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Marienhof: Die Bagger rollen an

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Protest der Bürger: Gegner des S-Bahn-Tunnels kämpfen für den Erhalt der Bäume am Marienhof. © Marcus Schlaf

München - Der Bau des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels beginnt. Nachdem gestern der Stadtrat den Weg frei gemacht hat für Vorabmaßnahmen am Marienhof, sollen dort schon in der nächsten Woche die Bagger anrollen. Doch der Widerstand bleibt.

Die Zeit drängt für die zweite Röhre, und deshalb soll nun alles ganz schnell gehen. Nachdem zum Ende vergangener Woche Freistaat und Bahn endlich den lange angekündigten Bau- und Finanzierungsvertrag unterzeichnet hatten, gab gestern der Stadtrat mit den Stimmen von SPD und weiten Teilen der Grünen und der CSU grünes Licht für Vorabmaßnahmen auf dem Marienhof, wo eine S-Bahn-Station entstehen soll. Es geht dabei um archäologische Grabungen nach Siedlungsresten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Eine Fläche von 5000 Quadratmetern soll dabei untersucht werden. Die geplanten Arbeiten dauern voraussichtlich sieben Monate.

Bereits am Freitag und Montag solle ein Bauzaun errichtet werden, sagte Albert Scheller, der Projektleiter des S-Bahn-Tunnels. Nächste Woche würden dann die Arbeiten beginnen. Insgesamt 10 000 Kubikmeter Aushub sollen mit sechs bis sieben Lkw-Fahrten vom Marienhof wegbefördert werden. Die Anfahrt der Laster erfolgt über den Isartorplatz und die Sparkassenstraße, der Abtransport über den Hofgraben und die Maximilianstraße. Scheller betonte, bei den Vorabmaßnahmen handle es sich „in keinster Weise“ um einen Baubeginn. Der soll erst im nächsten Jahr erfolgen.

Dennoch sorgte das Vorhaben nochmals für eine heftige Debatte im Stadtrat. Denn für den Bau des rund sieben Kilometer langen Tunnels liegt noch keine vollständige Baugenehmigung vor. Zwei der drei Teilabschnitte - den westlich des Stachus und den in Haidhausen - sind noch nicht planfestgestellt. Zudem ist nicht klar, ob der Bund die erforderliche eine Milliarde Euro beisteuert. FDP-Fraktionschef Michael Mattar sprach deshalb von einem „Hasardeurspiel“. Es sei „unverantwortlich, einem Baubeginn zuzustimmen, wenn die Finanzierung nicht steht“. Die FDP im Rathaus stellte sich mehrheitlich gegen die Baumaßnahmen, ebenso die Linke, die Freien Wähler und die Bayernpartei.

Der Druck, sofort mit den Baumaßnahmen zu beginnen ist der Verquickung des Vorhabens mit der Olympia-Bewerbung geschuldet. Nur mit den zuätzlichen Geldern aus Berlin für die Winterpiele 2018 scheint eine Finanzierung des auf zwei Milliarden Euro taxierten Vorhabens machbar. Doch dafür müsste die Röhre spätestens Ende 2017 fertig werden. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, sagte Projektleiter Scheller. Die Verpflanzung von 38 Bäumen soll dennoch erst in vier bis sechs Wochen erfolgen, wenn die Bäume gänzlich ausgetrieben haben.

Der Streit mit den Anliegern des Marienhofs aber geht weiter. Die hatten in einem Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof besseren Schutz vor Lärm und Staub beim Bau erstritten. Die Frage aber ist: Gelten die Vorabmaßnahmen schon als Bau? Die Bahn meint nein. Wolfgang Leitner, Anwalt vieler Anrainer, meint hingegen ja. Er werde deshalb einen Rechtsschutzantrag erheben, damit die Auflagen zum Schutz der Nachbarschaft erfüllt würden. Darüber muss wohl wieder der Verwaltungsgerichtshof entscheiden. Gibt er den Klägern Recht, könnte es zum Baustopp für die Vorwegmaßnahmen kommen.

Matthias Kristlbauer

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