„MUC“ und nicht „FJS“: Der Flughafen München wird meist nur Flughafen München genannt. Foto: dpa

Grüne: Umbenennung für Flughafen Franz Josef Strauß

München - Der Landtagsabgeordnete Sepp Dürr sieht in dem einstigen Landesvater einen schlechten Namenspatron.

Es war wohl kein gutes Jahr für die Erinnerung an Franz Josef Strauß. Erst hatte der pensionierte Finanzbeamte Wilhelm Schlötterer in seinem Buch „Macht und Missbrauch“ dem einstigen Bayern-Regenten diverse Machenschaften vorgeworfen – und war damit prompt auf der Beststellerliste des „Spiegel“ gelandet. Dann rüttelte auch noch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer am Idol. Es gebe da einige Dinge bei Strauß, die sie anderen vielleicht „nicht zur Nachahmung empfehlen würde“, räumte die CSU-Politikerin ein – und wäre danach ohne eine Entschuldigung fast aus dem Kabinett geflogen.

Es kommt aber noch dicker für Strauß. Diesmal droht Ungemach von den Grünen im Landtag. Die haben es auf den namensgleichen Flughafen im Erdinger Moos abgesehen. „Wir werden den Antrag stellen, dass der Flughafen umbenannt wird“, sagt der Abgeordnete Sepp Dürr. Zu viel habe Strauß auf dem Kerbholz. Er habe Unschuldige verfolgt oder sich persönlich im Amt bereichert. Dies habe auch das jüngste Buch noch einmal gezeigt. Und überhaupt: Unter dem Titel „Franz Josef Strauß“ kenne den Flughafen ohnehin keiner, meint Dürr. Nur „Flughafen München“ reiche auch.

Ganz Unrecht hat der Grünen-Politiker mit letzterem wohl nicht. Selbst der Flughafen verzichtet gerne mal auf den Zusatz Franz Josef Strauß. Das Kürzel des Airports heißt seit jeher „MUC“, nicht „FJS“; außer auf Verkehrsschildern ist der Name fast nirgends zu lesen. Auch auf seiner Homepage heißt der Airport nur „Flughafen München“.

Das habe einen Grund, meint Flughafen-Sprecher Ingo Anspach. Es sei ja gar nicht notwendig, den Flughafen mit dem Zusatz „FJS“ unterscheidbar zu machen. Es gebe in München ja nur einen. Mit dem „John F. Kennedy“ in New York oder „Charles de Gaulle“ in Paris sei München nicht zu vergleichen. Außerdem sei FJS sei ja nur ein „Beiname“, sagt Anspach. Das sei damals so beschlossen worden, als der Flughafen 1992 in Betrieb genommen wurde.

Grünen-Politiker Sepp Dürr glaubt dennoch, dass die Gesellschafterversammlung des Flughafens, in der Freistaat, Bund und Stadt München vertreten sind, ihren Beschluss rückgängig machen könnte. „Wenn wir den Landtag und die Stadt München ins Boot holen, kann nichts mehr schiefgehen“, sagt Dürr. Er glaube sogar, dass CSU-Parlamentarier für die Umbennung stimmen könnten. Die FDP mache dies sowieso. „Die hat doch am schärfsten unter Strauß gelitten“, meint Dürr.

Ob der Vorstoß der Grünen tatsächlich von Erfolg gekrönt ist, bleibt aber fraglich. Er wisse ja, dass es neben den Verdiensten des früheren Ministerpräsidenten auch berechtigte Kritik gebe, sagt FDP-Fraktionschef Thomas Hacker. Dennoch: Die Namensänderung sei „kein dringendes Thema“.

Selbst bei der SPD gibt es wenig Begeisterung. „Ich werde ja der Letzte sein, der sich schützend vor Franz Josef Strauß stellt“, hebt Fraktionschef Markus Rinderspacher hervor. „Aber die Forderung nach einer Namensänderung führt ein bisschen weit.“ Wenn es die aber geben sollte, müsse man über Alternativen nachdenken, frotzelte der neue Fraktionsboss. Denkbar seien „Franz Beckenbauer Flughafen“, „Georg Kronawitter Luftbasis“ oder „Christine Haderthauer Air & Space Center“.

Matthias Kristlbauer

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