.

Im Gegensatz zu O2 bestätigt E-Plus, dass es durchaus Unterschiede bei der Signalstärke gibt. Der Effekt sei bekannt, sagt Jörg Borm. Er sei „zum einen begründet in den unterschiedlichen Frequenzen, die wir als Anbieter nutzen und zum anderen an den Einstellungen im Mobilfunknetz“. Laut Vodafone könnte zudem das „Feintuning der Anlagen“ an den Unterschieden Schuld sein.

Eine einfache Antwort liefert keiner der vier Betreiber. Einen Test, welches Netz am besten im Untergrund funktioniert, gibt es nicht. Weil die Techniker dauernd an Verbesserungen arbeiten, macht eine Untersuchung derzeit auch wenig Sinn. Ab Januar 2013 sieht das anders aus. Dann, heißt es bei Vodafone, soll das Tunnel-Netz in der Innenstadt komplett störungsfrei sein.

Thomas Schmidt

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