Gärten sind nicht nur Grünoasen: Sie können unter anderem der Völkerverständigung dienen. Foto: Ella von der Haide

Die grüne Garten-Revolution

München - In München formiert sich eine Bewegung, die mehr Gärten in der Stadt will: Keine bloßen Grün-Oasen, sondern Begegnungsorte, Anbauflächen für selbst gezogenes Gemüse und therapeutische Grünflecken.

Mit einer jetzt veröffentlichten Studie will die neu gegründete „Münchner Stiftungsinitiative für urbanes Gärtnern“ ein Bewusstsein für alternatives Grün in der Stadt schaffen. Die erstmals erhobenen Zahlen beeindrucken: Knapp 50 000 Münchner waren 2009 in 826 gemeinschaftlich genutzten Gartenanlagen tätig.

Dazu zählen nicht nur klassische Schrebergärten. Sondern auch Krautgärten im Grüngürtel rund um die Stadt, wo Hobbygärtner ihr Gemüse selbst anbauen können, statt es im Supermarkt zu kaufen. Außerdem 300 pädagogische Gärten, die Unterrichtszwecken dienen. Und drei therapeutische Gärten, in denen Kranke, Senioren und behinderte Menschen garteln, weil ihnen das gut tut: Die Beete im Pflegeheim „Residenzia“ an der Murnauer Straße in Mittersendling. Die Äcker der Behindertenwerkstatt der Gärtnerei am Hart und eine Kleinanlage des Altenwohnheims „Kreszentia-Stift“ in der Isarvorstadt.

Studienautorin Ella von der Haide ist gelernte Stadtplanerin und interviewte sechs Monate lang Gartenprojekt-Koordinatoren in städtischen Ämtern, Schulen, Gärtnereien und Wohngenossenschaften. Sie meint, dass es noch mehr Gärten dieser Art in der Stadt geben könnte. Aber viele Projektleiter wüssten nicht Bescheid, was in anderen Stadtteilen passiere: „Die Einrichtungen sind untereinander kaum vernetzt, was die Erhebung erschwert hat“, sagt die 36-Jährige.

Die gefundenen Standorte dokumentierte von der Haide in einer Karte, die die Münchner im Internet abrufen können (http://maps.muenchen.de/rgu/urbane_gaerten). Was die Karte verschweigt: Immer mehr Kleinstflächen werden heimlich von sogenannten „Guerilla-Gärtnern“ bepflanzt: „Diese informellen Pflanzaktionen beschränken sich auf vernachlässigte Freiflächen“, erklärt von der Haide. Zum Beispiel auf Abstandsgrün und die Mini-Grünflächen um Baumstämme im Stadtgebiet. In ihrem Fazit stellt sie fest, dass die Nachfrage nach derlei Grünflächen das Angebot übersteigt.

„In München ist der Kapitaldruck auf die Flächen groß, deshalb ist es hier besonders schwer, Areale für die gemeinnützig orientierte gärtnerische Nutzung zu reservieren“, sagt auch Christa Müller von der Stiftung „Interkultur“, die Teil der neuen Bewegung ist. Die Stiftung bewirtschaftet interkulturelle Gärten, in denen Zuwanderer und Deutsche beim gemeinsamen Garteln einander begegnen und sich verstehen lernen können. Etwa an der Waisenhausstraße in Gern.

Nun suchen die Partner zusammen mit der Stadtverwaltung nach einer Lösung. Von der Haide ist optimistisch: „Die Leitlinien für die Stadtentwicklung sehen das Vorhalten kleinteiliger Freiflächen vor. Gartennutzungen sind eine Möglichkeit, das zu schaffen.“

Wolfgang Müller

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