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Die große Verdi-­Kundgebung gestern Mittag auf dem ­Marienplatz.

Die einen streiken - die anderen leiden

Der große Streik-Report aus der Stadt: Das war los in München

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Während die einen am Dienstag für mehr Gehalt auf die Straße gingen, bekamen die anderen die Auswirkungen des Warnstreiks zu spüren, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte.

München - Ihnen reicht’s! Während die einen am Dienstag für mehr Gehalt auf die Straße gingen, bekamen die anderen die Auswirkungen des Warnstreiks zu spüren, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Allein am Flughafen strandeten zig Passagiere – weil die Lufthansa über 200 München-Flüge strich und Sicherheitspersonal seine Arbeit niederlegte. Auch am Hauptbahnhof war der Ärger groß. Zwar kam es weder bei der Bahn noch bei der MVG zu Einschränkungen. Allerdings waren die Züge heillos überfüllt, weil Passagiere der annullierten Flüge auf die Bahn auswichen. 

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Folge: genervte Fahrgäste und endlose Warteschlangen vor dem Info-Zentrum in der Bahnhofshalle. Derweil machten draußen die Demonstranten ihrem Ärger Luft: Mit Trillerpfeifen, Rasseln und Trompeten hatten sich mehr als 7500 Beschäftigte in der Schwanthalerstraße versammelt, um gemeinsam Richtung Marienplatz zu marschieren. Dazu kamen noch rund 500 Streikende am Flughafen. „Ich bin sehr stolz auf euch“, sagte der Münchner Gewerkschafts-Chef Heinrich Birner, „das ist der längste Demonstrationszug, den es in der Geschichte von Verdi jemals gegeben hat.“ Zum Streik aufgerufen waren unter anderem Mitarbeiter aus den Bereichen Reinigung und Pflege. „Ihr seid mehr als bloße Kostenblöcke“, schrie Birner in sein Mikro, „ihr seid unser wertvollstes Gut!“ Damit das auch so bleibt, fordert die Gewerkschaft sechs Prozent mehr Lohn. Wir haben mit Streikenden und mit den Leidtragenden gesprochen. 

Das war am Dienstag auf dem Marienplatz los.

Sie streiken...

Wir sind keine Maschinen

Wir sind keine Maschinen, sondern Dienstleister mit einer begrenzten Leistungsfähigkeit. Wir haben das Gefühl, dass gerade die Jüngeren, die Auszubildenden, von den Arbeitgebern ausgebeutet werden. Manchmal fühlen wir uns wie am Fließband. So viel, wie von uns verlangt wird, kann kein Mensch leisten. Schon gar nicht in der Ausbildung.

Anna-Lena Günther (21, l.) und Melanie Lippmann (21), Krankenpflegerinnen aus München

Bitte Schluss mit dem Populismus

Ich wünsche mir, dass die Arbeitnehmer endlich alle so viel Geld bekommen, dass sie sich eine ordentliche Wohnung leisten können. Meine Trump-Maske soll den Populismus verkörpern, der auch bei uns immer weiter um sich greift. Es kann nicht sein, dass wir jeden Tag hart arbeiten, aber nicht anständig ­dafür bezahlt werden.

Karl Schuh­bauer (55), ­Angestellter bei der Stadtent­wässerung

Die Stadt ist so teuer

Die stetig steigenden Mieten und die horrend ­hohen Fahrkartenpreise haben uns heute auf die Straße gezwungen. München ist teuer – so teuer, dass sich hier bald niemand mehr eine Wohnung leisten kann. Damit das nicht passiert, sind wir heute hergekommen. Wir setzen uns ein für mehr Gehalt und soziale Gerechtigkeit.

Robert S. (22, v. l.), Bayram A. (50) und Robert W. (51), Handwerker aus München

Mindestens 200 Euro mehr

Es kann nicht sein, dass einem Teil der Beschäftigten nur 26 ­Tage Urlaub zustehen. Wieso gibt es da keine allgemeingültige Regelung? Ich persönlich wünsche mir mehr Geld – mindestens 200 Euro mehr im Monat. Ich bin heute als dicke Prinzessin verkleidet hergekommen. Mein Motto lautet „Tarif Deluxe“, weil weniger einfach Wahnsinn ist! Benjamin Marreiros (20), 

...und sie leiden

Benedikt-Bruder kommt erst später nach Rom

Um Himmels Willen! Eines der prominentesten Opfer des Warnstreiks ist der einstige Domkapellmeister von Regensburg, Georg Ratzinger (hinten), der Bruder des ehemaligen Papstes ­Benedikt. Wie seine Haushälterin dem Bayerischen Rundfunk sagte, wollte der 94-Jährige ursprünglich gestern nach Rom zu seinem Bruder Joseph fliegen – der feiert am nächsten Montag 91. Geburtstag. Wegen des Streiks verlegte ­Ratzinger die Reise auf heute. 

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Sieben Stunden länger unterwegs

Meine Frau und ich haben erst in der Früh erfahren, dass unser Heimflug nach Denver ausfällt. Das ist frustrierend. Es hat gedauert, bis wir erfahren haben, welche anderen Möglichkeiten es gibt. Wir können mittags aber wahrscheinlich in einen Flieger nach Los Angeles steigen. Von dort fliegen wir dann weiter nach Denver. Unsere Reise dauert damit sieben Stunden länger.

Rajindar Sigh (71)

Taxi statt Flugreise

Ausgerechnet wenn ich mal in den Urlaub fliege, streikt das ­Bodenpersonal: Das ist ärgerlich! In der Früh bin ich zum Nürnberger Flughafen gefahren, um mich zu erkundigen. Mein Flug nach München wurde gestrichen, also habe ich ein ­Taxi genommen. Zum Glück gab es keinen Stau. Und mein Flug nach Chicago geht planmäßig. Ich besuche Verwandte in Arizonas Hauptstadt Phoenix.

Margit Weißer-Löffler (81), Rentnerin aus Fürth

Wer denkt an uns?

Ich finde die Situation überhaupt nicht gut – schließlich muss ich meine Familie ­versorgen. Und jetzt soll ich mir frei ­nehmen, nur weil es denen gerade eben gut passt? Den Streik finde ich an sich zwar in Ordnung, aber die können nicht einfach die Kitas schließen. Wir haben so viel Stress bei der Arbeit: Ich kann es mir nicht erlauben, zu fehlen. 

Tobias Schmidt (23), Maschinenbauer aus München

Ein flexibler Arbeitgeber

Unsere Kita ist heute geschlossen – für mich geht das aber in Ordnung. Streiks gibt es überall, es kommt auf das Ausmaß an. Bei Verwandten von mir dauerte das ganze vier bis sechs Wochen – das geht gar nicht! Aber mit einem Tag kommt man noch zurecht. Meine Frau und ich haben zum Glück sehr flexible und nette ­Arbeitgeber.

André Pritzke (37), Konstrukteur aus München

sb, rm, kab

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