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Grossbrand verhindert: Isabel, die kleine Heldin

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Bernbeuren - Sie ist erst zehn Jahre alt und hat schon eine Katastrophe verhindert: Hätte Isabel Kögel aus Bernbeuren (Kreis Weilheim-Schongau) nicht so gut aufgepasst, dann wäre das Holzhaus ihres Nachbarn abgebrannt.

Wie in jedem Jahr hatte Hubert Strobel an Silvester um Mitternacht auf der Straße ein Glas Sekt mit seinen Nachbarn getrunken und das Feuerwerk betrachtet. Die Kögels luden ihn noch auf ein weiteres Gläschen zu sich nach Hause ein. "Ich wollte allerdings nicht lange bleiben", erzählt Strobel. "Deswegen habe ich bei mir nicht einmal das Licht ausgemacht."

Aber nicht nur das Licht blieb an, sondern auch der Adventskranz, bei dem die Kerzen eine Woche nach Heiligabend gefährlich weit heruntergebrannt waren. Ein unkalkulierbares Risiko: Der Kranz stand auf einem Holztisch, inmitten des holzgetäfelten Wohnzimmers. Es dauerte keine fünf Minuten und das Gesteck fing Feuer.

Während die Erwachsenen im Nachbarhaus tranken und lachten, wurde es Isabel langweilig. Sie ging zum Fenster und schaute hinüber zum rund 100 Meter entfernten Haus ihres Nachbarn. Was sie dort sah, verwunderte sie: "Hubert, bei Dir brennt ja der Kamin", sagte Isabel. "Da flackert es doch." Ihr Nachbar dachte an einen Scherz und wiegelte lachend ab: "Nein, der Kamin brennt sicher nicht." Aber die Zehnjährige ließ sich nicht beirren. "Bei Dir drüben sieht man aber ein Feuer."

Da wurde der 60-Jährige misstrauisch. Er und die anderen Erwachsenen schauten nun genauer hin: "Aber zuerst erkannte keiner von uns etwas", sagt Strobel. Bis ihm nach einigen Sekunden ebenfalls ein Flackern auffiel. In dem Moment schoss es ihm durch den Kopf: "Der Adventskranz!"

Mehr fallend als laufend stürzte er die Treppe hinunter, rannte rüber zu seinem Holzhaus und riss die Eingangstüre auf. Dicker, grauer Rauch hatte sich schon im Wohnzimmer ausgebreitet. "Durch die Schwaden hat man gesehen, wie das Feuer schon bis unter der Decke stand." Hustend packte Strobel eine Jacke vom Kleiderhaken, warf sie über die Flammen, packte den Adventskranz und schmiss ihn nach draußen in den Schnee. Mittlerweile waren auch die Nachbarn da. Sie löschten Jacke und Kranz mit haufenweise Schnee.

Für Strobel gibt es keinen Zweifel: "Nur eine Minute später, und kein Mensch hätte wegen des Rauchs mehr in das Zimmer gehen können." Wie durch ein Wunder wurde fast nichts beschädigt. Lediglich ein fingerdickes Brandloch in der Tischdecke und ein von der Hitze verkrümmter Weihnachtsstern zeugen noch vom Feuer. Hubert Strobel kann sein Glück kaum fassen: "Mein gesamtes Haus besteht aus knochentrockenem Holz. Das hätte explosionsartig gebrannt."

Keine Frage, dass er Isabel für ihre Heldentat mit einem dicken Geldschein belohnt hat. Aber das Mädchen sagt: "Hauptsache niemandem ist etwas passiert." Ihre Mama Susanne meint voller Stolz: "Das neue Jahr war noch keine Stunde alt, und Isabel hat es schon gerettet."

Für Hubert Strobel ist Isabel ab sofort nur noch "meine Silvester-Heldin".

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