Wieder eine Zahlungsaufforderung? Viele Rentner können sich die Rundfunkgebühr von 17,98 Euro pro Monat nicht leisten.

Spendenaktion

Die große Angst vor der GEZ

Der Rundfunkbeitrag sorgt für viel Ärger. Sehr hart trifft er arme Senioren. Wäre nicht die Patenschaftsaktion unserer Zeitung – all diese Menschen wüssten nicht, wie sie das Geld aufbringen sollen.

Update vom 1. April 2015: Erstmals seit seiner Einführung sinkt der Rundfunkbeitrag! Aber was gilt es jetzt bei der Zahlung der GEZ zu beachten? Diese und andere Fragen beantworten wir in unserem Artikel zur neuen GEZ: "Was Beitragszahler jetzt wissen müssen".

Manchmal hat Magdalena Remmer*, 73, Angst. Große Angst sogar. Was, wenn sie die monatliche Rundfunkgebühr nicht berappen kann? Wenn sie ihren kleinen Fernseher nicht länger einschalten darf? Wenn sie dann nichts mehr von der Welt da draußen mitbekommt? Magdalena Remmer weiß nicht, wie das wäre. Und sie will auch nicht darüber nachdenken. Sie will nicht, dass dieses scheußliche Gefühl wieder hochkommt – dass sie sich noch mehr allein fühlt als ohnehin schon.

Vor kurzem erst lief im Bayerischen Fernsehen der „Monaco Franze“. Helmut Fischer in seiner Paraderolle. Magdalena Remmer liebt den ewigen Stenz. Und wenn er über die Mattscheibe flimmert, „da bin ich in einer anderen Welt“, erzählt sie. Ein wunderbares Gefühl. Für 17,98 Euro pro Monat gibt es diese andere Welt. „Dieser Betrag mag ja für viele kein Problem sein – für mich ist es aber sehr viel Geld“, sagt die ehemalige Näherin vom Tegernsee. Mit 830 Euro liegt ihre Rente nur knapp über der staatlichen Grundsicherung. Remmer muss daher alles selbst zahlen – auch die Rundfunkgebühren. Und das Geld reicht – natürlich – nie.

Seit einigen Monaten bekommt die Rentnerin 35 Euro aus der Patenschaftsaktion, die unsere Zeitung ins Leben gerufen hat (siehe Kasten). Davon kann sie endlich auch den Rundfunkbeitrag entrichten. Und wenigstens für ein paar Augenblicke glücklich sein.

Die Gebühr sorgt immer wieder für Ärger, auch wenn sie jetzt Beitrag heißt und die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in „Beitragsservice“ umgetauft wurde. Und ältere Menschen, die mittellos sind, trifft sie besonders hart. „Diese Gebührenreform ist wenig durchdacht“, sagt auch Lydia Staltner, Vorsitzende des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe. „Wir haben Dutzende Menschen, deren Renten knapp über dem Grundsicherungssatz liegen – und die diesen Beitrag trotzdem zahlen müssen.“ Ganz gleich, ob sie sich ein Radio oder ein Fernsehgerät leisten können oder nicht. Und das ist eigentlich eine noch viel größere Absurdität.

Petra Winziger, 81, die im Süden von München lebt, bekommt das deutlich zu spüren. Sie besitzt gar keinen Fernseher, muss aber dennoch Monat um Monat 17,98 Euro an die öffentlich-rechtlichen Sender abführen. Sie hat – wie Magdalena Remmer – eine kleine Rente und liegt auch knapp über dem staatlichen Grundsicherungssatz. Sie muss also alles selbst zahlen.

„Zuletzt ging meine Waschmaschine kaputt“, erzählt sie. „Wie ich das berappen soll, interessiert diese Leute in den Rundfunkanstalten ja nicht!“ Am Ende sprang der Verein Lichtblick Seniorenhilfe ein – er übernahm die Kosten für die Waschmaschine. Und für die Rundfunkgebühr.

Felix Barth

*Name geändert

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