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Zum Verzweifeln findet Zahnärztin Karen Meißner die grüne Farbgebung des Haltestellendaches. Nur der Schnee schafft vorübergehend ein wenig Abhilfe.

Grüne Zähne an der Münchner Freiheit

München - Futuristisch? Kunstvoll? Oder einfach nur grässlich? Das Dach der neuen Trambahn-Haltestelle an der Münchner Freiheit polarisiert durch seine knallig grüne Farbe. Besonders für Zahnärzte ist der Grünstich ärgerlich.

Die Zahnärztin Karen Meißner sieht von ihrer Praxis im dritten Stock direkt auf das Dach hinunter – und hat ein ganz anderes Problem.

Seit es fertig ist, hat sie mit einem kuriosen physikalischen Phänomen zu kämpfen: Das Grün strahlt so stark in ihre Behandlungsräume, dass ein normales Arbeiten nicht möglich ist.

„Als Zahnärztin muss ich kontrollieren, wie weiß die Zähne meiner Patienten sind. Und anhand einer speziellen Weißtonpalette muss ich bestimmen, welcher Ton bei Füllungen und Zahnersatz zum Einsatz kommt.“ Der konstante Grünstich in den Behandlungsräumen verhindert aber, dass sich Meißner auf eine exakte Farbwahrnehmung verlassen kann.

Durch die wellenartige Form des Daches werden auftreffende Lichtstrahlen stark gestreut und durch die breite Fensterfront der Behandlungsräume überall hin reflektiert. Am Fensterrahmen, auf dem Zahnarztstuhl und auf dem Arztkittel: Überall grünt es. Dauerfrost und starker Schneefall in der vergangenen Woche haben allerdings dafür gesorgt, dass das Dach jetzt zum Teil mit einer Schneedecke überzogen ist. Die neutralisiert die grelle Farbe einigermaßen gut.

Die Münchnerin hat schon viel versucht, um dem grünen Spuk ein Ende zu setzen. Anfang Dezember schrieb sie einen Brief an die Stadtwerke und an Oberbürgermeister Christian Ude. Kurz vor Weihnachten kamen die Antworten. Das Grün betone den „besonderen Charakter der Anlage“, sagen die Stadtwerke. Und der Anstrich sei „im Rahmen der Planfeststellung genehmigt“. OB Ude habe immerhin versprochen, sich persönlich um die Sache zu kümmern – gehört hat die Ärztin bis heute nichts.

„Ich beschäftige mich gerade mit Alternativen“, sagt Meißner. Spezielle Reflexionsfolien an den Scheiben, Behandlungsräume innerhalb der Praxis verlegen oder komplett umziehen – egal, was sie macht: Es wird ein teurer Spaß. Da kommt die weiße Pracht auf dem Dach ganz recht. „Der Schnee ist für mich eindeutig das schönste Geschenk im neuen Jahr,“ sagt die Ärztin und lächelt resigniert. Sie hofft, dass er ganz lange liegenbleibt. „Und vielleicht merken die Verantwortlichen, dass weiß auch eine schöne Farbe ist!“

Tobias Langenbach

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